Spionage

35 Spitzenpolitiker abgehört, auch Bundesräte sind davor nicht gefeit

Das Abhören von Telefonaten von Staats- und Regierungschefs ist keine komplizierte Sache - «Technisch kann jedes Mobiltelefon abgehört werden.» Einer der das wissen muss ist Urs von Däniken, ehemaliger Chef des Inlandgeheimdienstes.

Schnüffeln amerikanische Geheimdienste auch in der Schweiz?

«Internationale Gespräche werden routinemässig abgehört», sagt Urs von Däniken, ehemaliger Chef des Inlandgeheimdienstes.

Das sei schon im Staatsschutzbericht von 1999 so festgehalten und gelte auch für Handys. Und wenn ein Geheimdienst ein Mobiltelefon eines Regierungschefs oder eben eines Bundesrats abhören will, könne er das.

Das Abhören läuft laut von Däniken folgendermassen ab: Hat ein Bundesrat ein normales Handy, ist das Gespräch unverschlüsselt und entsprechend auch abhörbar.

Technisch ist dies kein Problem. Wenn das Gespräch verschlüsselt ist, kann man den Inhalt nicht verfolgen, weiss aber, mit wem die Verbindung hergestellt wurde und wie lange das Gespräch gedauert hat.

Über diese sogenannten Randdaten kann das ganze Beziehungsnetz der Zielperson eruiert werden.

Jedes Mobiltelefon ist abhörbar

Computerforensiker Guido Rudolphi bestätigt diese Erläuterungen. «Auch Bundesräte sind nicht vor Abhörungen geschützt. Technisch kann jedes Mobiltelefon abgehört werden», sagt Rudolphi – es sei eine Frage des Aufwands.

Auch abhörsichere Mobiltelefone böten keinen 100-prozentigen Schutz. Denn das Gerät bestehe aus mehreren Bestandteilen von verschiedenen Herstellern.

«Dadurch ergeben sich Angriffsflächen», so Rudolphi, der sich auf Verfolgung und Auffinden von Cyberkriminellen nach Attacken spezialisiert hat.

Ein Gespräch sei nur verschlüsselt, wenn mit einem abhörsicheren Mobiltelefon ein weiteres abhörsicheres Gerät angerufen werde.

Keine Aussagen zur Sicherheit

Die für Sicherheitsfragen zuständigen Stellen – der Nachrichtendienst des Bundes und das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) wollen zur Abhörsicherheit von Handys des Bundesrats und den Schutzmassnahmen nichts sagen.

Sie verweisen auf die Bundeskanzlei. Dort macht der Bundesratssprecher auf Äusserungen der Regierung vom 21. September aufmerksam.

Damals hiess es: «Der Bundesrat verurteilt jegliche Überwachungstätigkeit scharf, die Schweizer Gesetze verletzt – unabhängig davon, wer die Urheber sind.»

Der Bundesrat habe das VBS beauftragt, die Klärung über die Tätigkeiten ausländischer Geheimdienste in der Schweiz fortzusetzen und «Massnahmen zum Schutz vor solchen Aktivitäten vorzuschlagen».

Der Bericht des zuständigen Nachrichtendienstes steht noch aus. Die Informationen daraus sind jedoch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Keine Handys an Sitzungen

Laut dem Bundesratssprecher wird über den Schutz von Telefongesprächen der Bundesräte aus Sicherheitsgründen nicht informiert.

Er verwies aber darauf, dass die Bundesräte ihre Mobiltelefone nicht an Bundesratssitzungen mitnehmen dürften.

Laut Rudolphi ist diese Sicherheitsmassnahme «der einfachste und erste Schritt, um sich vor einer Überwachung zu schützen».

Rudolphi rät zudem: «Angelegenheiten, die geheim sind, sollten persönlich und in einem nicht verwanzten Raum besprochen werden und nicht über Mobiltelefone oder Computer.»

Die heutige Technologie gebe einem das Gefühl, dass es Sicherheit gebe. Das Problem sei, dass diese Sicherheit nicht kontrolliert werden könne.

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