Kinderbetreuung

8 oder 90 Franken: Extreme Unterschiede bei den Krippentarifen

Was Eltern für die Betreuung ihrer Kinder in Kitas, Krippen, Tagesschulen oder für Mittagstische bezahlen müssen, hängt von ihrem Wohnort ab. Bei den Tarifen gibt es riesige Unterschiede.

Zu diesem Schluss kommt die Nationalfondsstudie "Familienergänzende Kinderbetreuung und Gleichstellung".

So bezahlen Eltern mit einem niedrigen Familieneinkommen von 65'000 Franken pro Jahr im Kanton Jura für die Betreuung ihres Kleinkindes in einer Krippe 8 Franken pro Tag. Die gleiche Familie müsste für das gleiche Angebot im Kanton Solothurn 90 Franken pro Tag bezahlen.

Das sagte die Studien-Co-Leiterin Susanne Stern vom Forschungs- und Beratungsbüro INFRAS am Montag bei der Präsentation der Studie in Bern. Die Bandbreite dessen, was Eltern bezahlen müssten, sei "extrem breit".

Zweiteinkommen lohnt sich (oft) nicht

"Arbeit sollte sich für die Eltern eigentlich finanziell lohnen, doch heute ist es oft so, dass die Eltern ab einem gewissen Pensum für die Kinderbetreuung noch draufzahlen müssen", fügte Stern an. Gemäss Studie sind die Gründe dafür hohe Tarife und höhere Steuern, wenn beide Eltern arbeiten.

Besonders einkommensschwache, sozial benachteiligte Familien verzichten wegen diesem Effekt darauf, ihre Kinder ausser Haus betreuen zu lassen. Um allen Bevölkerungsschichten den Zugang zu familienergänzender Kinderbetreuung zu ermöglichen, sei der Preis ein wichtiges Instrument.

Es brauche deshalb eine gemeinsame Anstrengung von Bund, Kantonen, Gemeinden und Arbeitgebern, damit es künftig in der Schweiz genügend und bezahlbare Betreuungsangebote gebe.

Stern schränkte bei ihren Ausführungen ein, dass die für die Studie im Jahr 2010 erhobenen Daten zu den Kosten der Betreuungsplätze sehr lückenhaft seien. Die meisten Kantone seien nicht in der Lage gewesen, dazu Angaben zu machen. Deshalb habe man für die Studie Gemeinden miteinander verglichen. (sda/cls)

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