Jürg Schürch
40 000 Franken privat abgezweigt?

Um seinen Kredit ans einst konkursite Sportzentrum Huttwil zu sichern, überwies sich Ex-Geschäftsführer Jürg Schürch vor dem Abgang Ende April 40 000 Franken. Für den heutigen Besitzer Markus Bösiger «unlautere Geschäftsführung». Er habe den Betrieb 2008 «schuldenfrei» übernommen.

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40 000 Franken privat abgezweigt?

40 000 Franken privat abgezweigt?

Solothurner Zeitung

Samuel Thomi

Hat sich Jürg Schürch vor dem Abgang als Geschäftsführer des Sportzentrums Huttwil unerlaubterweise 40000 Franken überwiesen? Das zumindest teilte Markus Bösiger am Dienstag als heutiger Besitzer des Zentrums mit. «Zweieinhalb Jahre bin ich hinter Jürg Schürch gestanden, habe ihn gegen alle Kritik und Anfeindungen verteidigt», lässt sich der Langenthaler Unternehmer zitieren.

«Aber was sich Jürg Schürch da nun geleistet hat, geht ganz klar zu weit.» Die «unlautere Geschäftsführung mit dem Abzweigen von 40000 Franken» könne er nicht mehr auf sich sitzen lassen: «Von einem gewählten Grossrat erwarte ich ein anderes Auftreten in der Öffentlichkeit und schon gar nicht einen derartigen Vertrauensbruch.»

Wer hat wen kritisiert?

Die Minne war nur von kurzer Dauer: Da Schürch Ende März nach vier Jahren wieder in den Grossen Rat gewählt wurde, und weil er als 61-Jähriger seine Nachfolge «sauber regeln» wollte, gebe er die Geschäftsführung des Nationalen Sportzentrums auf eigenen Wunsch ab, sagte Jürg Schürch Ende April.

Das überraschte bereits damals; hatte Schürch als «Vater» des Sportzentrums in den Tagen zuvor doch heftig Markus Bösigers Pläne kritisiert, aus dem Hockeyclub Huttwil Falcons mittelfristig ein Nationalliga-B-Hockeyteam zu machen. Jetzt teilte Jürg Schürchs neuer Arbeitgeber – die Schürch Holz Huttwil AG von Bruder Peter – Ende letzte Woche in einem Communiqué mit, Jürg Schürch trete wieder in den Familienbetrieb ein, «wo Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit noch zählen».

«Mündlich abgemacht»

Das wieder liess Bösiger nun nicht auf sich sitzen: «Damit unterstellt Jürg Schürch den Unternehmungen bösiger-langenthal, deren Besitzer sowie dem gesamten Mitarbeiterstab unehrenhafte Geschäftspraktiken.» Umgekehrtes sei vielmehr der Fall: Bei der periodischen Kontrolle der Buchhaltung letzte Woche sei aufgeflogen, dass sich Schürch von Januar bis Mai 2010 vom Sportzentrum-Konto drei Mal Geld überwiesen habe.

Dabei geht es laut übereinstimmenden Angaben von Bösiger-Sprecher Walter Ryser und Jürg Schürch um zweimal 10000 und einmal 20000 Franken, die sich der einstige Geschäftsführer Anfang Jahr und kurz vor dem Abgang aufs Privatkonto einzahlte. Schürch betonte am Dienstag am Handy aus seinen Ferien allerdings, dies sei mit Bösiger so «mündlich abgemacht» gewesen.

«Solange ich noch die Finanzkompetenz besass, habe ich die mir zustehenden Zahlungen ausgelöst», ergänzte Jürg Schürch auf Nachfrage. Das Geld sei «Teil der Amortisation» eines privaten 100000-Franken-Kredits. Den habe er vor der Übernahme des Zentrums durch Bösiger zusammen mit einer zweiten Verwaltungsrätin je hälftig aufgenommen.

«Diese Mittel mussten wir uns vor dem drohenden Konkurs beschaffen, damit wir immer genug liquid waren, um beispielsweise Löhne zu bezahlen», so Schürch. «Das Geld war also immer für das Sportzentrum da.» Entsprechend stehe ihm dieses nun auch zu.

Und überhaupt seien noch weitere 60000 Franken ausstehend, sagte Schürch auf Nachhaken. Walter Ryser dementiert dagegen klar: «Markus Bösiger hat das Sportzentrum Huttwil 2008 bei null, also ohne Altlasten, übernommen.»

Mitteilung ohne Schürchs Wissen?

Jürg Schürch betont zudem mehrfach, seit dem Abgang als Sportzentrum-Geschäftsführer – offiziell ist er noch bis Ende Juli angestellt – habe er sich bis auf die eine Aussage «nie mehr negativ über Markus Bösiger und seine Unternehmen geäussert». Was haben dann die mit Anführungszeichen in der Mitteilung der Schürch Holz Huttwil AG gekennzeichneten Zitate zum neuen Job auf sich? «Dieses Communiqué habe ich vor meinen Ferien nicht mehr gesehen. Die Mitteilung wurde, ohne, dass ich sie gegenlesen konnte, verschickt.»

Für Bösiger ist sie jedoch nicht der einzige Grund, gegen Schürch in die Offensive zu gehen: «Er hat sich stets dagegen gewehrt, die Finanzen dem Hauptunternehmen zu unterstellen.» Ins Sportzentrum allerdings investiere er nicht nur viel Herzblut, sondern auch Geld. Bösiger: «Es ist für uns absolut untolerierbar, wenn ein ehemaliger Angestellter uns in der Öffentlichkeit diffamiert und verunglimpft.»

Kommt es also zur Anklage? «Das ist sicher kein Kavaliersdelikt», so Markus Bösiger. Mehr mag er vorerst dazu nicht sagen. Jürg Schürch wiederum will sich nach den Ferien bei Ex-Chef Bösiger melden. Ausser den «happigen Vorwürfen» via die Journalisten habe ihn Bösiger «noch nicht kontaktiert».

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