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Hochschule hilft Hotels bei der digitalen Transformation

Das Smartphone wird künftig auch bei Dienstleistungen in Hotels vermehrt eine Rolle spielen.

Das Smartphone wird künftig auch bei Dienstleistungen in Hotels vermehrt eine Rolle spielen.

Die Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW entwickelt Check-Tools für die Hotelbranche. Damit sollen Hoteliers herausfinden, wie sie die Digitalisierung meistern können.

Online eine Übernachtung buchen und WLAN im Zimmer: Solche Dienstleistungen sind in Hotels heute Standard. Automatisches Check-in, Gepäckroboter oder Türöffnung mittels Gesichtserkennung hingegen tönen nach Zukunftsmusik. «Der digitale Reifegrad der Tourismusbranche in der Schweiz ist unterdurchschnittlich», sagt Stella Gatziu Grivas, Professorin am Institut für Wirtschaftsinformatik der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Olten. Dabei sei die Hotellerie durch veränderte Kundenbedürfnisse und branchenfremde Anbieter wie Airbnb besonders herausgefordert. 

Gatziu Grivas leitet ein Projekt mit dem Ziel, die Hotelbranche in ihrer digitalen Transformation zu unterstützen. Projektpartner sind die Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur sowie der Verband Hotelleriesuisse. «Wir wollen unseren Mitgliedern ein Umfeld schaffen, in dem sie ihre Betriebe bestmöglich führen können», sagt Barbara Friedrich von Hotelleriesuisse. «Deshalb sehen wir unsere Aufgabe auch da­rin, sie zu befähigen, mit der Digitalisierung mitzukommen.» Das Projekt erhält Fördermittel vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco.

Tool schlägt Massnahmen vor
Helfen sollen den Betrieben kostenlose digitale Tools. Zuerst erfassen die Hoteliers ihre interne Situation und das Umfeld. Zu diesem Zweck beantworten sie zahlreiche Fragen wie: «Beabsichtigen Sie, (potenzielle) Hotelgäste über digitale Kanäle wie z. B. Online-Buchungsplattformen oder Soziale Medien anzusprechen?» – «Welche Tools nutzen Sie heute, um Kunden auf Ihr Hotel bzw. Ihr Angebot aufmerksam zu machen?» Für die externe Analyse werden Einschätzungen unter anderem zum Buchungsverhalten (online/offline) und die Herkunft der Gäste erfragt. Aus der Auswertung ergibt sich eine Gesamtsicht mit Stärken und Schwächen des Betriebs sowie Chancen und Risiken von aussen.
Die Daten fliessen in den sogenannten Transformation Compass ein. Wie ein Kompass die Himmelsrichtung anzeigt, schlägt dieses Tool ein Bündel von Massnahmen vor, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Hotels abgestimmt sind. «Digitale Transformation entsteht erst, wenn die einzelnen Elemente verknüpft werden und das Unternehmen als Ganzes fundamental verändern», sagt Gatziu Grivas. Beispiel vollautomatisierte Réception: Dort, wo sie Sinn macht – eher in der Stadt als in ländlichen Gebieten –, verändert sie die Arbeitsabläufe. Ressourcen für neue Services werden frei, wobei die Mitarbeitenden andere Kompetenzen benötigen. «Mit seinen spezifischen Empfehlungen und den aufgezeigten Auswirkungen auf das Unternehmen hebt sich der Transformation Compass von anderen Digital-Check-Tools ab», sagt Gatziu Grivas.
Schliesslich gehts an die Umsetzung der Massnahmen. Dafür können die Hoteliers auf einer Plattform nach passender Betriebssoftware suchen, sich in Foren mit Berufskollegen austauschen sowie auf ein Beraternetzwerk zugreifen. Trainiert werden die Coaches von der abiliCor GmbH, einem Spin-off der Hochschule für Wirtschaft FHNW, das auch die digitalen Tools betreibt und weiterentwickelt. Diese lassen sich grundsätzlich an diverse Branchen anpassen.

Getestet in der Branche
Die Hotelunternehmer sollen auch von den Erfahrungen der Mitbewerber profitieren. Im Rahmen des Projekts wurden Fallstudien über Hotels erarbeitet, die eine digitale Vorreiterrolle innehaben. Zudem werden die Tools in Feldversuchen mit verschiedenen Hotels getestet, bevor sie ab Herbst 2018 der ganzen Branche zur Verfügung stehen.
Zu den Testern gehört das Business- und Seminarhotel Olten. Teilhaber Darko Bosnjak (29) kann in Sachen Digitalisierung mitreden. Seit 2012 vermarktet er seine Zimmer auf der Plattform Airbnb, wo vor allem Private ihre Unterkünfte vermieten. «Ein Shared-Economy-Konzept der Konkurrenz zu unterstützen, stiess in der Branche nicht gerade auf Anklang», erinnert sich Bosnjak. Heute machen die Airbnb-Buchungen 20 bis 30 Prozent seines Logierum­satzes aus. Ende 2016 eröffnete der junge Gastgeber aufgrund wissenschaftlicher Food-Trendanalysen ein Restaurant mit «flexitarischer», sprich veganer und vegetarischer Küche sowie einem nachhaltigen Fleischangebot. Aktuell befasst er sich mit dem Ersatz der klassischen Réception. Im Stadthotel Olten soll der Gast künftig mit seinem Smartphone selber einchecken können. Thomas Röthlin


3D für die Ohren

Das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe mit seinem «Klangdom» ist ein Projektpartner der Hochschule für Musik der FHNW. In diesem Konzertsaal sind 47 Lautsprecher so angeordnet, dass der Raumklang dreidimensional wahrgenommen wird.

Das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe mit seinem «Klangdom» ist ein Projektpartner der Hochschule für Musik der FHNW. In diesem Konzertsaal sind 47 Lautsprecher so angeordnet, dass der Raumklang dreidimensional wahrgenommen wird.

Filme lassen sich in 3D nicht nur sehen, sondern auch hören. Dank neuer Audiotechnologien bekommt das Publikum das Gefühl, von der Geräuschkulisse eingehüllt zu sein. Nun soll ein von der Hochschule für Musik der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW entwickeltes System die Produktion solcher Klangerlebnisse einfacher machen.

Das Surren der Helikopterrotoren dröhnt über den Köpfen des Publikums. Von hinten heult eine Sirene auf. Dann erfüllt das Grollen eines weit entfernten Donners den gesamten Raum. So ähnlich klingt es in Kinos mit Surround-Sound. Dabei stammen die Töne aus mehreren im Saal verteilten Lautsprechern. Klänge, die etwa von hinten ertönen sollen, werden von den hinteren Lautsprechern wiedergegeben.
Noch ausgeklügelter funktioniert der 3D-Sound: Dort kommen die Audiosignale nicht nur aus mehreren Lautsprechern, sondern werden zudem mit einer Methode verarbeitet, die auf psychoakustischen Prinzipien beruht und das menschliche Gehör nachahmt. So scheint die von hinten heulende Sirene für die Zuschauerin in der letzten Reihe gleich weit entfernt wie für diejenige ganz vorn. Solche Klangproduktionen sind heute nicht nur im Kino, sondern auch im Theater, an Konzerten, in Videospielen sowie im Fernsehen und Radio möglich. Doch für überzeugende Resultate sind gute Programmierkenntnisse ein Muss. Denn es sind komplizierte Algorithmen, die beschreiben, wo im Raum die Töne erklingen sollen.

Rundum-Sound auch im Theater
«Aufgrund veralteter Tools und Konzepte sind viele Audioproduzenten heutzutage damit überfordert, die Möglichkeiten von 3D-Produktionen auszuschöpfen», sagt Holger Stenschke, der an der Hochschule für Musik der FHNW forscht. Er spricht aus Erfahrung, denn als freiberuflicher Tonmeister tüftelt er selber an solchen Klangkulissen. Deshalb suchten der diplomierte Musiker und sein Team nach einer Lösung, um Rundum-Sound nicht nur in aufwändigen Hollywoodstreifen, sondern auch in Theaterstücken und Konzerten zu ermöglichen. Der Clou: Sie entwickelten ein modulares System, das bereits alle Programmierbausteine und technischen Vorrichtungen enthält. 

Konzerthalle auf dem Tablet
Der Prototyp des Systems besteht aus zwei Komponenten: Zum einen aus einem optimierten, handelsüblichen Computer, der erlaubt, über 6000 Audiokanäle gleichzeitig zu verwalten. Zum anderen aus einer Software, die der Produzent etwa auf einem Smartphone oder einem Tablet installiert. Auf dem Bildschirm erscheint ein virtueller Raum, der die Konzerthalle oder den Aufführungssaal simuliert. Mit wenigen Klicks können Nutzer die Klänge auf dem Bildschirm so positionieren, wie sie im realen Raum ertönen sollen – etwa das vom Untergrund her ertönende Geräusch einer U-Bahn oder das Regenprasseln von oben. Die verarbeiteten Tonspuren schickt das System dann an die Lautsprecher. «Wichtig war, die Software so zu programmieren, dass das System die Signale in Echtzeit verarbeiten kann», erklärt Stenschke. Für Liveproduktionen sei dies absolut notwendig. In einem nächsten Schritt möchten die FHNW-Wissenschaftler den Quellcode der Software frei zugänglich ins Internet stellen. «Unsere Entwicklung wird viele Hürden im Produktionsalltag mindern», sagt Stenschke. Deshalb ist er überzeugt, dass sich künftig viele Produzenten und Künstler auf 3D-Audio stürzen werden. FHNW

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