80 statt 33 Tiefenlager-Gemeinden

Um das Kerngebiet für ein hochaktives Lager (schraffiert) und ein schwach- bis mittelaktives (hellgrün) kommen fünf Kilometer für Umladeanlage und Zufahrt dazu. Der Einbezug von Küttigen und Biberstein ist laut Kanton wenig wahrscheinlich.

Tiefenlager

Um das Kerngebiet für ein hochaktives Lager (schraffiert) und ein schwach- bis mittelaktives (hellgrün) kommen fünf Kilometer für Umladeanlage und Zufahrt dazu. Der Einbezug von Küttigen und Biberstein ist laut Kanton wenig wahrscheinlich.

Das Bundesamt für Energie (BFE) und die Nagra haben sechs Regionen für ein Tiefenlager vorgeschlagen. Künftig werden bis zu 80 statt 33 Aargauer Gemeinden untersucht. Der Grund: Zufahrt und Empfangsgebäude können ausserhalb eines Lagers liegen.

Die sechs potenziellen Standorte für ein Tiefenlager der radioaktiven Abfälle hat in den tangierten Gebieten Zürcher Weinland, Nördlich Lägern, Bözberg, Jura-Südfuss, Wellenberg und Südranden heftige Diskussionen und ersten Widerstand ausgelöst. Die Auswahl der Gemeinden geschah einzig und allein gestützt auf die Geologie im Untergrund, sprich die genügende Mächtigkeit von Opalinuston, Effinger Schichten und Braunem Dogger und Mergel.

Ohne Rücksicht auf kommunale Grenzen hat die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) quasi von unten her den Scheinwerfer nach oben projiziert. Mit dieser Folge: Einzelne Gemeinden sind nur ganze am Rande minimal tangiert worden, bei anderen aber ist der Untergrund des ganzen Gebietes für ein Tiefenlager geeignet.

Ausdehnung auf die Region

Als nächster Schritt folgt eine beachtliche Ausweitung: Im Umkreis eines Radius von 5 Kilometern um die vorgeschlagenen geologischen Standortgebiete erfolgt eine raumplanerische Bestandesaufnahme. «Basis dazu bilden die Sachpläne und Inventare des Bundes, die Richtpläne der Standortkantone und die Nutzungspläne der Standortgemeinden», steht dazu wörtlich im Konzeptteil des Sachplans geologisches Tiefenlager. «Im Vergleich zu den bisherigen Standortgebieten könnte sich die Zahl der tangierten Gemeinden verdoppeln», sagt Piet Zuidema, Leiter Technik und Wissenschaft bei der Nagra.

Die Folgen sind happig: Allein am Standort Bözberg kommen zu den 20 tangierten Gemeinden bis zu 35 dazu. Im untersuchten Perimeter können auch Schinznach-Bad und Schinznach-Dorf, Brugg, Untersiggenthal, Würenlingen, Frick und viele mehr enthalten sein (siehe Karte). Die genaue Abgrenzung will das BFE bis Ende Jahr bekannt geben. Am Jura-Südfuss kommen zu den 10 Aargauer Gemeinden zirka ein Dutzend dazu - ohne jene in Solothurn. Von der Region Nördlich Lägern werden statt 3 etwa 6 Aargauer Gemeinden tangiert. Fazit: Statt 33 sind im neuen Perimeter bis zu 80 Aargauer Gemeinden dabei.

Zufahrt bis zu zehn Kilometer lang

Die Ausdehnung auf zahllose weitere Gemeinden hat diesen simplen Hintergrund: Das erst ab 2030 nötige Lager für mittel- und schwachaktive Abfälle (SMA) und das ab 2040 nötige Lager für hochaktive Abfälle (HAA) brauchen eine Zufahrt und eine Empfanganlage. Theoretisch gibt es aus Nagrasicht zwei Varianten, um ins Tiefenlager zu gelangen: Bei 900 Metern Tiefe kann man vom höchsten Punkt aus eine Tunnelrampe bauen, die bei 10 Prozent Gefälle 9 Kilometer lang würde.

Ebenso gut denkbar ist es jedoch, von einem tieferen Punkt aus mit weniger Gefälle 9 oder 10 Kilometer in direkter Linie einen Strassentunnel von der Empfangsanlage zu bauen. Mit diesem Vorteil: Die über 100 Tonnen schweren Transportbehälter müssten nicht zuerst auf einen Berg hochgefahren werden.

Keine Vorgaben der Techniker

Für die Nagra-Fachleute ist klar, dass ihre Aufgabe im Tiefenlager sich rein auf die technischen Belange beschränkt. «Wir wollen ergebnisoffen sein, sonst käme es nicht gut heraus», versichert Zuidema. Entsprechend gebe es null Präferenzen für Standortregionen oder bevorzugte Gemeinden. Entscheidend sei die höchstmögliche Sicherheit für die Wahl von einem oder zwei Standorten, die der Bundesrat im Jahr 2015 trifft. Wo die Empfangsanlage hinkommt, wird von der Nagra zusammen mit den tangierten Kantonen und Gemeinden unter BFE-Leitung festgelegt. Mit Vorteil könnte der Bau in einer Kiesgrube, einem Industriegelände mit Gleisanschluss oder an einem Hangfuss entstehen.

Meistgesehen

Artboard 1