In der Schweiz warten 316 verurteilte Personen auf einen Gefängnisplatz. Sie sind auf einer Warteliste für eine der drei Deutschschweizer Haftanstalten in Thorberg, Pöschwies oder Lenzburg und harren in Regionalgefängnissen aus. In der Sendung «10vor10» fprdert der Direktor der Starfanstalt Torberg nun «Sofortmassnahmen» der Behörden.  «Die Politik muss jetzt abklären, ob es mehr Haftplätze braucht oder ob Insassen früher entlassen werden müssten», sagt Zoss. «Wir haben eine Notsituation. Über 50 Gefangene warten momentan auf einen freien Platz, um bei uns ihre Strafe anzutreten. Wir können die Verurteilten nicht aufnehmen, unsere Strafanstalt ist voll.»

Notsituation

Als Zwischenlösung warten einige Verurteilte im Regionalgefängnis der Stadt Bern auf eine freie Zelle. Doch auch dort ist die Lage prekär. Gefängnisdirektorin Marlies Pfander gegenüber «10vor10»: «Verurteilte müssen bei uns 23 von 24 Stunden in vollen Zellen sitzen, können nicht arbeiten. Wir sind nicht für verurteilte Straftäter eingerichtet, die langfristig im Regionalgefängnis sitzen müssen.»

Hans-Jürg Käser ist Präsident des Ausschusses für Strafvollzug der kantonalen Justidirektoren. Vorzeitige Haftentlassungen sind seiner Meinung nach nicht die richtige Lösung. Er will stattdessen zusätzliche Gefängnisplätze bauen: «Wir haben die Anstaltsplanung sofort aktiviert, damit wir sehen, wo wir welche Investitionen tätigen müssen, um zusätzliche Plätze zu bauen. Es braucht Investitionen und es braucht Personal.»

Frühzeitige Entlassungen

Mögliche Sofortmassnahmen wären sehr brisant: Laut Zoss müssten zwei Drittel der Insassen frühzeitig entlassen werden.

Diese Woche wurde bekannt, dass es in der Schweiz massiv an Gefängnisplätzen mangelt. In der Ostschweiz fehlen 80 Plätze in geschlossenen Anstalten, im Raum Nord- und Innerschweiz sogar rund 100. Die fehlenden Plätze hätten Folgen für die überfüllten Untersuchungs- und Bezirksgefängnisse, in denen Personen monatelang sitzen müssen, bis sie in eine Anstalt überführt werden können. (cls)