Verkehrsunfälle, körperliche und sexuelle Gewalt, Krieg und Naturkatastrophen: Wer Glück hat, bleibt zeit seines Lebens von schlimmen Erlebnissen wie diesen verschont. Die meisten Menschen werden jedoch früher oder später mit einem potenziell traumatisierenden Ereignis konfrontiert, sei es zufällig oder aufgrund ihres Berufs. Einige verarbeiten das Erlebte gut. Andere werden krank.

Wiederkehrende Flashbacks

Ein bekanntes Krankheitsbild ist die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Dabei durchleben die Betroffenen das traumatische Ereignis immer wieder, zum Beispiel in Form von Flashbacks, Angstzuständen oder Albträumen. Sie leiden oft an Schlaf- und Konzentrationsstörungen, sind leicht reizbar und haben Mühe, Freude zu empfinden und am sozialen Leben teilzunehmen. Typisch ist, dass die Patienten versuchen, Situationen zu vermeiden, die Erinnerungen an das Erlebte hervorrufen. Die Störung tritt manchmal kurz nach dem Ereignis auf, manchmal Monate oder Jahre später. Schätzungsweise 2 bis 7 Prozent aller Menschen erkranken einmal in ihrem Leben an einer PTBS. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

In den USA ist die posttraumatische Belastungsstörung besonders unter Kriegsveteranen verbreitet, wie aus Zahlen des US Departement of Veteran Affairs hervorgeht. Demnach leiden zwischen 11 und 20 Prozent aller Soldaten, die zwischen 2003 und 2011 im Irak kämpften, an einer PTBS. Lange Zeit wurden die betroffenen Veteranen gesellschaftlich stigmatisiert: Sie galten als schwach und nicht in der Lage, mit den Folgen des Krieges umzugehen.

Fünf PTBS-Fälle pro Jahr

In der Schweiz verzeichnet die von der Suva geführte Militärversicherung laut eigenen Angaben durchschnittlich fünf gemeldete PTBS-Fälle pro Jahr. Zwischen 2012 und 2018 waren es insgesamt 34 Fälle.

Es gibt verschiedene therapeutische Ansätze, um die Krankheit zu behandeln. Bei einer kognitiven Verhaltenstherapie gehen die Therapeuten mit den Patienten das traumatische Ereignis detailliert und verlangsamt durch. Ziel ist, das Erlebte zu sortieren, einzuordnen und zu verarbeiten. Die Erinnerungen sollen emotional kühler werden.

Andere Möglichkeiten sind das gezielte Angstmanagement oder eine mehrmonatige stationäre Traumatherapie. Je früher eine Therapie erfolgt, desto grösser sind die Heilungschancen der Betroffenen.Lorenz Honegger