Hubert Keller

Der Stadtrat wollte es genau wissen und hat deshalb dem Forschungsinstitut gfs.bern den Auftrag gegeben, das Abstimmungsresultat wissenschaftlich zu untersuchen. Der Bericht liegt nun vor, 45 Seiten dick listet er die Gründe für die äusserst knappe Ablehnung auf.

Die Stimmberechtigten fühlen sich in ihrer Stadt hochgradig wohl, ergab die Umfrage. Dieses Wohlbefinden wird begründet mit dem direkten Wohnumfeld und der Nähe zum Arbeitsplatz, aber auch mit dem, was Baden als Stadt zu bieten hat, Dienstleistungsangebot und Infrastruktur. Es gab, so das Ergebnis der Analyse, somit «keinen Problemdruck hin zu einer gemeindeseitigen Neuorganisation».
Zudem äussern die Stimmberechtigten von Baden gegenüber Neuenhof ein «ambivalentes Bild». Es fänden sich, so das Forschungsinstitut, keine grossen Gruppen, die gegenüber der Nachbargemeinde positiv eingestellt seien.
Es kommt hinzu, dass zwar eine Minderheit, aber immerhin gewichtige 35 Prozent, ein negatives Bild von Baden hat und dies mit der Ausländer-Problematik verknüpft. Eine Problematik, die durch den Zusammenschluss mit Neuenhof, so die Befürchtung, noch hätte verstärkt werden können.

Es ist nicht so, dass die Badener von Neuenhof nur negativ denken würden. 20 Prozent haben sogar ein eher positives Bild von ihrer Nachbargemeinde, während eine starke Minderheit von 35 Prozent Neuenhof eher negativ einschätzt. Der Rest ist unentschieden.
Personen mit neutraler Haltung zu Neuenhof stimmten aber «nur» zu 50 Prozent der Fusion zu, zu wenige, um den Neuenhof-Kritikern Paroli zu bieten.
Die Analyse brachte zudem an den Tag, dass es «durchaus auch Elemente einer grundsätzlichen Kritik an der Badener Politik» gibt. Zwar sprechen zwei Drittel der Badener Politik ihr Vertrauen aus, das ist ein guter Wert, nur 19 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Diese 19 Prozent aber nahmen nicht, wie sonst oft beobachtet, unterdurchschnittlich an der Abstimmung teil, sondern stimmten relativ geschlossen gegen die Vorlage. Auch wenn dieses Element klein sei, habe es aufgrund des knappen Abstimmungsausgangs das Zünglein an der Waage spielen können, stellt das Forschungsinstitut fest.
Auf der argumentativen Ebene schienen die Argumente rund um die Verschlechterung der Qualität der Schulbildung (respektive die Ausländerproblematik), finanzielle Bedenken im Bereich Steuererhöhung und einseitiger Nutzen für Neuenhof stärker zu wirken als die Vorteile in Bezug auf Raumplanung und Baulandreserven auf Badener Seite.

Der Bericht fasst zusammen: Die Vorlage scheiterte am Kooperationspartner und an finanziell motivierten Bedenken, während eine minderheitlich ausgeprägte Unzufriedenheit mit der Badener Politik ein (ablehnendes) Zünglein an der Waage spielte.