Islam
17-jährige Ausreisserin zwischen Islam und Familie

Die Familie der zum Islam konvertierten 17-jährigen Bernerin wirft der Vormundschaftsbehörde Köniz vor, nichts für ihre Rückführung zu tun. Der zuständige SVP-Gemeinderat Ueli Studer weist derweil jede Schuld von sich.

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17-jährige Muslima

17-jährige Muslima

F. U. ist 17 Jahre alt, Konvertitin und wurde am Freitag vor einer Woche einem grösseren Publikum bekannt, als sie an der Seite ihres Ehemannes und Sekretär des Islamischen Zentralrats (IZRS), Naim Cherni, in der Sendung Arena über ihre Konversion zum Islam sprach. «Ich stehe nicht hier, weil ich gezwungen wurde», sagte die junge Bernerin mehrmals und: «Ich wurde ohne Druck in die muslimische Gemeinschaft integriert.»

Dies bezweifelte Sektenexperte Hugo Stamm, erklärte, die Konversion sei nur bedingt freiwillig. Es handle sich um eine Indoktrination, die bei Desorientierten und Sinnentleerten sehr gut funktioniere.

Von Familie und Freunden abgewendet

Nun erheben die Eltern schwere Vorwürfe gegen den Zentralrat. Ihre Tochter sei einer «Gehirnwäsche» unterzogen worden. Und die «Weltwoche» will wissen, dass sich F. U. unter der Einwirkung ihres Ehemannes Cherni stark verändert habe.

Illi vom Islamischen Zentralrat der Schweiz nimmt Stellung zu den Forderungen der FDP Weiter zum Video...

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Keystone

Die Familie fühlt sich im Stich gelassen und richtete schwere Vorwürfe an die Adresse der Vormundschaftsbehörde Köniz, die in Kenntnis über den Aufenthaltsort der jungen Bernerin sein soll.

Behörden weisen Vorwürfe zurück

In einem Communiqué lässt die Vormundschaftsbehörde verlauten, dass sie zum konkreten Fall keine Stellung nehmen darf. Sie verwahrt sich jedoch gegen die Vorwürfe, in diesem Fall nichts getan zu haben. Generell sei festzuhalten, dass Jugendliche, die ihr Elternhaus verlassen haben, gegen ihren Willen nicht polizeilich nach Hause zwangszurückgeführt werden können.

Der zuständige SVP-Gemeinderat, Ueli Studer, weist die in der «Weltwoche» publizierten Vorwürfe - die Vormundschaftsbehörde würde nichts unternehmen, um ausgerissene Jugendliche wieder heimzubringen - von sich. Die Berichterstattung sei einseitig und fehlerhaft. «Obschon die Zitate bereits beim Gegenlesen als falsch zurückgewiesen wurden, hat sie die Zeitschrift gedruckt», schreibt Studer weiter.

«Eine plötzliche Verwandlung»

Seltsam mutet derweil an, dass sich die 17-jährige aus Köniz im Zuge der teilweise harsch geführt Islamdebatte derart exponiert. Ob die Muslima aus eigenen Stücken konvertiert ist, bleibt nach den aktuellsten Meldungen in den Medien nicht abschliessend zu beantworten.

Für den «Tages-Anzeiger» war es eine plötzliche Verwandlung. Vor einem Jahr sei F. U. eine junge Frau in engen Hosen gewesen. Sie habe sich mit Freundinnen getroffen, Alkohol getrunken, Volleyball gespielt.

Am 28. März untergetaucht

Bis Juni vergangenen Jahres gehört die junge Kurdin wie ihre Familie zur Glaubensgemeinschaft der Alewiten, die ebenfalls Muslime sind, den Islam jedoch moderat auslegen. Aus eigener Überzeugung sei sie dann zum sunnitischen Islam konvertiert. Danach soll sich alles Schlagartig geändert haben.

Seit dem 28. März ist die 17-jährige untergetaucht. Auslöser dafür, so mutmasst die «Weltwoche», sei das in die Schlagzeilen geratene «islamische Treffen» im bünderischen Disentis gewesen - organisiert vom islamischen Zentralrat um Nicolas Blancho und Qaasim Illi. Zu den Stargästen dort gehörten den umstrittene deutsche Pierre Vogel und Abu Anas. (sza)

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