Lenzburg
25 Lenzburger Lehrer schwänzten das offizielle Examenessen

Während in der «Krone» das offizielle Lenzburger Examenessen zelebriert wurde, picknickten zwei Dutzend Lehrerinnen und Lehrer im Freien. Die Abtrünnigen hatten im Vorfeld verlauten lassen, sie hätten «nichts zu feiern».

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Aargauer Zeitung

Heiner Halder

Vorfreude auf Jugendfest und Ferien, Dank für Treue und Arbeitseinsatz, verdiente Ehrungen und warme Abschiedsworte, lukullisches Buffet: Das Examenessen der Lenzburger Regionalschule verlief in Minne. Alles paletti? Ja wären da bei den Dienstjubiläen nicht auffällig viele Abwesenheiten mit entschuldigenden Bemerkungen der Schulhausleiter wie «bewusst nicht da» aufgefallen.

«Unüberwindbare Differenzen»

Dass immerhin zwei Dutzend Lehrkräfte das Examenessen zum Abschluss des Schuljahres «bewusst» nicht besucht haben, liess aufhorchen. Von Myrtha Dössegger, Präsidentin der Regionalschulpflege Lenzburg-Staufen-Ammerswil, bekam die Gesellschaft allerdings nichts über die Hintergründe zu hören.

Dössegger dankte den zahlreichen Lehrkräften für die freudig erfüllte Arbeit und Treue zur Schule. Wichtig sei, in der unterschiedlichen Rollenverteilung der Regionalschulorganisation die gute Partnerschaft zu pflegen. Für den direkten Kontakt und den Dialog mit den Eltern sind die Lehrkräfte, für die strategische Ausrichtung die Schulpflege zuständig. Unterschiedliche Auffassungen seien normal, den gegenseitigen Respekt bewahren, offen, ehrlich und transparent zu kommunizieren, helfe, Probleme zu lösen. «Das pflegen und verstärken wir», erklärte Dössegger.

«Unüberwindbare Differenzen»

Die Worte der Schulpflegepräsidentin bekommen ein ganz anderes Gewicht, wenn man weiss, warum die abtrünnigen Lehrer das Examenessen schwänzten. Die Gruppe bewährter und langjähriger Lenzburger Lehrkräfte hatte der Schulpflegepräsidentin vorgängig geschrieben. Die Absender solidarisieren sich mit zwei Kolleginnen: «Karin Wigger und Ann-Kathrin Burger haben gekündigt! Sie wären gerne an den Lenzburger Schulen geblieben. Unüberwindbare Differenzen mit der Schulhausleitung, keine Unterstützung vom Schulleiter und der Schulpflege haben zu diesem Entschluss geführt.»

Was im letzten Jahr mit Regula Landolt seinen Anfang genommen habe, setze sich fort: «Für uns unbegreiflich, enttäuschend. Wir haben auch dieses Jahr nichts zu feiern - wir werden nicht am Examenessen teilnehmen.»

Turnlehrer Ruedi Anneler ergänzt, dass eine entsprechende Erklärung auch in den Schulhäusern publik gemacht worden sei. Die Absenz am Examenessen sei Ausdruck von Solidarität und grosser Enttäuschung, umso mehr, als es sich bei den beiden betroffenen Lehrerinnen um solche handelt, die auch über das Schulhaus hinaus ein überdurchschnittliches Engagement für die Öffentlichkeit geleistet hätten.

«Aus Fehlern lernen wir»

Es war reiner Zufall: In seiner Festansprache plädierte der bald pensionierte Stadtschreiber Christoph Moser für «Fehlertoleranz», denn: «Aus Fehlern lernen wir, und nur so kommen wir weiter.» Das Fehlermachen gehöre auch zur Schule und sei nicht primär etwas Schlechtes, sondern eben eine wichtige Grundlage für das Lernen. «Fehler machen dürfen dabei nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer und Behörden.»

Dass an der Regionalschule Lenzburg generell ein gutes Klima herrscht, beweisen die Ehrungen langjähriger treuer Lehrkräfte. Sieben blicken auf 15 Jahre, vier auf 20 Jahre, einer auf 25 Jahre und je zwei auf 30 und 35 Jahre zurück. In die Pension verabschiedet wurden Hanni Corboz (19 Jahre Hauswirtschaft HPS), Johanna Häusler (Angelrain) und Susanne Moser (19 Jahre Angelrain).

An der Regionalschule Lenzburg sind notabene alle offenen Lehrerstellen praktisch wieder besetzt.

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