Militärfahrzeug-Treffen
Zwischen Schützengraben und Lazarett

Nostalgie hat viele Facetten, militärische inklusive. Das Fuller Feld etwa glich am Wochenende einem riesigen Heerlager zwischen 1915 und 1989.

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Militärfahrzeug-Treffen
5 Bilder
Gebirgsjäger Gebirgsjäger Flavio Bresadola im Schützengraben.
Militärchuchi Militärchuchi: Die Chässchnitten sind begehrt.
Fahrzeuge verschiedenen Jahrgangs In Reih und Glied: Zu sehen sind Fahrzeuge verschiedenen Jahrgangs.
Raupenwechsel am Panzer Gewusst, wie Können ist gefragt beim Raupenwechsel am Panzer.

Militärfahrzeug-Treffen

Aargauer Zeitung

Rosmarie Mehlin

Ein Soldat der «alpini» aus dem Alto Adige hatte für sich allein ins beinharte Erdreich ein Stück Schützengraben gehauen. Zumindest trug er die Uniform eines Gebirgsjägers. Darunter aber schlug das Herz eines Schweizers: Flavio Bresadola aus Stallikon. Auch der Soldat in kurzen Uniformhosen vom «Black Watch Royal Highland Regiment» und sein Kompatriot von den «Royal Scotch Dragoon Guards», die zwei Meter neben dem Schützengraben unter einem Baum Zvieri assen - ohne Whisky -, waren, genau betrachtet, nicht echt.

Echt allerdings ist ihre Begeisterung für die italienische respektive schottische Armee von anno dazumal. Und mit dieser Leidenschaft ist das Trio nicht allein. Im Gegenteil! Hauptmann - sorry, Captain - Adi Bieler aus Luzern hatte als Kommandant der rückwärtigen Fliegertruppe «USAAF HQ command» ein grosses Zeltlager aufbauen lassen, mit Funkanlage, Wetterdienst, schneidigen GIs und einer vollbusigen Red-Cross-Nurse: The american way of military life im 2. Weltkrieg.

Chässchnitte - heiss geliebt

Die Uniformen der «Divisione Pistoia» waren gelb wie der Sand in der Sahara, und die Mannen, die drinsteckten, waren allesamt echte Italiener. Kein schlechter Anblick. Mir hat dabei eigentlich nur der schöne Peter van Eyck gefehlt: Nunmehr 40 Jahre tot, bleibt er für mich unvergessen in «Rommel ruft Kairo». Nostalgie auch das.

Das Schweizerische Militärmuseum Full-Reuenthal hatte am Wochenende zum 3. Internationalen Militärfahrzeug-Treffen geladen und gekommen waren Tausende - die einen zum Sehen, die anderen, um gesehen zu werden. Die erste Kategorie bekam vor lauter Staunen gewaltigen Hunger: Bereits am Samstag um 15 Uhr waren jedenfalls so viele Militärchuchi-Chässchnitten vertilgt, wie beim letzten Treffen 2007 an beiden Tagen zusammen - 80 Kilo Käsemasse waren da bereits verbacken.

Ur-Knall und Raupenwechsel

Bei der zweiten Kategorie überstieg allein schon der Fahrzeugpark meinen (zugegebenermassen sehr engen) militärischen Horizont gewaltig. Was da allein schon an Jeeps herumstand, mit und ohne «Caution left hand drive» hinten drauf - wow!

Und dann all diese Panzer. Was ist schon ein Pneuwechsel an meinem Auto gegen einen Raupenwechsel an einem Centurion? Überhaupt dieser Centurion. Allein schon die Ur(für u-huere)-Knalls, die der von sich gibt, sind sowohl atem- wie auch ohrenberaubend: Hinten raus bei jeder Fehlzündung, vorne raus, wenn er seiner Bestimmung, dem Schiessen, nachkommt.

Schwitzen im «Tannigen»

Und geschossen wurde auch, natürlich nicht scharf, aber genauso laut, wie wenn. Rote Köpfe gab es je länger der Tag, desto mehr zu sehen. Die Tommy, GI's und Forze Armate hatten es in ihren Uniformen ja verhältnismässig locker. Unsere Eidgenossen hingegen in ihren über Bierbäuchen spannenden «tannigen Gwändli» hatten im Zeichen ihrer geliebt-gelebten Nostalgie hitzige Gefechte mit ihrem inneren Schweine- respektive Schweisshund auszutragen.

Apropos Hund: Stella war auch da. Die Drogenschnüfflerin im Dienste der Grenzwache demonstrierte ihr Können. Sie tat ihren Job mit genauso viel Leidenschaft, wie die Militärnostalgiker ihr Hobby pflegten. Aber während die FHD-Soldatinnen ihren vorgesetzten Flab-Hauptmann von anno 1943 nur diskret bewunderten, himmelte bella Stella ihren vorgesetzten Feldweibel hingebungsvoll an. Frauen und Uniformen - tja, das ist eben ein Thema für sich.

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