Matthias Kessler

Hitzig ging es zu und her, an jenem Montagnachmittag, 8. Juni, im Büro 354 im Dietiker Stadthaus. Diskutiert wurde über eine Persönlichkeitsklage, es ging um Beschimpfung. «Ein schwieriges Geschäft für den Anfang», erinnert sich alt Gemeinderätin Christa Maag (EVP) an ihre erste Verhandlung als Dietikons neue Friedensrichterin. Die Emotionen brodelten, Maag versuchte, den entflammten Streit zu schlichten, den Brand zu löschen.

Und dann, als man nach der Verhandlung aus dem Büro trat - Nordseite des Stadthauses, auf zwei Seiten Glasfronten, mit bestem Blick auf die umliegenden Gebäude: ein Grossbrand. Die Scheune an der Bühlstrasse 8 mit angebautem, seit längerem leerstehenden Wohnhaus war ein Raub der Flammen geworden. Der Feuerwehr gelang es, den Brand bald unter Kontrolle zu bringen (siehe LiZ vom 9. Juni).

Für Christa Maag ein spezieller Auftakt ins neue Amt. Fünf Tage zuvor hatte sie, im Februar vom Parlament gewählt, die Aufgabe als Nachfolgerin von Parteikollege Alex Grieder, der 13 Jahre Friedensrichter war, offiziell übernommen. Die ersten Tage sei sie von Grieder in die Arbeit eingeführt worden, seither und bis Ende Jahr stehe er ihr noch während zirka zwei Stunden pro Woche mit Rat und Tat zur Seite, erklärt sie. «Von seiner Erfahrung kann ich enorm profitieren.»

Lernen während der Arbeit

Das Besondere am Amt als erste Anlaufstelle bei Zivilklagen sei, dass man keine eigentliche Ausbildung dazu absolvieren könne, so Maag. Neben der Hilfestellung durch ihren Vorgänger habe sie einen Einführungskurs besucht. Vieles lerne sie jedoch erst während der Arbeit: «Es ist eine spannende Aufgabe, und eine herausfordernde - so, wie ich es mir vorgestellt habe.»

Viel Zeit brauche, hält Maag, mit einem 50-Prozent-Pensum angestellt, fest, der administrative Teil, das Schreiben von Vorladungen, Verfügungen, Weisungen am Computer. Zeitintensiv seien aber ebenso die Beratungen am Telefon. Als Friedensrichterin habe sie eine Art Tirage-Funktion; oftmals gelangten Personen an sie, die sie an andere Beratungsstellen verweisen müsse.

Hilfreiche Erfahrung

Für die Ausübung des Amtes sei eine gute Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und eine Portion gesunder Menschenverstand sehr hilfreich, sagt Maag. Dies komme ihrem Naturell entgegen. Und auch die Erfahrung aus ihrer vorherigen Tätigkeit als Sozialberaterin könne sie dabei gezielt einfliessen lassen. Um gleichzeitig auch juristisch auf der Höhe zu sein, sei für sie als Laie in der Rechtssprechung viel Arbeit vonnöten. «Es braucht Zeit, bis man weiss, wo man in den Gesetzbüchern jeweils suchen muss», meint sie.

Derzeit ist das Friedensrichteramt laut Maag auf Kurs, die Anzahl Fälle von 2008, insgesamt 210, knapp zu übertreffen. Pro Woche kämen zwischen drei und sechs neue Fälle hinzu, vier bis fünf Verhandlungen fänden statt; vielfach gehe es um Geldforderungen oder Arbeitsklagen nach Kündigungen - eine Häufung, in wirtschaftlichen Krisenzeiten gut nachvollziehbar.

Andere Themen, mit dem sie sich zu befassen habe, seien Scheidungs-, Vaterschafts- und Unterhaltsklagen. Und an ihrer bislang längsten Verhandlung, gegen drei Stunden, seien gleich mehrere Parteien am Tisch gesessen, um über einen Nachbarschaftskonflikt zu diskutieren.

Höhere Finanzkompetenz

Maags Amtszeit dauert sechs Jahre. Eine Veränderung kommt mit der Änderung der Zivilprozessordnung im Jahr 2011 auf sie zu. Voraussichtlich wird dabei die Finanzkompetenz der Friedensrichter erhöht. Statt wie bisher über Fälle mit Beträgen bis zu 500 Franken werden sie über Fälle mit einem Streitwert von bis zu 2000 Franken abschliessend befinden können. Will heissen: Mehr Verantwortung - und eine zusätzliche Herausforderung.