Wer in den letzten 20 Jahren Militärdienst geleistet hat, kennt ihn: den Duro, einen geländegängigen Kleinlastwagen mit Allradantrieb. Er ist der eigentliche Lastesel der Schweizer Armee, kann er doch sowohl für den Transport von Truppen wie auch von Material eingesetzt werden. Rund 3000 Stück besitzt die Schweizer Armee. Ein Grossteil davon – 2220 Fahrzeuge – ist am Ende seiner Lebensdauer angelangt, die restlichen Duros wurden in den vergangenen Jahrzehnten weniger beansprucht und können weiterbetrieben werden.

Die Gretchenfrage lautet nun: Was soll mit den Duros passieren? Sollen sie verschrottet und neue Fahrzeuge angeschafft werden? Oder sollen an ihnen sogenannte «werterhaltende Massnahmen» durchgeführt werden – also eine komplette Sanierung der Fahrzeuge, bei der vereinfacht gesagt nur das Grundgerüst bestehen bleibt? Der Nationalrat hat sich in der Wintersession für letztere Variante entschieden.

Er hat dies in Kenntnis davon getan, dass die Sanierungsvariante eine schöne Stange Geld kostet. Nicht weniger als 558 Millionen Franken sind dafür budgetiert, was pro Fahrzeug über 250000 Franken macht.

Bereits im Parlament machte sich Widerstand breit gegen die «Luxuslösung». Nun regt sich aber auch armeeintern Unmut. «Der Werterhalt des Duros lohnt sich keinesfalls», sagt Hauptmann Mathias Gräzer. Er ist Offizier der Logistiktruppen und führte während sechs Jahren eine Bataillonswerkstatt. Kurz: Er kennt sich mit dem Duro aus wie wenig andere.

«Keine Alternativen»

Gräzer hat zum Rüstungsgeschäft zahlreiche Berechnungen erstellt und kommt darin zum Schluss, dass die Armee für die Hälfte des nun veranschlagten Preises sogar 3000 neue Geländefahrzeuge für den Truppen- und Materialtransport beschaffen könnte. Dies, weil der Haupteinsatzort der Armee im Krisenfall nicht mehr in gebirgigem, sondern in überbautem Gelände liegen würde – womit nicht mehr die gleichen Anforderungen an die Geländegängigkeit der Fahrzeuge gelten. Hinzu komme, dass auch andere Fahrzeugmodelle – etwa ein Mercedes Unimog oder Sprinter – den heutigen Bedürfnissen entsprechen würden.

Das Verteidigungsdepartement (VBS) sieht dies anders: Auf dem Markt seien derzeit «keine alternativen Produkte, welche alle militärischen Anforderungen erfüllen, verfügbar», teilt das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) mit. In der bundesrätlichen Botschaft wird darauf hingewiesen, dass die Nutzungsdauer von neuen Fahrzeugen nur rund die Hälfte des sanierten Duros betrage, was «den Vorteil des geringeren Stückpreises nicht aufwiegt».

Zudem schneide die Werterhaltung gegenüber der Neubeschaffung in der Ökobilanz deutlich besser ab und der Beschaffungskredit werde «zu 100 Prozent im Werkplatz Schweiz eingesetzt».

Zuerst abklären, dann revidieren

Die Kritik am Rüstungsgeschäft richtet sich aber auch gegen einen anderen, bisher kaum beleuchteten Aspekt: Um abzuklären, ob die «werterhaltenden Massnahmen» überhaupt Sinn machen, hat Armasuisse im Frühjahr 2014 die Firma Mowag GmbH beauftragt, eine entsprechende Studie zu verfassen.

Diese kam zum Schluss, dass sich die Sanierung lohnt. Und wer wird nun, sofern das Parlament definitiv grünes Licht gibt, diese Massnahmen durchführen? «Mowag ist gegenüber der Armasuisse der alleinige Auftragnehmer», teilt die Rüstungsbeschafferin gegenüber der «Nordwestschweiz» mit.

Mit anderen Worten: Die gleiche Firma, welche die Sanierung als sinnvoll erachtet, darf diese für über eine halbe Milliarde Franken dann auch gleich ausführen.

Armasuisse sagt dazu, dass die Mowag den Auftrag erhalten habe, eine Offerte «über die Machbarkeit einer Werterhaltung und Nutzungsverlängerung des Duros» zu erstellen. Da die Mowag die Rechteinhaberin sei, könne keine andere Firma diese Offerte ausarbeiten. Das VBS habe aber auch andere Angebote geprüft und sich schliesslich für die Werterhaltung ausgesprochen. Keinesfalls habe die Mowag entschieden.

Legt der Ständerat das Veto ein?

Duro-Spezialist Gräzer ist dies zu schwammig. Eine Machbarkeitsprüfung, wie sie Armasuisse bei der Mowag bestellt habe, sei nicht das Gleiche wie eine Offerte. Es sei «nichts als logisch», dass die Mowag aus Eigeninteresse zum Schluss komme, ein Werterhalt lohne sich. Entsprechend hätte eine andere Institution – etwa die Empa mit einer eigenen Fahrzeugprüfabteilung – diese Machbarkeitsprüfung erstellen müssen.

Zudem gebe es im In- und Ausland auch andere Firmen als die Mowag, die einen Umbau durchführen könnten, so Gräzer. Die beschlossene Massnahme sei letztlich eine «überaus fragwürdige Standortförderung». Oder anders gesagt: Ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk für die Mowag – zum Nachteil der Steuerzahler.

Ins gleiche Horn bläst auch Nationalrat Ulrich Giezendanner (SVP, AG). Er hat sich bereits im Parlament vehement für eine kostengünstigere Sanierungsvariante ausgesprochen – ohne Erfolg.

Auf den Beschaffungsprozess angesprochen, sagt er: «Das stinkt zum Himmel.» Mittels Interpellation will er nun zusätzliche Erklärungen vom Bundesrat einfordern – und Druck auf den Ständerat ausüben. Denn bevor bei den alten Duros tatsächlich Motoren, Bremsen und Sitze ausgetauscht werden, muss noch die kleine Kammer ihren Segen dazu geben. Giezendanner ist zuversichtlich, diese noch umstimmen zu können: «Ich werde die Ständeräte persönlich ins Gebet nehmen.»