Schweiz

177 Tote mehr als üblich, tiefe Pegelstände, Borkenkäfer-Boom: Die Bilanz des Hitzesommers 2018

Sie fiel dem Hitzesommer 2018 zum Opfer: vertrocknete Sonnenblume in der Ostschweiz.. (Benjamin Manser)

Sie fiel dem Hitzesommer 2018 zum Opfer: vertrocknete Sonnenblume in der Ostschweiz.. (Benjamin Manser)

Der Bund hat analysiert, wie sich der Sommer 2018 auf die Schweiz ausgewirkt hat. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse.

Der Sommer 2018 war nach 2003 und 2015 der drittwärmste überhaupt. Das ganze Sommerhalbjahr von April bis September war gar das wärmste, das die Schweiz je erlebt habt. Landesweit fiel ein Drittel weniger Regen als üblich. Ende Juli und Anfang August kam es zu einer Hitzewelle, die zehn Tage dauerte. Was das alles für die Schweiz für Folgen hatte, hat nun das Bundesamt für Umwelt in einem Bericht analysiert. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse.

Die Sterblichkeit steigt - aber nicht überall

Während des Hitzesommers 2003 starben rund 1000 Personen mehr als sonst in dieser Zeitperiode. 2015 kam es zu 800 zusätzlichen Todesfällen. Im letzten Jahr war die Sterblichkeit nur im August höher als sonst, die Zahl der zusätzlichen Todesfällen beziffert der Bund auf 177. Auffällig sind dabei die Unterschiede zwischen den Grossregionen. Während es in Zürich, der Ostschweiz und der Nordwestschweiz während der Hitzewelle zu einer Zunahme der Todesfälle kam, gab es in der Genferseeregion und im Tessin keine Hinweise auf eine zusätzliche Sterblichkeit. Der Bund führt das auch auf die Aktivierung von Hitzeaktionsplänen in diesen Regionen zurück.

Wasser-Negativrekorde

Noch im Frühling sah es überhaupt nicht danach aus, dass der Schweiz das Wasser ausgehen könnte. Das lag am vielen Schnee, der im Winter zuvor gefallen war. Meteo Schweiz registrierte ein Plus von 30 bis 75 Prozent gegenüber dem Durchschnitt. Doch weil es danach immer wärmer wurde, sanken die Pegel in Flüssen und Seen. Ab Juli herrschte in Bächen und kleineren und mittleren Flüssen eine «ausgeprägte Niedrigwassersituation».

Auch die Seen waren betroffen: in mehreren gab es weniger Wasser als je zuvor. Der Greifensee etwa hatte seit Messbeginn noch nie so wenig Wasser. Am Zürichsee wurde der tiefste Pegelstand für den August seit 1951 gemessen. Weil die Sonne vom Himmel strahlte und gleichzeitig die Flüsse nur wenig Wasser führten, waren die Wassertemperaturen Anfang August vielerorts noch höher als in den vorangegangen Hitzesommern von 2003 und 2015. An 25 von 83 Temperaturmessstellen registrierten die Messstationen neue Höchstwerte seit Messbeginn. Das machte den Fischen zu schaffen. In fast allen Kantonen geht man von Folgeschäden aus.

Ein extremes Jahr für die Schifffahrt

In Deutschland sank der Pegel des Mittelrheins so stark, dass viele Transportunternehmen die Schifffahrt einstellten. Das spürten auch die Schweizerischen Rheinhäfen in Basel. Der Güterumschlag nahm um ein Fünftel ab. Insbesondere gelangten weniger Treib- und Brennstoffe per Schiff in die Schweiz. Der Bund erlaubte in der Folge sogar eine Anzapfung der Pflichtlager etwa für Benzin und Diesel - und das in einem Ausmass, das es bisher noch nie gegeben hatte.

Dem Borkenkäfer hat es gefallen

Die Schweizer Bäume hatten schon mit einem strengen Winter zu kämpfen. Und dann kamen auch noch die Borkenkäfer. Die mögen es warm. Das Ergebnis: Viel mehr Bäume als in anderen Jahren wurden vom Käfer befallen. Beleg dafür ist die Schadholzmenge, die im Jahr 2018 mehr als doppelt so gross wie im Vorjahr war und den höchsten Stand seit 2006 erreichte. Zudem verfärbten sich die Blätter gewisser Bäume schneller und fielen auch früher ab - ein weiterer Beleg dafür, wie sehr die Hitze die Bäume plagte.

Den Bauern fehlte es vor allem an Futter

Wegen der Trockenheit wuchs das Gras auf den Feldern der Bauern nicht mehr so, wie es sollte. In der Folge ging vielen Landwirten das Futter für ihre Tiere aus. Diese Entwicklung gibt die Importmenge von Dürrfutter wieder. Sie waren zum Jahresende 2018 so hoch wie noch nie. Gemäss Zollstatistik kletterten die Importe von Heu und Luzerne auf 277 000 Tonnen. Das sind 100 000 Tonnen mehr als in durchschnittlichen Jahren.

Bei der Ernte ist das Bild unterschiedlich. Mühe hatte vor allem jene Kulturen, die erst im Spätsommer oder im Herbst erntereif werden. Die mengenmässig wichtigsten Getreide wie Winterweizen, Wintergersten oder Körnermais waren relativ wenig betroffen. Dagegen litten Sommerweizen, Sommergerste und Roggen stark unter der Trockenheit. Auch die Zuckerrübenernte fiel unterdurchschnittlich aus. Insgesamt waren die Erträge 2018 zwar geringer als im Vorjahr, doch das regenreiche Jahr 2016 hatte schlimmere Folgen für die Bauern. Zudem brachte der sonnige und trockene Sommer auch Sieger mit sich: Die Weinlese etwa fiel so gut aus wie seit 2011 nicht mehr - und lag fast 13 Prozent über dem zehnjährigen Mittel.

Last, but not least: Der Klimawandel ist zu bändigen

Es gibt auch gute Nachrichten. Zum Beispiel die, dass Massnahmen gegen den Klimawandel wirken. Das zeigt die geringere Sterblichkeit in jenen Kantonen, die über Hitzeaktionspläne verfügen. Bessere Vorsichtsmassnahmen führten zudem dazu, dass es zu weniger Waldbränden als in anderen Hitzejahren kam. Im Rhein bei Schaffhausen gelang es dank eines Notfallkonzepts, wenigstens einen Teil der bedrohten Äschen zu retten.

Autor

Dominic Wirth

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