Verkehr
21 Franken Maut für privaten Gotthard-Strassentunnel

Die Economiesuisse hat eine Machbarkeitsstudie für eine privat finanzierte und betriebene zweite Gotthardröhre präsentiert. Das Modell geht von zwei Milliarden Kosten für einen neuen Tunnel aus.

Gerhard Lob
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Autos stauen sich an der Südeinfahrt des Gotthard-Strassentunnels bei Airolo. Alessandro della Valle/key

Autos stauen sich an der Südeinfahrt des Gotthard-Strassentunnels bei Airolo. Alessandro della Valle/key

Im Vorfeld des Bundesratsentscheids zur Sanierung des bestehenden Gotthard-Strassentunnels macht Economiesuisse Druck für den Bau einer zweiten Röhre ohne Kapazitätserweiterung. Der Dachverband der Schweizer Wirtschaft publizierte gestern Montag die wichtigsten Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für ein Public-Private-Partnership-Modell (PPP). Diese zeigt auf, wie eine private Gesellschaft eine zweite Röhre am Gotthard bauen und anschliessend die bestehende Röhre sanieren könnte.

Während 50 Jahren je einspurig

Der 1980 eröffnete Gotthard-Strassentunnel muss bis 2025, spätestens aber bis 2035, saniert werden. Durch den Bau einer zweiten Röhre sollen die negativen Folgen einer 900-tägigen Totalsperrung des bestehenden Tunnels für den Transit sowie eine Isolation des Kantons Tessin vermieden werden. Während der Sanierungsphase würde die neue Röhre im Gegenverkehr geführt. Danach würden beide Tunnels während 50 Jahren je einspurig betrieben und unterhalten und gingen dann kostenlos an den Staat über, heisst es in der Studie. Dadurch werde der Alpenschutzartikel eingehalten werden, der eine Kapazitätsausweitung im Alpentransit auf der Strasse verbietet.

Das Modell geht davon aus, dass ein neuer Tunnel rund 2 Milliarden Franken kosten würde. Für ein PPP-Projekt wäre in der besten Variante ein Eigenkapital von 370 Millionen Franken und Fremdkapital von 1480 Millionen nötig. Als Privatinvestoren kämen Pensionskassen, aber auch private Firmen und Fonds infrage.

Entscheidend ist zudem: Zur Finanzierung müsste die Betriebsgesellschaft eine Maut erheben. Jeder Autofahrer müsste durchschnittlich etwa 21 Franken pro Durchfahrt bezahlen. Für die Erhebung einer Maut wäre jedoch ein Parlamentsbeschluss nötig, da die Nutzung der Schweizer Strassen grundsätzlich gebührenfrei ist. Beim Schwerverkehr kann die Schweiz wegen des EU-Landverkehrsabkommens und der bereits erhobenen LSVA keine Maut erheben. Daher wird eine «Schattenmaut» vorgeschlagen, wonach die öffentliche Hand pro Lw-Durchfahrt
81 bis 123 Franken an den Tunnelbetreiber zu bezahlen hat. Unter dem Strich wäre dies günstig für den Bund, da dieser für die Sanierung des Tunnels kein Geld ausgeben müsste.

Die Machbarkeitsstudie von Economiesuisse wird offiziell Mittwoch in Bern präsentiert. Auf dem Podium der anschliessenden Diskussionsrunde sitzt auch Rudolf Dieterle, Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra). Er hat sich wegen der langen Vertragslaufzeit bereits skeptisch zum PPP-Modell geäussert.

Neue Rollende Landstrasse geplant

Das Astra hat im Dezember 2010 einen Grundlagenbericht präsentiert mit mehreren Varianten für die Sanierung. Diese reichen von einer Vollsperrung für 2,5 Jahre bis zu einer etappierten Sperrung in den Sommermonaten über 7 Jahre. Während der Sperrung sollen Pw und Lw teilweise auf die Bahn verladen und eine neue Rollende Landstrasse eingerichtet werden. Die Kosten dafür wurden kürzlich auf rund 500 Millionen Franken beziffert.

Der Bundesratsentscheid, wie die bestehende Röhre saniert werden soll, soll in diesem Jahr erfolgen. Am nächsten Freitag treffen Vertreter der Kantone Tessin, Uri, Graubünden und Wallis mit Verkehrsministerin Doris Leuthard zusammen, um das Thema zu diskutieren. Allerdings präsentieren sich die Kantone uneinheitlich. Graubünden, das den Ausweichverkehr bei einer Sperrung des Gotthard-Tunnels fürchtet, spricht sich wie das Tessin für eine zweite Röhre aus, der Kanton Uri ist dagegen. Der Verein Alpeninitiative lehnt den Bau einer zweiten Röhre entschieden ab, genauso wie der Verkehrs-Club VCS.