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Jugendliche entwerfen Ideen für eine Berufswahl-App

An der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW helfen Jugendliche mit, eine App zu entwickeln, die ihre Interessen, Stärken und Schwächen auswertet. Daraus ergibt sich ein Kompetenzprofil, das Schülerinnen und Schüler in der Berufswahl unterstützen soll.

Die Digitalisierung macht vor der Berufsberatung nicht Halt. Zahlreiche Webseiten und Apps informieren über die rund 2600 Berufe in der Schweiz sowie freie Lehrstellen und Ausbildungsplätze. Manche bieten Tests an, um herauszufinden, welcher Beruf am besten zu einem passt. Auch die FHNW arbeitet an einer Berufswahl-App – und Jugendli­che wirkten bei der Entwicklung von Anfang an aktiv mit.

Ein kreativer Prozess
Das Projekt wird in Kooperation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW und der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Olten durchgeführt. Projektleiter Jeremias Amstutz rekrutierte zwei sogenannte Designteams mit je vier Jugendlichen einer Klasse der Alten Kantonsschule Aarau und der Offenen Jugendarbeit Wohlen. Mit ihnen führte der Wissenschaftler acht Workshops durch. Die Aufgabe: in einem kreativen Prozess eine Entscheidungshilfe für die Berufswahl entwickeln. «Trotz der klaren Fragestellung war ich immer offen, was herauskommen würde», sagt Amstutz, «ich bot den Jugendlichen einfach einen Rahmen, um sich zu entfalten.» Das Projekt wird von der Stiftung Mercator Schweiz, die sich unter anderem für die gesellschaftliche Mitwirkung junger Menschen einsetzt, finanziell gefördert.

Den Einstieg erleichtern
Die Jugendlichen befragten 13- bis 17-jährige Kolleginnen und Kollegen, wie es ihnen in der Berufsfindung geht. Eine oft gehörte Antwort war, die Unterstützung könnte grösser sein. Schnell stellte sich heraus, dass die Entscheidungshilfe eine App sein sollte, «und zwar eine einfache, spielerische und interaktive App, welche den Zugang zur nachgelagerten Berufsberatung vereinfacht», so Amstutz. Ziel ist also nicht eine Empfehlung für einen konkreten Beruf, sondern ein erleichterter Einstieg in den Berufsfindungsprozess. Das Tool fokussiert auf die – vor allem sozialen – Kompetenzen der Jugendlichen. Mittels Fragen wird ein entsprechendes Persönlichkeitsprofil erstellt, womit im Berufswahlunterricht, bei der Berufsberatung oder mit den Eltern weitergearbeitet werden kann. Der Prototyp orientiert sich an bekannten App-Funktionen wie der typischen Wischbewegung.

Damit die App in der Praxis taugt, wird das Projekt von einer Gruppe externer Fachleute aus dem Bildungswesen und der Wirtschaft begleitet, etwa von Lehrlingsvertreterinnen und -vertretern von KMU, Schulleitungen oder Berufsberaterinnen und -beratern. «Wir haben sehr konstruktive Feedbacks erhalten, die uns helfen, etwas zu entwickeln, das nützlich ist und das es noch nicht gibt», sagt Jeremias Amstutz. Als nächstes geht es nun darum, ein Businessmodell zu entwerfen. Schliesslich muss die App programmiert werden. Amstutz könnte sich ein entsprechendes Studierendenprojekt vorstellen. In spätestens einem Jahr soll die Berufswahl-App zum Download bereitstehen. Thomas Röthlin

Zweitartikel_Video

Zwei Workshop-Teilnehmer erklären, wie sich die Berufswahl-App vorstellen.


Weg vom Bild des Computer-Nerds

Frauen sind in der zukunftsträchtigen Informations- und Kommunikationstechnologie stark untervertreten. Das liegt auch an einseitigen Vorstellungen über diese Berufe, wie Forscherinnen der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW herausfanden. Neue Informationsunterlagen zeigen Wirkung.

Frauen und Männer sollen die digitale Zukunft gleichermassen mitgestalten.

Informatik ist Teamarbeit:

Frauen und Männer sollen die digitale Zukunft gleichermassen mitgestalten.

Bis weit nach Mitternacht sitzt er am Computer, bleich, allein, stapelweise leere Pizzaschachteln neben sich: So sieht er aus, der Nerd (englisch für Sonderling), das typische Klischee des Informatikers. «Von diesem Bild gilt es wegzukommen, denn es entspricht längst nicht mehr der Realität und schreckt viele ab, Frauen wie Männer», sagt Dörte Resch, Professorin an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Olten. Gemeinsam mit ihrem Team ging sie in mehreren Forschungsprojekten der Frage nach, warum so wenige Frauen als Informatikerinnen, Netzwerkspezialistinnen oder Applikationsmanagerinnen tätig sind, und wie sich das ändern liesse. Nur gerade 15 Prozent beträgt in der Schweiz der Frauenanteil in den Berufen der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT).

ICT-Berufe wandeln sich
Die Forschenden befragten Auskunftspersonen in Schulen, Ausbildungsstätten, Berufsberatungen, Expertenkreisen und Verbänden. Zudem werteten sie Dokumente und Unterlagen aus. Es zeigte sich, dass die Berufe rund um die Informatik stark mit Technik, Programmieren und Einzelkämpfertum in Zusammenhang gebracht werden. Das sei einseitig und erhöhe die Schwelle unnötig, stellt Resch fest. Denn die ICT-Berufe seien dabei, sich zu wandeln. Die Digitalisierung durchdringe Arbeitswelt und Alltag immer mehr. Bei Fachleuten seien heute zunehmend Teamfähigkeit und Kommunikationskompetenz gefragt, während das reine Programmieren vermehrt ausgelagert werde.
Konkret: Wer eine App entwickelt, muss die Bedürfnisse der Zielgruppe kennen. Wer eine IT-Hotline bedient, sollte Fachwissen verständlich erklären können. Und wer ein Datenmanagement-System in einem Unternehmen aufbaut, braucht den Austausch mit dem Umfeld. «Technisches Know-how ist wichtig, aber nicht als Selbstzweck, sondern um einen Nutzen zu erzielen», sagt die Forscherin. Werde das im Berufsbild so vermittelt, erhöhe sich die Zugänglichkeit. Einerseits für Frauen, die sich technisch zu wenig zutrauten, andererseits aber auch für Männer, die nicht schon immer in die Informatik wollten. Das sei nötig, sonst liege Potenzial brach, sagt Resch und verweist auf den Fachkräftemangel in den ICT-Berufen.

Menschen, nicht nur Geräte
«Beide Geschlechter sollen die digitale Zukunft mitprägen», ergänzt Melanie Nussbaumer, wissenschaftliche Mitarbeiterin. Das sei eine Frage der Chancengleichheit. Sie erprobte in Solothurner Schulklassen, wie Mädchen für Informatik gewonnen werden können: spielerisch zeigen, dass Technik lernbar ist. Dass Informatik Spass macht. Dass man mit Menschen zu tun hat, nicht nur mit Geräten. Und indem geschlechter­stereotype Darstellungen in Informationsunterlagen vermieden werden. Diese Forschungsresultate setzt die FHNW selber intern um. Die Materialien zum Bachelor-Studiengang Wirtschaftsinformatik wurden überarbeitet – mit Erfolg: Die Zahl der Studierenden erhöhte sich um mehr als die Hälfte. Und der Frauenanteil stieg von 9 auf 34 Prozent. FHNW

Roboter-Parcours durchs Schulzimmer: FHNW-Forscherinnen entwickelten und testeten spielerische Informatik-Experimente für Schulklassen.

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