Göldi

«Der König hat mit Herrn Gaddafi telefoniert»

«Es geht um Freundschaft, nicht um einen Deal.»

Botschafter Riquelme

«Es geht um Freundschaft, nicht um einen Deal.»

Im Gespräch mit der Aargauer Zeitung versichert der spanische Botschafter keine Gegenleistung für die Hilfe im Fall Göldi zu fordern.

Beat Rechsteiner

Nachdem die Schweiz Spanien bei der WM geschlagen hat: Bereuen Sie, dass Ihr Land der Schweiz in der Libyen-Affäre geholfen hat?
Fernando Riquelme: Ich verstehe, dass sich die Schweizer sehr über diesen Sieg freuen. Und ich freue mich mit ihnen, hoffe aber, dass Spanien doch noch weiterkommt. Mit der Libyen-Affäre hat das jedoch nichts zu tun. Insofern bereue ich unser Engagement in dieser Sache natürlich nicht.

Im Ernst: Warum hat Spanien die Schweiz unterstützt?
Riquelme: Im letzten Oktober besuchte Aussenminister Miguel Ángel Moratinos die Schweiz. Dabei wurde die Libyen-Frage thematisiert, worauf er von sich aus der Schweiz Hilfe anbot, um den Konflikt zu beenden. Er wusste, dass er mit seinen guten Kontakten nach Libyen Türen öffnen kann.

Was waren seine Beweggründe?
Riquelme: Die Schweiz und Spanien sind zwei befreundete Staaten. Sie müssen nicht nach versteckten Gründen suchen, die gibt es nicht.

Spanien hat derzeit die EU-RatsPräsidentschaft inne. Gab es keinen Druck auf das Land vonseiten der EU, nachdem die Schweiz die Visa-Politik gegenüber Libyen für den Schengen-Raum verschärft hatte?
Riquelme:Im Oktober war das nicht akut. Es war jene Phase, in der Rachid Hamdani und Max Göldi entführt wurden und es keine Informationen über ihren Verbleib und keine Lebenszeichen gab. Das Angebot Spaniens hatte also in erster Linie einen humanitären Hintergrund. Es kam dann zu mehreren Gesprächen zwischen Herrn Moratinos und dem libyschen Aussenminister und mit Amtskollegen benachbarter Länder, zu denen Spanien gute Beziehungen pflegt.

Die Visa-Frage spielte keine Rolle?
Riquelme: Doch. Wir haben in dieser Sache in der Rolle als EU-Rats-Präsidentin interveniert. Es gab zwar keinen Druck auf uns, aber natürlich wollten die EU-Staaten dieses Problem möglichst rasch lösen. Es geht bei der Libyen-Affäre aber nicht um ein Engagement der EU, sondern um bilaterale Unterstützung durch Spanien und Deutschland. Deshalb endeten unsere Anstrengungen auch nicht mit der Aufhebung der Visa-Sperre.

Erklären Sie einem Nicht-Diplomaten, was genau Spanien getan hat, um der Schweiz zu helfen?
Riquelme: Am wichtigsten sind sicher die Vermittlerdienste, die Spanien zusammen mit Deutschland geleistet hat. Und die Verhandlungen, die zur Vereinbarung zwischen der Schweiz und Libyen geführt haben. Zudem haben wir bei der Klärung der Ausreisemodalitäten für Herrn Göldi geholfen.

Welche Rolle spielte der spanische König Juan Carlos?
Riquelme: Der König hat mit Herrn Gaddafi ein Telefongespräch geführt, um auf eine Lösung des Konflikts hinzuwirken. Auch das war ein Stück der spanischen Bemühungen.

Erwartet die EU nun eine Gegenleistung von der Schweiz?
Riquelme: Das weiss ich nicht.

Und Spanien?
Riquelme: Nein. Es geht hier um Freundschaft zwischen zwei Staaten und nicht um einen Deal. Ich bin zuweilen sehr erstaunt darüber, dass viele Leute stets meinen, es gehe immer nur um Geld.

Werden sich die Beziehungen zwischen Spanien und der Schweiz durch die Libyen-Affäre noch intensivieren?
Riquelme: Das kann ich mir gut vorstellen, gerade durch die intensive Zusammenarbeit, die auf Regierungsebene herrscht. Wir haben aber bereits jetzt exzellente Beziehungen, politisch und wirtschaftlich. Es gibt keinerlei Probleme - ausser vielleicht auf dem Fussballplatz.

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