Pratteln

1. Mai in Pratteln – Levrat ritt verbale Attacken aufs bürgerliche Lager

Klartext Christian Levrat sprach alles andere als durch die Blume. (Bild: Fro)

Levrat

Klartext Christian Levrat sprach alles andere als durch die Blume. (Bild: Fro)

Der Bundesrat sei untätig, sagte Christian Levrat an der Prattler Kundgebung zum 1. Mai. Der Präsident der SP Schweiz kritisierte die Bürgerlichen, die Regierung und die Top-Manager.

Julia Gohl

«Wir bezahlen eure Krise nicht», lautete das provokative Motto der 1.-Mai-Kundgebungen in Basel und Pratteln. Ebenso provokativ zeigte sich der Stargast an der Veranstaltung in Pratteln. Christian Levrat, Präsident der SP Schweiz, liess kein gutes Haar an der Regierung, an den Bürgerlichen und nicht zuletzt an den Top-Managern. «Wir sind bereit, mit Pascal Couchepin zusammenzuarbeiten, aber dafür müsste dieser erst beginnen, zu arbeiten», schimpfte er.

Levrats Forderung: Der Bundesrat solle endlich aufwachen und folgende vier Massnahmen anpacken: investieren in erneuerbare Energien, in den Öffentlichen Verkehr, Bildung und Weiterbildung stärken sowie die Kaufkraft stützen - vor allem die der Familien.

Nicht alle Leute finden in der alten Dorfturnhalle in Pratteln einen Sitzplatz. Levrat hat die Besucher in Scharen in die Agglomerationsgemeinde gelockt. Der SP-Präsident scheint sich wohlzufühlen. «Ich wollte auf dem Land sein, Kontakt mit den Leuten haben - das hat mir in den Städten immer gefehlt», erklärte er. Auch wenn das Baselbiet im Vergleich mit anderen Kantonen weniger unter der Finanzkrise zu leiden habe, ermögliche es einen spannenden Blick auf die Angelegenheit. «Ich wollte spüren, wie die Nähe der Grenze sich auswirkt», sagte Levrat. Zudem halte er es für wichtig, in der Deutschschweiz präsent zu sein. «Und ich wollte auch einmal die Sorge der Leute in anderen Kantonen kennenlernen.»

Täglich 200 Arbeitslose mehr

«Wir sitzen nicht alle im gleichen Boot», widerspricht Christian Levrat den bürgerlichen Parteien. «Oder zumindest sind einige auf dem Boot, die rudern müssen, während andere sich an Deck sonnen.» Wie mit der Krise umgegangen wird, geht dem 39-Jährigen offensichtlich gegen den Strich. «Die Top-Manager werden als Opfer dargestellt, aber sie sind nicht die Opfer, sie sind die Täter.» Die Opfer der Wirtschaftskrise fänden sich weder bei den Bürgerlichen noch beim Bundesrat, der das Ausmass der Krise noch immer nicht ganz begriffen habe, noch bei den Top-Managern. «Sie befinden sich unter uns.» Jeden Tag gebe es in der Schweiz 200 neue Arbeitslose. Die Bürgerlichen würden sich aber nur um jene sorgen, die Schuld an der Krise hätten - die Grossbanken.

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