Aarau entscheidet über seine neue Visitenkarte

Aarau will den Investitionsstau Schlag auf Schlag lösen: Am 17. Mai steht der Bahnhofplatz samt Bus-Terminal auf dem demokratischen Prüfstand. Die Stadt stimmt über einen Kredit in der Höhe von 15 Millionen Franken ab.

Hermann Rauber

Aarau baut: 7,4 Millionen Franken hat der Souverän für die Neugestaltung der Altstadtgassen bewilligt, ebenfalls bereits unter Dach sind knapp 15 Millionen Franken für die Erweiterung und Erneuerung des Gönhardschulhauses. Am 17. Mai stimmt der Souverän über weitere 15 Millionen für die Realisierung eines neuen Bahnhofplatzes ab, im Herbst soll das Projekt für die Erweiterung des Stadtmuseums im Schlössli folgen. Weitere 15 bis 16 Millionen soll der Anteil der Stadt an die Sanierung der Kunsteisbahn kosten, investieren will Aarau zudem in die Infrastruktur des Gemeinschaftszentrums Telli und in jene des Schwimmbades im Schachen.

In gut drei Wochen geht es an der Urne um die verkehrsmässige Erschliessung des neuen Aarauer Bahnhofs, der stetig in die Höhe wächst und Ende des kommenden Jahres eingeweiht werden dürfte. Zu berücksichtigen sind nicht nur die Interessen von 20 000 Bahn- und Buskundinnen und -kunden, die täglich nach Aarau und wieder nach Hause fahren, sondern auch die Bedürfnisse von Auto- und Velofahrern sowie der Fussgänger. Hauptbestandteile des künftigen Bahnhofplatzes sind neben einem Bus-Terminal die verkehrsbedingte Anpassung der heutigen Bahnhofstrasse sowie die Verbesserung der unter- und oberirdischen Passantenquerungen.

Parkingzufahrt Poststrasse

Das Projekt sieht namentlich einen zentralen Bushof für Fahrzeuge des BBA und Postautos vor, die neu auf der Südseite der Bahnhofstrasse zu- und wegfahren. Die künftige Zufahrt in das bestehende Bahnhofparking erfolgt über eine Rampe in der Poststrasse. Das bedingt, dass der Knoten Sauerländer an der Laurenzenvorstadt baulich verändert werden muss.

«Heller und sicherer» werden gemäss den Abstimmungsunterlagen auch die östliche und westliche Personenunterführung, die von der Stadt direkt zu den SBB-Gleisen führen. Eingebunden ist der «zentrale Angel- und Umsteigepunkt» auch in das existierende Fahrradnetz, zum Projekt gehört der Bau von neuen Veloabstellplätzen respektive einer neuen Velostation.

Als eigentliche «Visitenkarte» dominant sein wird der neu gestaltete Bahnhofplatz, laut Stadtrat «der urbane Gegenpart zum Park der Alten Kantonsschule», der «aufgeräumt, gepflegt und freundlich» sein soll. Über dem neuen Bushof wölbt sich ein 1000 Quadratmeter grosses, luftgestütztes Foliendach, das dem Platz zusätzlich einen «luftigen und leichten Charakter» verleihen und zum neuen Wahrzeichen der Stadt werden dürfte.

Tatsächlich erntete das Projekt mit der Platzgestaltung Ende März im Einwohnerrat fast einhelliges Lob. Die Bewertung reichte von «grosszügig» über «mutig» bis zu «angenehm». Selbst das Foliendach unter dem Begriff «Wolke» vermochte zu gefallen. Tobias Kämpf (SVP), der die Konstruktion als «deformierten Autopneu» abqualifizierte, blieb in der Minderheit, stimmte doch das Stadtparlament dem Vorhaben mit 46 Ja gegen 4 Nein ganz klar zu. Für den Stadtrat steht im Vordergrund, dass mit dem neuen Bahnhofplatz «die oberirdischen Fussgängerströme optimiert» werden, nicht zuletzt im Sicherheitsbereich.

Mehr Komfort für Busbenützer

Mit dem Bushof werde, so die Behörde zu Handen des Souveräns, «der Komfort und die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs gesteigert.» Das Projekt löst Investitionen von 20 Millionen Franken aus. An den Kosten beteiligen sich der Bund (Aggloförderung), der Kanton sowie Dritte, explizit die SBB und Anstösser. Unter dem Strich bleibt für die Stadt Aarau ein Bruttobetrag von 15 Millionen Franken, über die das Volk am 17. Mai abstimmt.

Weil der Aargauer Regierungsrat einen separaten Kreditbeschluss für den Anteil des Kantons nach dem Gesetz über den öffentlichen Verkehr ohne Berücksichtigung des in Aussischt gestellten Bundesbeitrages fassen wird, geht der Stadtrat davon aus, dass für Aarau am Ende noch ein Nettoaufwand von 11,5 Millionen Franken bleiben wird.

Bauzeit längstens bis Ende 2011

Stimmt eine Mehrheit der Aarauerinnen und Aarauer dem Kredit zu, dürften die Bauarbeiten am neuen Bahnhofplatz Ende 2010 beginnen, unmittelbar nach dem Bezug des Bahnreisezentrums im neuen SBB-Bahnhof und nach dem Abbruch der heutigen Provisorien. Voraussetzung ist, dass mit der Verlegung der Zufahrtsrampe zum Bahnhofparking in die Poststrasse und dem Umbau des Knotens Sauerländer bereits im nächsten Frühling angefangen werden kann. Die Behörde rechnet damit, dass bei einer Zustimmung durch das Volk das gesamte Werk Ende 2011 zur Verfügung stehen wird.

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