Fall Bremgarten

«Es ist nicht fair, den Schwarzen Peter in Bremgarten zu deponieren»

Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Adolf Muschg (Archiv)

Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Adolf Muschg (Archiv)

Die Schweiz werden von aussen als «hässlicher Riesenzwerg» betrachtet, «der in der Ecke auf seinem Schatz sitzt», sagt der Schriftsteller Adolf Muschg. Im Fall Bremgarten mit dem Badiverbot für Asylbewerber plädiert er für mehr Verhältnismässigkeit.

Die Medien hätten «ein lokales Missgeschick zum nationalen Debakel vergrössert», erklärte der 79-Jährige gegenüber den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» vom Donnerstag: «Es ist nicht fair, den Schwarzen Peter in Bremgarten zu deponieren. Aber es wäre eine Chance, sich klarzumachen, dass Bremgarten überall ist.»

Man sollte sich fragen, wie man mit dem globalen Phänomen Migration sensibler umgehen könne, sagte der Schriftsteller: «Fantasievoller, beweglicher, auch zum eigenen Vorteil. Rayons haben zwei Seiten; man sperrt nicht nur die andern aus, man sperrt auch sich selber ein.»

Schweizer nicht rassistischer als andere

Befragt nach dem Rassismus in der Langzeitperspektive, erklärte Muschg, dass die Entspannung, die Ende der 1990er zu beobachten gewesen sei, in den Nuller Jahren endete: «Der globalisierte Markt generierte eine ganz eigene Zwangsherrschaft. Mit ihrem Druck kamen die Sündenböcke zurück - auch der Rassismus vieler Spielarten.»

Die Schweizer seien dabei nicht mehr oder weniger rassistisch als andere. Insgesamt sinnlos findet Muschg das Gerede vom Sonderfall Schweiz: «Welches Land, von Island bis Kosovo, wäre kein Sonderfall? Als Alleinstellungsmerkmal der Schweiz ist der Begriff unbrauchbar.»

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