Mobilfunktechnologie

5G-Antennen durch die Hintertür: Elektrosmog-Gegner sehen illegale Tricks der Betreiber

Die Branche nehme es mit den geltenden Gesetzen nicht so genau und greife zu «trickreichen Methoden», kritisiert Gigaherz, die Schweizerische Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener.

Die Branche nehme es mit den geltenden Gesetzen nicht so genau und greife zu «trickreichen Methoden», kritisiert Gigaherz, die Schweizerische Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener.

Für den neuen, ultraschnellen 5G-Standard müssen die Sendeanlagen aufgerüstet werden. Die Betreiber bedienten sich dabei illegaler Tricks, kritisieren Elektrosmog-Gegner. Jetzt soll die Politik reagieren.

Seit ein paar Wochen sind die 5G-Frequenzen versteigert, nun machen die Telekomanbieter mit dem neuen Mobilfunkstandard vorwärts. Sunrise hat bereits für Ende März erste Angebote angekündigt, die Konkurrenz setzt vorerst auf Tests. Dabei nehme es die Branche mit den geltenden Gesetzen nicht so genau und greife zu «trickreichen Methoden», kritisiert Gigaherz, die Schweizerische Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener.

Gemäss Präsident Hans-Ulrich Jakob «versuchen kantonale Umweltämter in Kumpanei mit den Mobilfunkbetreibern, zahlreiche Mobilfunk-Sendeanlagen unter dem Deckmantel einer Bagatelländerung ohne Baubewilligung durchzupauken». Damit sparen sie gegenüber einem regulären Upgrade bis zwei Jahre. Doch von einer «Bagatelländerung» könne keine Rede sein, wenn dabei Sendeleistungen aus den unteren Frequenzbereichen in den oberen Frequenzbereich verschoben würden, was bei 5G der Fall sei, gibt Jakob zu bedenken.

Dennoch sind dem Elektrosmog- Gegner eine ganze Reihe von dergestalt aufgerüsteten Antennen gemeldet worden. Eine zum Beispiel stehe mitten in Baden im Kanton Aargau, viele andere im Kanton Bern. In Burgdorf etwa seien fünf Antennen ohne Baubewilligung aufgerüstet worden, ausserdem je eine in Wattenwil sowie in Aarwangen.

Bernische Baudirektion heisst Einsprache gut

Bei letzterem Standort haben sich die Anwohner erfolgreich gewehrt: «Soeben haben wir den Entscheid der kantonalen Baudirektion bekommen, dass die Swisscom ein Baugesuch einreichen muss», berichtet der Gigaherz-Präsident. Das stimmt ihn für andere Standorte im Land zuversichtlich: «Ich hoffe, dass wir sie ausbremsen können.»

Der Bundesrat muss sich morgen ebenfalls mit 5G beschäftigen. In der Fragestunde des Nationalrats hat er einen Vorstoss der Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann zu beantworten. Die Ärztin ist überzeugte Elektrosmog-Gegnerin und will die Untersuchungen, wonach die Mobilfunktechnologie unbedenklich sei, nicht gelten lassen. Allein für die geltenden Standards von 1G bis 4G lägen «Tausende Studien und Erfahrungsberichte vor, die das Gesundheitsrisiko zweifelsfrei belegen», sagt sie. Unter anderem könne die Strahlung das Hautkrebsrisiko erhöhen sowie zu Bienensterben führen.

Über die Auswirkungen von 5G sei zwar noch nicht viel bekannt. Aufgrund der Erfahrungen mit den bisherigen Mobilfunkstandards sei aber anzunehmen, dass 5G erst recht nicht ohne Folgen für Mensch, Tier und Pflanzen bleibe. Zum Beweis führt die Luzernerin Palm Beach an: Überall im US-Bundesstaat Florida dürften die Mobilfunkbetreiber ohne Genehmigung ihre 5G-Antennen aufstellen, nur nicht in dem Nobelort, in dem die Reichen wie Microsoft-Gründer Bill Gates und US-Präsident Donald Trump ihre Villen stehen haben.

Vom Schweizer Bundesrat möchte Estermann erfahren, «ob er sich bewusst ist, dass mit 5G Menschenexperimente gestartet werden, ohne dass deren Auswirkungen bekannt wären». Doch beim Fragen soll es nicht bleiben, Die SVP-Nationalrätin kündigt bereits weitere Vorstösse zusammen mit Ratskolleginnen und -kollegen an. Allerdings «eher mit Grünen und Linken als mit Mitgliedern der eigenen Partei».

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