SVP

«…, ich gäbe ihm die Note 10»

Locker Ueli Maurer, Parteipräsident Rudolf Joder und Landesteil-Präsidentin Béatrice Struchen.

Ueli Maurer

Locker Ueli Maurer, Parteipräsident Rudolf Joder und Landesteil-Präsidentin Béatrice Struchen.

Mit seinen scharfzüngigen Attacken trug er viel zur Spaltung der Berner SVP bei. Als Bundesrat verkündet er dieselben Werte, aber feiner: An der Seeländer SVP-Versammlung in Aarberg erhielt Ueli Maurer dafür viel Applaus – und die Bestnote 10.

Bruno Utz

Gegen 300 SVPler aus dem Seeland vermochte Bundesrat Ueli Maurer am Donnerstag in Aarberg zu mobilisieren. Doch nicht alle «opferten» den milden Frühlingsabend auf Anhieb wegen des Schmid-Nachfolgers. «Wir sind da, weil unser Sohn beziehungsweise Stiefsohn Udo Jonen neuer Präsident der SVP Aarberg ist», sagten Priska Massonnet (Safnern) und Liliane Jonen (Büren an der Aare). Sie seien beide nicht Mitglied der SVP, aber Sympathisantinnen «dieses Klubs».

Maurer erklärt den Erfolg

Maurer war kein Thema vorgegeben. Wohl auch deshalb, weil die SVP-Sektion Seeland besonders unter der Spaltung leidet - von sieben Grossräten wechselten vier zur BDP - erinnerte Maurer an die zurückliegenden Erfolge der SVP. Drei Gründe nannte Maurer, der nie von der SVP, sondern immer von «der Partei» redete: «Sie steht stets für das Gewerbe ein. Sie engagiert sich klar für die Eigenverantwortung. Und sie hatte den Mut, Tabuthemen aufzugreifen, über die die anderen Parteien es nicht einmal wagen zu reden.» Es sei richtig gewesen, die Ausländerkriminalität oder die «Scheininvaliden» plakativ zu thematisieren. «Heute gebraucht sogar der Bundesrat das ‹scheininvalid›.»

Die Partei habe sich auch immer für die Werte Unabhängigkeit und Freiheit eingesetzt. «Unsere Freiheit ist ganz zentral für die Schweizer.» Von fast allem wisse man, was es kostet, kenne aber nicht den Wert. «Die Landwirtschaft hat ihren Preis, aber auch ihren Wert», holte Maurer auch die Bauernschaft ins Boot. Die Partei werde weiterhin für die Werte einstehen. «Dazu ist es manchmal nötig, Nein zu sagen.» Die Bevölkerung spüre, dass es in der Partei Leute habe, die gradlinig und glaubwürdig hinstünden. Und das müsse so bleiben. Eine gewisse Bereinigung sei nicht schlecht, man wisse jetzt, wer zu einem stehe, ging Maurer kurz auf die Spaltung ein.

«Es ist wie beim ‹Tschutten›»

Für die Aussage, «in einer Demokratie ist es richtig, dass die Bürger zum Rechten schauen, wenn die Regierung es nicht kann», erhielt Maurer, wie mehrmals, Spontanapplaus. Eine Partei müsse sich nicht fragen, ob sie gut ist, sie müsse das tun, was sie als richtig erachtet. «Es ist wie beim ‹Tschutten›, die Leute rennen demjenigen nach, der den Ball hat», ermunterte der Bundesrat die Anwesenden, es zu sagen, «wenn etwas nicht stimmt».

In der Fragerunde kamen vor allem Armeefragen auf den Tisch. Aber auch die «graue Liste der Steueroasen». Dass Maurer bei deren Beantwortung zweimal die Sicherheitsorganisation OSZE mit der OECD (Wirtschaft und Entwicklung) verwechselte, störte niemanden. Dafür gab es Bravo-Rufe, als Maurer auf die Attacken des deutschen Finanzministers einging: «Herr Steinbrück kann von mir aus die Schweiz vergleichen mit wem er will, solange er uns nicht mit den Deutschen vergleicht.»

«Man versteht, was er sagt»

Auf das bei Samuel Schmid übliche Bad in der Menge und Händeschütteln verzichtete Maurer. Trotzdem waren die Gekommenen mit dem Wandel des langjährigen Parteipräsidenten zum Bundesrat zufrieden. «Er hat mich überzeugt», sagte Hanspeter Häni, Gemeinderat in Seewil. Liliane Jonen: «Was Herr Maurer sagt, das hat Hand und Fuss. Er hat gute Argumente und man versteht, was er sagt. Er wirft nicht mit Ausdrücken um sich, die ein normaler Mensch nicht versteht.» Priska Massonnet doppelt nach: «Wenn ich Noten verteilen müsste zwischen 1 und 10, dann gäbe ich Herrn Maurer eine 10.» Ob sie nun in die SVP eintreten, liessen die beiden Frauen jedoch offen ...

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