Meilenstein
80 Mio. Franken teure Biodiesel-Anlage bewilligt

Darauf haben die Investoren von Green Bio Fuel AG seit Jahren gewartet: Jetzt liegt die Baubewilligung für die rund 80 Millionen Franken teure Biodiesel-Anlage in Bad Zurzach vor. Über den Start des Baus wird im Februar entschieden.

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Biodiesel-Anlage

Biodiesel-Anlage

Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Seit der ersten Vorstellung des ungewöhnlichen Projekts sind inzwischen Jahre verstrichen, die Initianten der Green Bio Fuel AG in Bad Zurzach mussten manche hohe Bewilligungshürde überspringen. «Jetzt haben wir einen Meilenstein erreicht», freut sich Mediensprecher Ulrich Frei über die Baubewilligung durch die Gemeinde und den Kanton. Neben der eigentlichen Anlage zwischen Solvay und Bahngleis benötigte auch die Kläranlage einen Umweltverträglichkeitsbericht (UVB). Später kam auch die Nutzung der Abwärme dazu und vor knapp einem Jahr ein fischereibiologisches Gutachten.

Zwischen Rekingen und Bad Zurzach gilt der Rhein als Schutzgebiet für die Äschen, weshalb die Auswirkungen der Biodiesel-Produktion genauer untersucht werden mussten. Der Bericht über die Umweltverträglichkeit und die Urteile der Umweltschutzfachstelle im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) liegen gemäss Amtsblatt vom 5. Januar bis 3. Februar 2010 in der Bauverwaltung von Bad Zurzach öffentlich auf.

130 Millionen Liter pro Jahr

Mit dem Termin für den Start der Bauarbeiten wollen sich die Initianten erst befassen, wenn die Auflagefrist vorüber ist. «Einsprachen sind allerdings nur noch gegen Punkte möglich, die noch nicht behandelt worden sind», präzisiert Frei. Unverändert sind die Eckdaten mit einem Bauvolumen von rund 80 Millionen Franken und einer Bauzeit von einem Jahr.

Der aus pflanzlichen Ölen hergestellte Biodiesel soll im Umfang von 130 Millionen Litern pro Jahr produziert und vermarktet werden. «Derzeit sind wir an den Verträgen mit den Abnehmern», betont Ulrich Frei. Offen bleibt dabei die Frage, ob der Biodiesel direkt an interessierte Autofahrer verkauft oder von einer Ölgesellschaft übernommen und dem Diesel beigemischt wird. Mit der Prüfung der Umweltverträglichkeit sind alle Auswirkungen auf Luft, Lärm, Abwasser und Oberflächengewässer sowie die Folgen für Natur und Landschaft intensiv untersucht worden.

Diverse Auflagen durch den Kanton haben das Projekt auch aus der Sicht der Bauherren verbessert, obwohl dadurch viel Zeit verloren ging.

100 Prozent Jatropha aus Afrika

Bei der Beschaffung des Rohstoffs sieht es nach einer Verschiebung aus, weg von den Rapspflanzen, deren Öl auch als Lebensmittel eingesetzt werden kann. «In gewissen Bereichen gibt es bei Biotreibstoffen eine Konkurrenz zu den Lebensmitteln, aber nicht bei unserem Projekt», sagt der Mediensprecher dezidiert. Geplant werde deshalb ein 100-prozentiger Einsatz der Pflanze Jatropha aus Moçambique, bei der die Sozial- und Ökobilanz hervorragend sei. Die Pflanze gedeihe in steppenähnlichen Gebieten und komme mit sehr wenig Wasser aus. Das Öl aus den Jatropha wird bereits um den Gefrierpunkt dickflüssig, was aber durch das Beimischen von Zusätzen gelöst werden kann. Ohne Auflagen kommt das Grossprojekt nicht aus: «Wir müssen die Treibstoff-Ökobilanz erfüllen», betont Ulrich Frei. Am Schluss entscheide die Oberzolldirektion, ob der Jatropha-Biodiesel bewilligt und steuerlich befreit werde.

Erhöhung der Energiepreise

Von steuerlichen Erleichterungen oder einer Steuerbefreiung beim Treibstoffzoll und von den künftigen Energiepreisen hängt der wirtschaftliche Erfolg des Projekts in Bad Zurzach ab. «Die fehlende Begünstigung wäre allerdings kein Killerkriterium», versichert Sprecher Frei. Er ist auch überzeugt davon, die Energiepreise könnten erneut explodieren, wenn die globale Wirtschaft wieder rund laufe.

Die Initianten unterstreichen auch die positiven Umweltfolgen: 200000 Tonnen CO liessen sich mit dem Biodiesel jährlich einsparen. Die Schweiz könnte damit 10 Prozent des Kyoto-Protokolls mit einem Projekt erfüllen, versichern die Bauherren.