Mutiertes Coronavirus
10'000 britische Touristen müssen rückwirkend in Quarantäne

Rund hundert Flüge aus Grossbritannien und Südafrika sind letzte Woche in der Schweiz gelandet. Darum müssen nun 10'000 Touristen in der Schweiz rückwirkend für zehn Tage in Quarantäne.

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Patrick Mathys (Mitte), Leiter Sektion Krisenbewaeltigung im Bundesamt für Gesundheit, informiert am Montag über die neueste Coronamutation.

Patrick Mathys (Mitte), Leiter Sektion Krisenbewaeltigung im Bundesamt für Gesundheit, informiert am Montag über die neueste Coronamutation.

Keystone

(sat) Wie der Bund am Montagnachmittag informierte, sind in den letzten sieben Tagen 92 Flugzeuge aus Grossbritannien und 4 aus Südafrika in der Schweiz gelandet. Damit müssen nun rund 10'000 Touristen rückwirkend für zehn Tage in Quarantäne.

Für die Information und Durchsetzung der Quarantäne sind laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Kantone zuständig. Diese sollen aufgrund der Passagierlisten der Flugzeuge über die Namen informiert werden. Wie auf dem Landweg eingereiste Briten über ihre Quarantäne informiert werden können, dazu liefen Gespräche.

Nach der Entdeckung einer neuen, viel stärker ansteckenden Version des Coronavirus in den letzten Tagen in Grossbritannien und Südafrika hat der Bundesrat am Montagvormittag neue Massnahmen beschlossen. Wer seit letztem Montag aus Grossbritannien und Südafrika in die Schweiz eingereist ist, muss sich nachträglich in Quarantäne begeben.

«Leider ist uns das Virus wieder mal einen Schritt voraus»

Zudem gilt ab sofort ein grundsätzliches Einreiseverbot für alle Ausländerinnen und Ausländer die aus Grossbritannien und Südafrika in die Schweiz einreisen wollen. Damit sind insbesondere auch touristische Reisen aus diesen Ländern in die Schweiz derzeit ausgeschlossen.

«Leider ist uns das Virus nun wieder einmal einen Schritt voraus», sagte Patrick Mathys vom BAG vor den Medien. Der Bund stehe jedoch international als auch mit der wissenschaftlichen Task Force in engem Kontakt. Laut Mathys stellen sich derzeit vorab drei Fragen:

  1. Macht diese neue Mutation das Virus gefährlicher? «Jein», sagte der Leiter Sektion Krisenbewältigung im BAG. Das Virus werde zwar «wahrscheinlich deutlich einfacher übertragbar» sein unter Menschen als die bisher bekannten Varianten. Das genaue Ausmass sei derzeit aber noch offen.
  2. Führt das Virus zu schwereren Krankheitsverläufen? Dazu gibt es laut Mathys derzeit keine wissenschaftlichen Belege. Und es gebe auch keine Hinweise, dass die neue Mutation zu mehr Todesfällen führe.
  3. Ist die neue Mutation des Coronavirus bereits in der Schweiz? «Wahrscheinlich ja», sagte Patrick Mathys. Nachgewiesen worden sei diese bislang allerdings noch nicht. Da die Mutation in mehreren Nachbarländern jedoch bereits nachgewiesen wurde, sei stark davon auszugehen.

Nun gehe es allerdings erst darum, alle nötigen Informationen zur neuen Mutation des Coronavirus zu sammeln. Ob dazu die in der Schweiz erhobenen Stichproben erhöht oder angepasst werden sollen, oder ob es gar ein Massentest dazu geben solle, kläre der Bund derzeit ab. Klar sei derzeit einzig: «Wir können es uns derzeit nicht leisten, dass die Fallzahlen deutlich steigen», so BAG-Experte Mathys.

Laut Hans-Peter Lenz vom Aussendepartement (EDA) befinden sich derzeit 37'475 Auslandschweizer in Grossbritannien und deren 8561 in Südafrika. Bisher seien bei der EDA-Hotline gut hundert Anfragen eingegangen und nochmals je so viele Mailanfragen bei den Botschaften in den beiden Ländern.

Weil die Situation «ein bisschen voraussehbar» gewesen sei, so Lenz, werde die Schweiz diesmal keine Rückholaktionen starten wie noch im Frühling bei der ersten Coronawelle: