Umstrittenes Buch

5 Kilo Fantastereien: Umstrittener Türke will Schweizer Parlamentarier von der Evolutionslehre abbringen

Adnan Oktar will von Evolutionslehre nichts wissen und beschreibt sie als Grundlage für zum Beispiels Adolf Hitlers Verbrechen.

Adnan Oktar will von Evolutionslehre nichts wissen und beschreibt sie als Grundlage für zum Beispiels Adolf Hitlers Verbrechen.

Die Bundespolitiker bekamen das umstrittene Buch von Adnan Oktar zugeschickt. Er kämpft gegen die Evolutionslehre.

Es ist wahrlich dicke Post: Über fünf Kilogramm wiegt das 800 Seiten starke und aufwendig gebundene Buch, das zahlreiche Bundesparlamentarier in den vergangenen Tagen ungefragt nach Hause geschickt bekamen. Der «Atlas der Schöpfung» ist das Hauptwerk des türkischen Kreationisten Adnan Oktar. Unter seinem Pseudonym Harun Yahya hat er Dutzende Bücher veröffentlicht. Darin führt er einen Kreuzzug gegen den Darwinismus.

Adnan Oktar tritt auch unter dem Namen Harum Yahya auf.

Adnan Oktar tritt auch unter dem Namen Harum Yahya auf.

In der Evolutionslehre der natürlichen Auslese sieht Oktar die Wurzel allen Übels. Er behauptet, nach Darwin sei der Mensch bloss ein Tier, das ums Überleben kämpfe. Die Evolutionstheorie bezeichnete er in einem Gespräch mit dem «Spiegel» deshalb unter anderem als Grundlage für Hitlers Faschismus und Stalins Kommunismus.

Mehrere Politiker bestätigen auf Anfrage, dass sie den «Atlas der Schöpfung» erhalten haben. Auch auf Twitter äusserten sich Parlamentarier nach einem Aufruf der Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran dahingehend. «Was für eine Verschwendung an uns Biologen», witzelte sie in einem Tweet.

Im Visier des Geheimdiensts

In den vergangenen Jahren wurde der «Atlas der Schöpfung» Tausende Male als Freiexemplar an Politiker und Wissenschafter in Europa verschickt. Wer die kostspielige Aktion finanziert, ist nicht bekannt.

Adnan Oktar ist eine schillernde Figur in der Türkei. Seine Botschaften verbreitet er über Bücher und soziale Medien, aber auch über einen via Turksat empfangbaren Fernsehsender.

Nach einer Verteilaktion in Deutschland stand Oktar gar schon unter der Beobachtung des dortigen Inlandgeheimdiensts. In einem Bericht hiess es, er sei getrieben von der Idee, «Machenschaften des Zionismus und der Freimaurerei aufzudecken».

In der Schweiz reagieren Parlamentarier derweil gelassen auf die Aktion. Unzählige Lobbygruppen buhlen Woche für Woche um ihre Gunst. Allerdings kann sich der Aargauer BDP-Nationalrat Bernhard Guhl nicht erinnern, jemals ein derart umfangreiches Buch wie den «Atlas der Schöpfung» bekommen zu haben. «Den Absendern steht viel Geld zur Verfügung», vermutet er. Trotzdem habe er das Buch direkt entsorgt.

Ähnlich tönt es bei Balthasar Glättli, dem Fraktionschef der Grünen. Am Ende habe das Buch bei ihm vor allem eines ausgelöst: «Das Gegenteil von dem, was damit angestrebt worden ist.»

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