1130 Tiere wurden von den Behörden beschlagnahmt, 45 Prozent mehr als im Vorjahr. Als Erklärung dafür stehen für Helen Sandmeier vom STS zwei Aspekte im Vordergrund: «Es hat eine Veränderung im Bewusstsein stattgefunden», sagt sie auf Anfrage der «Nordwestschweiz». Veterinärämter und Kantonstierärzte schritten schneller ein als früher, wenn etwa ein Hund ohne Auslauf im Zwinger gehalten werde.

Als zusätzlicher Aspekt weist Sandmeier auf das Phänomen Tiersammelsucht hin (engl. «animal hoarding», Tierhortung) hin. «Man hört viel von Fällen von Tier-Messies», sagt die STS-Sprecherin. Sie kennt einen Fall aus der Ostschweiz, wo die Behörden 30 Hunde auf einmal ins Tierheim brachten. In Zürich seien gar 100 Tiere - vor allem Vögel und Kleintiere - abgeholt worden.

Wenn das Modetier nicht mehr gefällt

Während in der Statistik die Anzahl Hunde und Nager gegenüber dem Vorjahr um 13, respektive 14 Prozent abgenommen hat und die Anzahl Katzen mit plus 1 Prozent in etwa stabil geblieben ist, hat die Kategorie «andere» um 14 Prozent zugenommen. Eine detaillierte Erhebung dieser Kategorie gibt es nicht, Sandmeier sagt aber: «Ich habe den Eindruck, es hat hauptsächlich bei den Reptilien zugenommen. Also bei Schildkröten, Modetieren wie Geckos, Schlangen und Vogelspinnen.» Die Besitzer informierten sich häufig vor dem Kauf nicht umfassend. «Dann stellen sie erstaunt fest, wie alt und gross ein solches Tier wird und sind völlig überfordert.»

Eine Überforderung bedeuten diese Exoten auch für die Tierheime. «Es bereitet den Tierheimen Probleme, diese Tiere aufzunehmen, denn sie sind nicht darauf eingerichtet, sie artgerecht zu halten.» Der grösste Teil der aufgenommenen Tiere sind aber Katzen (55 Prozent), gefolgt von den «anderen Tieren» (19 Prozent), Hunden (14 Prozent) und Nagern (12 Prozent).

STS: Schweizer nicht besonders tierfreundlich

Zwar lebe in weit mehr als der Hälfte aller Schweizer Haushalte ein Tier. Es sei aber nicht richtig, daraus auf eine besondere Tierfreundlichkeit der Schweizer zu schliessen, hält der Schweizer Tierschutz fest. Die grosse Zahl von Tieren, die in die Obhut von Tierheimen gegeben werden, weise auf viele Fälle unüberlegt angeschaffter, vernachlässigter, falsch gehaltener und verstossener Tiere hin.

Im Kanton Waadt, zum Beispiel, wurden 2012 jeden Tag sechs Katzen in einem Tierheim als Verzichttiere abgegeben. Im Kanton Zürich nahmen STS-Tierheime jede Woche vier Hunde auf. Im Kanton Solothurn wurden innerhalb eines Jahrs im Tierdörfli Olten 841 Katzen, 128 Hunde und 174 Nager abgegeben.