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Woher das Smartphone kommt und wohin es geht

Eine Ausstellung widmet sich der Objektbiografie eines Mobiltelefons von der Herstellung bis zur Entsorgung, den Transportwegen und Transformationen der Materialien sowie den beteiligten Menschen.

Eine Ausstellung widmet sich der Objektbiografie eines Mobiltelefons von der Herstellung bis zur Entsorgung, den Transportwegen und Transformationen der Materialien sowie den beteiligten Menschen.

Wie entsteht eigentlich unser liebstes Gadget? Und was passiert damit, wenn wir es weggeben? Ein künstlerisches Forschungsprojekt hat sich mit den Wegen der benötigten Rohstoffe befasst.

Für viele ist das Smartphone zum wichtigsten Begleiter im Alltag geworden. Damit das geliebte Hightechgerät seine vielfältigen Funktionen erfüllen kann, beinhaltet es über 50 Rohstoffe, die aus verschiedenen Teilen der Welt stammen. Nach der Entsorgung des Geräts werden diese Materialien im Idealfall zurückgewonnen. Doch einige enden im Abfall, und die darin enthaltenen unbrennbaren Stoffe landen in der Schweiz nach den Kehrichtverbrennungsanlagen als Bestandteil der Schlacke in Deponien.
Mit solchen Abläufen hat sich in den letzten drei Jahren ein interdisziplinäres Team der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW befasst. «Wir wollten den Umgang mit Materialien beleuchten und kritisch hinterfragen», sagt Flavia Caviezel, Leiterin des Forschungsprojekts Times of Waste, das am Institut Experimentelle Design- und Medienkulturen/Critical Media Lab realisiert und vom Nationalfonds mit gut 400 000 Franken finanziert wurde. Aufbauend auf den umfangreichen Recherchen, hat das sechsköpfige Team unter anderem eine Ausstellung gestaltet, die 2017 im Museum der Kulturen in Basel zu Gast war. Die Schau widmet sich der Objektbiografie eines Mobiltelefons von der Herstellung bis zur Entsorgung, den Transportwegen und Transformationen der Materialien sowie den beteiligten Menschen.

Umweltschäden auch bei uns
«Das Smartphone steht exemplarisch für verschiedene Arten von Elektroschrott», erklärt Caviezel. Während etwa das Gold mit modernen Recyclingverfahren fast verlustfrei zurückgewonnen wird, werden andere im Telefon enthaltene Metalle noch kaum rezykliert. Die meisten Abfallmaterialien verlieren bei der Rückgewinnung wegen der Vermischung an Qualität – man redet von Downcycling. Und auch die Lagerung ganz am Ende der Nutzung kann problematisch sein: Die Verbrennungsrückstände aus der Kehrichtverwertung enthalten Schwermetalle, die in den Deponien durch sauren Regen austreten können. Obwohl schweizerische Deponien über Sickerleitungen verfügen, sind langfristige Umweltschäden nicht ausgeschlossen. Doch bei elektronischen Geräten entsteht der grösste Teil der Umweltbelastungen bereits bei der Gewinnung der Rohstoffe. Das seltene Metall Neodym etwa, das für Lautsprecher, Mikrophone und Vibratoren von Smartphones nötig ist, stammt vor allem aus China. Dort gelangen beim Abbau radioaktive und andere giftige Stoffe ins Grundwasser.

Vermittlung über alle Sinne
Zu solchen Erkenntnissen gelangten die Forschenden anhand eines künstlerisch-wissenschaftlichen Vorgehens. Sie führten zahlreiche Gespräche mit Fachleuten von Forschungsinstitutionen, Elektroschrott-Verarbeitern, Metallhandelsfirmen, Occasionsgerätehändlern, Kehrichtverbrennungsanlagen und Deponien. Dabei entstanden Texte, Fotos sowie Film- und Tonaufnahmen, die sie für die öffentliche Präsentation aufbereiteten. In der Ausstellung kann man zum Beispiel den Lebensweg des Neodyms anhand eines Tonessays mitverfolgen – erzählt aus der Perspektive des Elements. Gleichzeitig finden sich die Besuchenden über eine wandfüllende Videoprojektion etwa in einer Deponie wieder, wo Baggerschaufeln in Schlacken greifen und Staub aufwirbeln. Zudem bekommen sie Rückstände aus Schmelz- und Schredderprozessen sowie aus der Kehrichtverwertung zu Gesicht: krümelige Gesteins- und Metallbrocken.
Ein Grossteil des Projektteams befasst sich schon länger mit ökologischen Themen – unter anderem im Rahmen des Vorgängerprojekts RhyCycling, bei dem der Rhein im Dreiländereck unter den Aspekten Fischfauna, Ufernutzung und Energie im Mittelpunkt stand. «In beiden Projekten geht es uns darum, die Verstrickungen von Menschen, Tieren, Pflanzen, Technologien und Materialien aufzuzeigen», erklärt Flavia Caviezel. Damit wolle man die Besuchenden zum Nachdenken über Handlungsmöglichkeiten anregen. FHNW

Hören Sie, wie der Audiowalk Wastescapes, ein begleitendes Projekt von Times of Waste, eingeleitet wird. Der GPS- und Smartphone-basierte Walk thematisiert (Transport-)Bewegungen von Menschen, Tieren, Pflanzen, Gütern und Materialien sowie Reinigungsprozesse im Grenzraum Basel. Er wird am 29.9.18 um 14 Uhr im Hafengebiet Basel angeboten (Anmeldung und Informationen bei nuria.barcelo@fhnw.ch).


Digitaler Berater für KMU im Kampf gegen Cyber-Risiken

Geschätzte 60 Prozent aller Cyber-Angriffe sind auf KMU gerichtet, häufig mit schweren Folgen. Um dem entgegenzuwirken, entwickelt die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW im Rahmen eines internationalen Projekts eine App, mit deren Hilfe Firmen sich einfacher schützen können.

Viren, Trojaner, gestohlene Daten: Cyber-Kriminalität kann nicht nur Privatpersonen viel Ärger bereiten, sondern auch Firmen. Ein Datendiebstahl beispielsweise kostet eine Firma durchschnittlich 3,9 Mio. Franken, wie eine Studie im Auftrag des IT-Unternehmens IBM zeigt. Darin eingerechnet sind das Krisenmanagement, das Ersetzen der gestohlenen Daten, das Betreuen der Kunden sowie der Reputationsschaden, der sich negativ auf die künftigen Geschäfte auswirkt. Von diesen Schäden erholen sich insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nur schwer oder in sechs von zehn Fällen gar nicht.
Mit besseren Sicherheitsmassnahmen könnten Cyber-Angriffe verhindert werden, aber viele KMU schützen ihre Systeme und Daten nicht ausreichend. «Kleinere Unternehmen haben oft nicht die Mittel, um Experten für die Cyber-Security einzustellen oder externe Berater hinzuzuziehen», erklärt Samuel Fricker von der Hochschule für Technik FHNW. Er und sein Team sind ein Teil des internationalen Projekts SMESEC. SMESEC steht für «a lightweight cybersecurity framework for thorough protection of Small and Medium-sized Enterprises». Ziel des Projekts ist, KMU eine App als digitalen Berater zur Verfügung zu stellen. Mit dessen Hilfe können sie ihre Sicherheitsbedürfnisse entdecken und sich einfach und kostengünstig gegen Cyber-Attacken schützen. Die App ist so aufgebaut, dass man kein IT-Experte sein muss, um damit umgehen zu können.

Virenschutz und Psychologie
Bei der Entwicklung des digitalen Beraters werden nicht nur die technischen Aspekte wie Virenschutz, Firewall und Datensicherheit beachtet, sondern auch das Soziale und die Psychologie: «Viele Leute sind überraschend nachlässig, wenn es um Cyber-Security geht», sagt Fricker. «Deshalb müssen auch die Mitarbeitenden einer Firma immer wieder geschult werden, so dass sie potenzielle Gefahren erkennen und diese abwenden können.»

Nominiert für Innovation Forum
Das Tool befindet sich noch im Aufbau, es wurde aber bereits von einigen Unternehmen getestet. Anfang 2019 sollen grossflächigere Tests von SMESEC folgen, für die Firmen sich jetzt anmelden können (siehe «Firmen als Tester gesucht»). Verläuft alles nach Plan, wird SMESEC im Jahr 2020 auf den Markt kommen. Neben dem Grundangebot, das Unternehmen aus allen Bereichen nutzen können, sollen spezifische Versionen für unterschiedliche Segmente von KMU angeboten werden.
Das Potenzial von SMESEC hat auch Swissuniversities, die Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen, erkannt und das Projekt für das Swiss Innovation Forum 2018 als eine der drei attraktivsten Innovationen der Schweizer Hochschulen nominiert. Finanziert wird SMESEC von der Europäischen Kommission und dem Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation im Rahmen von Horizon 2020, dem Programm der EU für Forschung und Innovation. FHNW

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