"Ich bin Frau Geissbühler dankbar, dass sie auf die Problematik hingewiesen hat." Messer seien im Ausgang gefährliche Instrumente. Sie bringen in Konfliktsituationen eine bedenkliche Dynamik in Gang. "Vor einiger Zeit befragten wir Jugendliche, weshalb sie Waffen besitzen. Die Harmlosen sind die jungen Jäger und Schützen.

Problematisch sind diejenigen, die sagen, sie müssten sich schützen", sagt Killias weiter. Hinter dieser Aussage stehe ein Eskalationsmodell: "Jugendliche sind im Ausgang, pöbeln, es kommt zur Konfrontation, sie erhalten Schläge. Dann sagen sie sich: Das nächstes Mal nehme ich ein Messer mit - und schon fühlen sich besser geschützt." Das Problem sei nur, dass, wer sich geschützt fühle, bei einer nächsten Konfrontation angriffiger reagiere. "Die Situation schaukelt sich auf."

Ein Verbot von Messern im Ausgang sei eine gesetzliche Grundlage für eine sehr effiziente Kontrollstrategie. "Unbestritten eine der erfolgreichsten Interventionen im Sicherheitsbereich sind polizeiliche Kampagnen zur Kontrolle von Waffen auf der Strasse." Immer wenn die Polizei eine Person oder ein Fahrzeug kontrolliere, werde immer auch geschaut, ob eine Waffe mitgeführt wird. "Wenn ja, wird die Person in Handschellen gelegt, in den Kastenwagen gesteckt und auf den Polizeiposten gebracht. Es folgen Identitäts-, Strafregister-, DNA- und Fingerabdruck-Checks, verbunden mit Leibesvisitationen. Das dauert zwischen viele Stunden, was an sich unangenehm ist. Im US-Milieu setzte sich in allen Städten, wo dies versucht wurde, sehr schnell die Erkenntnis durch, dass man die Waffe besser zuhause lässt."

Erfolgreiche Massnahme auch in den USA

Mit dieser Massnahme sei beispielsweise in einem besonders belasteten Quartier von Kansas City die Zahl der Mordfälle in den USA um 49 Prozent reduziert worden. Ähnliche Befunde gebe es für die Schweiz: Das Inkrafttreten des Waffengesetzes im Jahre 1999 habe einen deutlichen Rückgang des Waffeneinsatzes bei Raub und Körperverletzung bewirkt. "Wenn die Polizei bei Kontrollen systematisch nach Messern sucht, hat das abschreckende Wirkung." Das belegten zahlreiche Studien.

Ebenfalls Unterstützung für ein Messer-Verbot im Ausgang erhält SVP-Nationalrätin Geissbühler von ihren Berufskollegen, vom Verband Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB): «Es besteht Handlungsbedarf», sagt VSPB-Generalsekretär Max Hofmann. «Wir stellen fest, dass immer mehr Jugendliche Messer auf sich tragen. Angeblich weil sie sich im Ausgang selbst beschützen wollen. Nationalrätin Geissbühler hat Recht, wenn Sie sagt, dass man bezüglich Messer etwas unternehmen sollte.» Grundsätzlich unterstütze der VSPB das Waffengesetz: «Aber das sollte ständig an die neuen Gegenheiten angepasst werden», betont Hofmann.