Sprachenstreit

1 oder 2 Fremdsprachen in Primarschule? Nun entscheidet Nidwalden

Sprachunterricht in der obligatorischen Schule, Schuljahr 2014/15

Sprachunterricht in der obligatorischen Schule, Schuljahr 2014/15

Wie auch immer das Nidwaldner Stimmvolk am Wochenende entscheidet: Es wird Zeichen setzen, sowohl für die Gegner als auch für die Befürworter zweier Fremdsprachen in der Primarschule.

Der Entscheid von Nidwalden sei nicht unwichtig, sagt die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog, treibende Kraft hinter den Bemühungen zur Abschaffung von Frühfranzösisch in ihrem Kanton.

Herzog will ein allfälliges Nidwaldner Ja aber nicht als Absage an den Französischunterricht verstanden wissen. «Es wäre vielmehr ein Zeichen für die Einsicht, dass zwei Fremdsprachen in der Primarschule der falsche Weg sind. Wesentlich ist nicht, welche Sprache zuerst kommt. Wesentlich ist, dass nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird und sich der Unterricht wieder mehr auf Deutsch und Mathematik konzentriert.»

Morgen Nidwalden – und dann?

Tatsache ist allerdings, dass in Nidwalden sehr wohl die Bedeutung des Französischunterrichts zur Debatte steht. Nicht Frühenglisch, sondern Frühfranzösisch soll abgeschafft und auf die Sekundarschulstufe verschoben werden. Diese Entwicklung beunruhigt den Freiburger SP-Nationalrat Jean-François Steiert. Heute schere mit den Kantonen Uri und Appenzell Innerrhoden ein kleiner Teil des Landes aus dem geltenden System aus, morgen komme mit Nidwalden vielleicht ein weiterer hinzu, und übermorgen könnten es plötzlich noch mehr sein. «Jeder weitere Kanton macht die Lage kritischer. Nidwalden könnte all den anderen Kantonen, in denen ähnliche Vorstösse hängig sind, als Zeichen dienen.»

Die Vorstösse zur Abschaffung von Frühfranzösisch häufen sich in der Tat: In Luzern wurde im September eine entsprechende Volksinitiative eingereicht, im November folgte Graubünden. Im Thurgau ist es das Parlament, das die Regierung mit einer entsprechenden Gesetzesvorlage beauftragt hat, in Schaffhausen ebenfalls, und im Kanton Basel-Land ist ein Postulat hängig, welches das Pflicht- zum Wahlfach machen will. In anderen Kantonen wiederum wurden Abschaffungsbestrebungen vom Parlament gebremst, so in St. Gallen, Bern, Solothurn und Obwalden.

Und dann gibt es natürlich die Gegenbewegung aus der Westschweiz: So wollen die Parlamente der Kantone Genf, Neuenburg, Jura, Wallis und Freiburg sowie das basel-städtische, dass ihre Regierungen beim Bund zugunsten der Landessprachen intervenieren. Einen solchen Schritt behält sich der Bundesrat vor, wenn sich die Kantone untereinander nicht einigen können, und für diesen Fall macht auch die Bildungskommission des Nationalrats Druck. Eine von Jean-François Steiert und Kathy Riklin (CVP/ZH) lancierte Kommissionsinitiative verlangt, dass der Unterricht in einer zweiten Landessprache spätestens zwei Jahre vor Ende der Primaschule beginnt. Eine zweite Kommissionsinitiative des Zürcher Grünliberalen Thomas Weibel verlangt sogar, dass als erste Fremdsprache eine Landessprache unterrichtet werden muss. Damit käme Französisch vor Englisch, was in den Deutschschweizer Kantonen wohl kaum Chancen hat.

Angst vor Eingreifen des Bundes

Die Bildungskommission des Ständerats schiebt die Initiativen derzeit vor sich her; ein Bericht aus dem Bundesamt für Kultur bekräftigt aber, dass der Bundesrat den Kantonen vorschreiben könnte, dass die Kinder schon in der Primarschule eine zweite Landessprache lernen müssen. Nicht vorschreiben dürfte er, mit welcher Sprache begonnen werden muss. Die Konferenz der Bildungsdirektoren der Kantone will ein Eingreifen des Bunds verhindern – nicht zuletzt deshalb, weil eine entsprechende Gesetzesvorlage referendumspflichtig wäre und der Schweiz eine unschöne Auseinandersetzung bevorstünde.

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