Die SBB begründete die Änderung namentlich mit dem schnell wachsenden Verpflegungsangebot in Bahnhöfen. Weil immer mehr Getränke und Esswaren vor der Fahrt gekauft werden können, gehen die Umsätze im Bahncatering zurück, wie die SBB in einem Communiqué schrieb. Besonders betroffen sei die Minibar.

In den letzten Jahren gingen die Umsätze aus dem Verkauf von den "Wägeli" um rund 40 Prozent zurück, wie die SBB schrieb. Verpflegen kann man sich in den Zügen aber weiterhin: Reisende in der ersten Klasse werden weiterhin am Sitzplatz bedient.

Wer zweiter Klasse reist, kann im Speisewagen vom Take Away einkaufen. Die SBB schrieb dazu, dass mit der Beschaffung von neuen Doppelstock- und Gotthard-Zügen (Giruno) die Zahl der Speisewagen erhöht werde. Derzeit hat die SBB 90 Speisewagen. Im Jahr 2021 sollen es 120 sein.

Gastronomie will die SBB künftig in allen EuroCity- und InterCity-Zügen anbieten. Die Verpflegung selber mitnehmen muss dagegen, wer einen Interregio-Zug besteigt. Auf diesen Linien wird wegen mangelnder Nachfrage kein Gastronomie-Angebot mehr zur Verfügung stehen.

Die SBB konzentriert sich zudem auf die Gastronomie in den Zügen: Sie will die Flächen der "Segafredo"-Stände in den Bahnhöfen per Mitte 2016 neu vermieten. Diese Stände werden derzeit von der SBB-Tochtergesellschaft Elvetino als Franchising-Partner betrieben. Für betroffene Mitarbeitende wird eine sozialverträgliche Lösung gesucht.

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) kritisierte in einem Communiqué "Folgen von reinem Profitdenken" und verlangte, die betroffenen Angestellten weiterzubeschäftigen. Die Minibars böten 300 Personen Arbeit. Solle Minibar-Personal in Speisewagen eingesetzt werden, müsse es von Elvetino dafür geschult werden. Dasselbe gelte für die 65 Angestellten an den Segafredo-Ständen.

Das ist die neue SBB-Minibar (4.4.2014)

Das ist die neue SBB-Minibar (Beitrag vom 4.4.2014)

Speisen im Zug war nur etwas für Bessergestellte

Übrigens: Lange war Speisen im Zug nur etwas für Bessergestellte. Bis 1951: Damals brachte die Montreux-Oberland-Bahn (MOB) die rollende Minibar in die Schweiz.

Das «Wägeli», wie die Minibar bis heute liebevoll genannt wird, war auf Anhieb ein Riesenerfolg – bald auch bei den SBB. Bis in die 1980er-Jahre stiegen die Umsatzzahlen Jahr für Jahr.

Eine wichtige Einnahmequelle dazumal: Zigaretten, die in den mittlerweile abgeschafften Raucherabteilen auch gleich genossen wurden. Gesichert werden die Minibars durch eine Wegfahrsperre, die nur durch das permanente Drücken eines Bügels gelöst werden konnte.

Das Angebot blieb während Jahrzehnten unverändert: Kaltgetränke aus einer Kühlbox und Heissgetränke aus Thermoskannen. Gipfeli und Brötchen am Morgen, tagsüber Sandwiches und Schokoladenriegeln.

2007 wurde die Minibar – die bis dahin offiziell «Railbar» genannt wurde – durch einen grösseren Wagen ersetzt. Für die Bahnkunden bedeutete das eine kleine Revolution: Der Kaffee wurde nun in einer elektrischen Kaffeemaschine frischgebrüht und schmeckte nicht mehr nach lauer Brühe. Mit Kaffeegetränken machten die Minibars zuletzt fast die Hälfte ihres Umsatzes.

Neuste Minibar aus dem Aargau

Noch 2014 investierten die SBB in ihre «Wägeli». Dank diesen können Reisende einen echten Cappuccino oder Latte Macchiato geniessen. Ausgerüstet ist die Minibar der neusten Generation mit einem Brennstoffzellen-System, das am Paul-Scherrer-Institut im aargauischen Villigen mitentwickelt wurde. Es sorgt dafür, dass die Minibar trotz Platzbeschränkungen über genügend Kraft verfügt, um auch Capuccino und Latte Macchiato mit frischer Milch zu brühen. (sva/sda)