Hotel St. Gotthard
Zwei Junge mit viel Geschichte

Seit 120 Jahren betreibt dieFamilie Manz das Hotel St. Gotthard an der Bahnhofstrasse. Die vierte Generation, die jetzt am Steuer ist, war eigentlich als Konzertpianisten vorgesehen.

Merken
Drucken
Teilen
Familie Manz
3 Bilder
Familie Manz 2008: Zwei italienische Hotelangestellte nehmen Fussballtrainer Marcello Lippi in ihre Mitte.
Familie Manz 1997: Ljuba Manz mit «Mischa», Arnold Schwarzenegger und «Sascha» Manz.

Familie Manz

Schweiz am Sonntag

von Philippe Klein

Alexander und Michael Manz verbringen den Jahreswechsel 2005/2006 auf den Skipisten von St. Moritz, als sie spontan beschliessen, die elterliche Firma zu übernehmen. Wohlgemerkt: Dabei handelt es sich nicht um eine Bäckerei oder eine Imbiss-Bude. Die zweieiigen Zwillinge wollen an die Spitze der Manz Privacy Hotels Switzerland, einer der grössten Hotelketten hierzulande, zu der auch das «St. Gotthard» an der Zürcher Bahnhofstrasse gehört.

Der Schritt kommt nicht unerwartet. Alexander und Michael werden am 22. Juni 1980 in die Hoteldynastie Manz geboren - Alexander zehn Minuten vor Michael. Ihr Urgrossvater, Caspar Manz, hat das «St. Gotthard» 1889 gegründet. Bis in die Sechziger- und Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts wächst das Imperium der Familie Manz auf weltweit fast 50 Gastrobetriebe an.

«St. Gotthard» - Prominente Gäste

Das Hotel St. Gotthard war besonders unter der Leitung von Jetset-Lady Ljuba Manz Treffpunkt für die Schönen, Reichen und Wichtigen aus aller Welt. Zu den Gästen gehörten unter anderem Arnold Schwarzenegger und Cindy Crawford anlässlich der Einweihung des damaligen Restaurants Planet Hollywood, Vertreter der Uhren- und Schmuckdynastie Scheufele, der verstorbene Opernstar Luciano Pavarotti, der auf der Speisekarte nur diejenigen Gerichte angezeigt haben soll, die er nicht essen wollte, oder die Fussballer-Frauen der italienischen Nationalmannschaft während der Euro 08. Bizarr: Der spätere Diktator Benito Mussolini soll gar beim Bau des Hotels als Maurer mitgeholfen haben. (pik)

Mutter Ljuba, gebürtige Russin, will aus ihren beiden Zwillingen zunächst zwei Musiker machen. Aufgewachsen in Mailand und am Zürichberg, spielen Alexander und Michael im zarten Alter von fünf Jahren Klavier und Geige und singen bei den Zürcher Sängerknaben.

Musiker und Künstler, die immer schon im «St. Gotthard» abgestiegen sind, loben und fördern «Sascha» und «Mischa», wie die Zwillinge bald nach russischem Vorbild gerufen werden. Mit 14 Jahren konzertieren die beiden in der Zürcher Tonhalle.

Ljuba Manz, Jetsetterin, ausgebildete Balletttänzerin und besorgte Mutter, verlangt viel von ihren Söhnen. Die Zwillinge erhalten Privatstunden in Italienisch, Russisch, Spanisch, Französisch, Englisch und Latein. Sie machen Matura und lassen sich - immer gemeinsam - in Winterthur zu Konzertpianisten ausbilden.

2004 kommt dann der Bruch mit dem Beruf des Musikers. «Sascha» und «Mischa» suchen sich ihren Weg zurück in die Hotellerie. Die beiden ziehen für zwei Jahre nach Mailand, wo sie die Wirtschaftsausbildung MBA absolvieren. Dort holen sie sich das Rüstzeug für die Übernahme des Hotel-Imperiums.

Vieles im Familienbetrieb ist den Zwillingen aus ihrer Jugend bekannt, bereits während ihrer Zeit als Musiker nehmen Alexander und Michael an ersten Verwaltungsratssitzungen teil und arbeiten mal hier und mal da. Zu tun gibt es genug. Die Familie Manz besitzt fünf Hotels in der Schweiz und hält Beteiligungen an Hotels in Südamerika.

Dann, im Februar 2006, die alles entscheidende Verwaltungsratssitzung. Was sich über all die Jahre abgezeichnet hat, soll dingfest gemacht werden. Die Zwillinge legen ein Papier vor. Sie präsentieren ihre Vision der Manz Privacy Hotels, planen Investitionen von 35 Millionen für die ersten drei Geschäftsjahre.

Es sind keine Unbekannten, denen Alexander und Michael im Verwaltungsrat gegenübersitzen: Mutter Ljuba, der Vater Caspar E. Manz als Ehrenpräsident und zwei Verwaltungsräte, Freunde der Familie. «Die Investitionen sind zu gross», sagt die Mutter, und der Vater ergänzt: «Wenn ihr als Unternehmer Fehler macht, stehen Hunderte Leute auf der Strasse.»

Dann geht alles schnell. Innert dreier Monate übernehmen sie die operative Führung von der Mutter, die den Söhnen seither vom Verwaltungsratspräsidium aus auf die Finger schaut.

Für eine Bilanz nach drei Jahren ist es im Vergleich zur Familiengeschichte der Manz noch zu früh. Ziele sind aber da, die beiden wollen sich als Jungunternehmer einen Namen machen. «Die Welt dreht sich immer schneller, wir dürfen nicht in einen Dornröschenschlaf fallen», sinniert Michael Manz. Die Hummer-Bar auf der Rückseite des «Gotthards» soll wieder zu jenem guten Ruf finden, den sie einst hatte.

Und die Familie im Hintergrund - können die beiden Jungen überhaupt selber entscheiden? «Ja», sagt Alexander, «Geschäftsleitung und Verwaltungsrat tagen wie ein Bundesrat: Der Führungsstil ist kollegial. Die Generationen reiben sich zuweilen, aber das ist gut so. Es ist wie beim Autofahren: Der Beifahrer hilft mit, den richtigen Weg zu finden, aber schliesslich ist es der Fahrer, der die Richtung bestimmt. So geht das bei uns, und wir, die Jungen, sitzen am Steuer.»

Am Donnerstag, 18. Juni, verschenkt die Crew des Hotels St. Gotthard zwischen 18 und 19 Uhr an der Bahnhofstrasse in Zürich Cüpli an Passanten.