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140 km/h auf Autobahnen: Innert zwei Tagen auf über 100'000 Facebook-Likes

Eine «virtuelle Volksinitiative» für Tempo 140 auf Schweizer Autobahnen hat innert zwei Tagen schon beinahe 100'000 Likes generiert. Der Initiant will bald mit dem Sammeln von echten Unterschriften anfangen. Das Bundesamt für Strassen ist skeptisch.

Dieter Minder
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Da waren es noch 20'000 Likes: Innert kürzester Zeit stiegen diese auf 100'000 an.

Da waren es noch 20'000 Likes: Innert kürzester Zeit stiegen diese auf 100'000 an.

Screenshot Facebook

Am 2. Februar wurde die virtuelle Volksinitiative «140 auf der Autobahn» lanciert. Initiant Marco Schläpfer setzte sich das Ziel, bei 100 000 Unterschriften eine richtige Volksinitiative zu starten. Diesem Ziel ist er bereits sehr, sehr nahe, denn schon nach zwei Tagen konnte die Seite über 98000 Likes verbuchen.

Multiplikator-Effekt

«So etwas habe ich noch nie erlebt, das ist ein Bilderbuchbeispiel für eine erfolgreiche Aktion auf Facebook», kommentiert Gabriele Bryant die hohe Like-Zahl.

Sie sowie Sarah und Bruno Blum betreiben in Solothurn die Online- und Social Media Agentur Blum Bryant. «Um einen solchen Erfolg zu verbuchen brauchen sie ein Thema, das möglichst viele Leute bewegt», sagt Bryant.

Das bewege die Leute, wie hier geschehen und animiere. Einerseits haben sehr viele User selber den Like-Button angeklickt und anderseits haben sie die Information mit Freunden und Bekannten geteilt.

«So wird ein sehr hoher Mulitiplikator erreichet.» Unter all diesen Aspekten könne es zu einer so hohen Like-Zahl kommen. Deshalb nimmt Bryant an, dass hier alles regulär zugegangen ist - sprich keine Likes, beispielsweise aus Osteuropa, gekauft wurden.

Astra: «120 ist bereits heute schwierig»

«Solange kein entsprechender Volksentschied vorliegt, können wir keine Stellungnahme zur Umsetzung dieser Idee nehmen», sagt Thomas Rohrbach, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen (Astra). Grundsätzlich stellt er fest, dass es heute schon zu den Stosszeiten schwierig ist, die erlaubten 120 km/h zu fahren. Zudem sei Tempo 120 durch zwei Volksabstimmungen bestätigt worden.

«Würde 140 km/h in der Verfassung festgehalten, müsste das Astra das Autobahnnetz auf die Tauglichkeit der höheren Geschwindigkeit überprüfen.»

Giezendanner: «Erst Tempo 80 verhindern»

Für Nationalrat Ulrich Giezendanner ist 140 auf der Autobahn kein Thema: «Wir müssen dafür sorgen, dass Tempo 80 verhindert wird.» Zudem will er, dass die Infrastruktur für das geltende Tempo 120 km/h ausgebaut wird.

«Wir müssen den Verkehr verflüssigen und die Staugefahr reduzieren.» Er wirft aber auch die Frage nach der Ökologie auf. «Man muss untersuchen, ob ein Auto bei 120, 130 oder 140 weniger Abgas ausscheidet.» Diese Geschwindigkeit strebt er an.