Der Trend erfasste auch die kleineren Städte, wie eine Auswertung der Zeitung «Der Sonntag» zeigt: In den letzten Jahren kippten Neuenburg, Freiburg, Zug und vor einer Woche auch Chur nach links. Damit haben heute 17 der 25 grössten Schweizer Städte eine rotgrüne Regierung. Der Siegeszug der Sozialdemokraten und Grünen hat mehrere Gründe. Zum einen ist es rotgrün gelungen, die Städte wieder attraktiv zu machen.

Ausgewogenes Programm für eine Städtepolitik

Zum anderen profitiert das linke Lager auch vom Unvermögen der Bürgerlichen, ein ausgewogenes Programm für eine Städtepolitik zu formulieren. Sie konzentrieren sich heute noch immer stark auf ihr Kernthema: Steuern senken. «Bürgerliche politisieren in den Städten oft viel zu eindimensional», sagt Kurt Fluri, der freisinnige Stadtpräsident von Solothurn. Die Bedürfnisse der Städter liessen sich aber nicht auf die Steuerpolitik reduzieren. «Die Leute kommen trotz höherem Steuersatz zurück in die Stadt, weil sie näher bei den Schulen oder den Kulturinstitutionen sein wollen», sagt Fluri. „Und weil sie nicht unbedingt ein oder zwei Autos in der Garage brauchen.»

Die bürgerliche Wende schaffen

Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) will nun nach 20 Jahren rotgrün in Bern die bürgerliche Wende schaffen - und zwar aus der Mitte heraus, im Verbund mit der BDP, der EVP und insbesondere mit den Grünliberalen. Sein Rezept: finanzpolitische Strenge kombiniert mit einer Offenheit für Themen, welche die Stadtbürger interessieren. So steht die Mitte sowohl für den Atomausstieg wie auch für die Reduktion des CO2-Ausstosses ein. «Die Politiker müssen den spezifischen Problemen der Städte gerecht werden», sagt Nause. «Städte brauchen eine gewisse soziale Wärme. Stadtbewohner wollen Lebensqualität, Lebensfreude. Nur mit Schlagworten wie Sparen oder Sozialabbau hat man in den Städten keinen Erfolg.» Hat er Erfolg, so könnte seine Formel zum Vorbild werden für alle Bürgerlichen, welche die linksgrüne Vorherrschaft in den Städten beenden wollen.