Sans Papiers

1. August-Demo in Eiken: «Störend ja, vernichtend nein»

MIt ihrer Aktion an der 1. August-Feier in Eiken haben sich die Sans-Papiers in Eiken keine Freunde gemacht, glaubt der Gemeiendeammann. Ganz im Gegensatz zur Festrednerin Eveline Widmer-Schlumpf.

Susanne Hörth

Die Gemeinde Eiken feiert dieses Jahr ihr 850-jähriges Bestehen. Die 1. Augustfeier sollte daher etwas ganz Spezielles werden. Und das wurde sie auch. Aber nicht wegen Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, die als Festrednerin ins Fricktal kam. Nein, dafür verantwortlich zeichneten Aktivisten der Sans-Papiers. 

120 von ihnen kamen am 1. August ebenfalls in die kleine Aargauer Gemeinde. Und skandierten: «Sans-Papiers warten auf Lösungen, Eveline Widmer-Schlumpf schaut weg». Und vermiesten damit zahlreichen Eiker die Feier.

Gemeindeammann war vorgewarnt

Er sei vom Büro der Bundesrätin am Donnerstag darauf vorbereitet worden, dass es möglicherweise zu einem solchen Aufmarsch kommen könnte, sagt Gemeindeammann Georges Collin auf Anfrage. Die Sicherheitsleute aus Bern waren im Internet auf entsprechende Informationen gestossen. Im Organisationskomitee für die Eiker Bundesfeier sei dieser mögliche Auftritt nicht besprochen worden, erklärt Collin.

Von der Kantonspolizei sei er im Vorfeld laufend über den Stand der Dinge informiert worden, so der Eiker Gemeindeammann. Das grosse Polizeiaufgebot an der insgesamt friedlich verlaufenden Kundgebung hat mit dazu geführt, dass für die Sicherheit aller gesorgt war.

«Da ich vorinformiert war, hat mich der Aufmarsch der Sans-Papiers nicht so sehr überrascht», erklärt Collin am Morgen danach. Natürlich sei es störend, aber keinesfalls vernichtend für das Fest gewesen. Im Gegenteil, von den Festteilnehmern aus dem Dorf habe er viele positive Rückmeldungen erhalten. Eine schöne Feier mit einer guten Stimmung sei es gewesen, so das Feedback der Besucher.

Die passende Plattform?

Darauf angesprochen, ob ein Fest wie jenes in Eiken, die richtige Plattform für politische, an die Landesregierung gerichtete Forderungen sei, meinte Collin: «Rein von der demokratischen Sicht her, kann niemanden der Auftritt an öffentlichen Festen verwehrt werden.» Persönlich ist er aber der Meinung, dass sich die Gruppierung mit ihrem Aufmarsch in Eiken mehr geschadet als genutzt hat.

«Wir schlossen einen Kompromiss: einerseits gewährleisteten wir die Meinungsäusserungsfreiheit in dem wir die Demonstration nicht verhinderten, andererseits sorgten wir auf und neben dem Festgelände für Ordnung», erklärt Bernhard Graser das Vorgehen der Kantonspolizei.

Dickes Lob für Widmer-Schlumpf

Ein grosses Lob spricht der Eiker Gemeindeammann Bundesrätin Widmer-Schlumpf aus. Sie habe mit ruhigen Worten die Sans-Papiers gebeten, das Eiker Fest nicht zu stören, Respekt gegenüber den Organisatoren und den Festbesuchern zu zeigen. Die Magistratin sprach im Anschluss an die Veranstaltung mit einer kleinen Delegation.

Für Sadou Bah, der das Kollektiv anführte, war die Demonstration ein voller Erfolg. «Diejenigen, die uns zuhörten, zeigt Verständnis für unsere Anliegen. Das Gespräch mit Frau Widmer-Schlumpf werten wir ebenfalls als Erfolg.» Bah verspricht, man werde weiter kämpfen, bis eine konkrete Lösung für die Sans-Papiers in der Schweiz in Sicht sei.

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