Chile

120 Anklagen in Chile wegen Diktatur-Verbrechen

Chiles Diktator Pinochet (Archiv)

Chiles Diktator Pinochet (Archiv)

Im grössten Massenverfahren der chilenischen Justizgeschichte sind am Dienstag (Ortszeit) 120 frühere Mitglieder der Geheimpolizei und Ex-Militärs wegen Menschenrechtsverbrechen während der Pinochet-Diktatur (1973-1990) angeklagt worden.

"Damit sind wir dem Abschluss (der Aufklärung der Verbrechen) wesentlich näher gekommen", sagte der zuständige Richter Victor Montiglio.

Er wirft den Verdächtigen vor, Mittäter bei Entführungen von Diktaturgegnern zu sein. Dabei waren Dutzende Menschen, darunter auch die Führung der kommunistischen Partei, getötet worden.

Unter den Angeklagten befand sich auch der frühere Chef der ersten Geheimpolizei Dina unter Diktator Augusto Pinochet, Manuel Contreras. Er wurde wegen anderer Menschenrechtsverbrechen schon zu insgesamt 300 Jahren Gefängnis verurteilt.

"Diese Prozesse müssen mit Gefängnisstrafen enden. Sonst würde sich die Justiz lächerlich machen", sagte die Sprecherin der Vereinigung der Angehörigen von Entführten und verschwundenen Diktaturopfern, Mireya García.

Die Anklagen wurden erhoben, während die Regierung dreieinhalb Monate vor der Präsidentenwahl wegen der Enthüllung unter Druck steht, dass das Militär ehemalige Mitglieder des staatlichen Unterdrückungsapparats der Diktatur bis heute beschäftigt und ihnen hohe Gehälter zahlt.

Unter der Pinochet-Diktatur wurden etwa 3100 Menschen getötet und mindestens 50 000 Opfer von Folter. Bisher wurde gegen 711 Täter aus dem Bereich von Polizei und Militär Anklage erhoben. 51 von ihnen sitzen bereits Haftstrafen ab.

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