Zwischen Gamelle und Panzersimulator

Einweihungsfest im Militärmuseum Full lockte Publikum aus der ganzen Schweiz an.

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Zwischen Gamelle und Panzersimulator

Zwischen Gamelle und Panzersimulator

Peter Keller

Militärgeschichte und Wehrtechnik sind auch heute noch Männersache. Während der weitläufige Parkplatz rund ums Schweizerische Militärmuseum offenbarte, dass sich die Gäste aus allen Teilen der Schweiz und dem nahen Ausland rekrutierten, zeigte der Gang durch die Ausstellungen, dass das Detailinteresse an den Gerätschaften sich weitgehend auf Männer aller Alterskategorien beschränkte. Zumindest in der Festwirtschaft kam bei Wurst, Brot und Bier bunt gemischte Volksfeststimmung auf, die auch die mitgereisten Gattinnen und Freundinnen genossen.

Abwechslung und Leben ins Geschehen brachten die verschiedenen militärhistorischen Sujetgruppen, die rund ums Museumsgelände biwakierten und sich in originalgetreuer Ausrüstung dem Publikum stellten. Sie liessen den Drill und das Lagerleben vergangener Epochen aufleben. Mit von der Partie war beispielsweise ein (Schweizer) Trupp des deutschen Afrikakorps aus dem 2. Weltkrieg. Im Spannungsbogen zwischen der nach wie vor spürbaren historischen Belastung und dem Bedürfnis, auch diesen Teil der Militärgeschichte sicht- und erlebbar zu machen, ergaben sich interessante Gespräche. Besonders angezogen fühlte sich ein betagter deutscher Veteran, der 1944 mit seiner Kompanie nach Nordafrika entsandt wurde, durch die Schlacht bei Monte Cassino aber in Mittelitalien strandete und heil wieder zurückkehrte. In Full fand er geduldige Zuhörer für die Schilderung seiner Erlebnisse.A

Der BAsler Verein Rost und Grünspan trat in den Schweizer Armeeuniformen 1914/18 auf. Demonstriert wurde die mühselige Erstellung der Marschpackung, die schon vor knapp 100 Jahren kaum zu bewältigen gewesen sei. Als ein Detachement des Vereins sich in voller Montur in Zugschulformation durchs Festgelände bewegte, weckte das bei Festbesuchern auch zwiespältige Reaktionen: «Das ist ja nicht zu glauben – die machen das freiwillig», entfuhr es spontan einem Mann im gesetzteren Alter. «Ich bekomme heute noch Magenkrämpfe, wenn ich an meine eigene Dienstzeit zurückdenke.»

Nicht mit solchen Erinnerungsdetails wollten sich 23 Meisterschwander herumschlagen, die mit dem Car angereist waren. Sie plumpsten quasi unvorbereitet ins Einweihungsfest, hatten sie den Besuch doch schon länger aus einem ganz anderen Grund terminiert: Es war Poltertag für Kollege Ueli Gutknecht, der nächste Woche seine Florentina Blaser aus Wohlen heiraten wird. Gutknecht hatte dank dem Festpublikum dafür keine Mühe, den Spezialauftrag seiner Kollegen zu erfüllen: Sie schickten ihn als Bauchladenverkäufer mit Schnapsfläschchen auf die Piste, um das nötige Kleingeld für die abendliche Fete zusammenzuschnorren.

STark belagert war im Festgelände stets der Centurion-Panzer, der mit einer Simulations-Schiessanlage ausgerüstet war. Das Anvisieren der auf dem Fullerfeld aufgestellten Zielscheiben faszinierte. Dem ab und zu geäusserten Wunsch eines Hobbykanoniers, doch auch einmal ein Ziel jenseits des Rheins ins Visier nehmen zu dürfen und so die deutsche Kavallerie auf Distanz zu halten, entsprach die uniformierte Bedienungsmannschaft aber im Sinne gutnachbarlicher Beziehungen nicht.

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