Es läutet zum Sonntagsgottesdienst in der reformierten Kirche von Oberengstringen. Am Klavier sitzt Hani Song – ihre Schwester Bomi spielt Violine. Die beiden Song-Mädchen spielen sich für den Gottesdienst zum zweiten Advent ein. Das Thema: «Wunderkinder». Mit dabei ist auch ein Kamerateam des Schweizer Fernsehens. «Ich begleite die beiden Schwestern Bomi und Hani während der kommenden Monate», sagt Nathalie Rufer, welche vor vier Jahren die erste Reportage über die «Die Wunderkinder der Familie Song – eine Geschichte über Lernen, Wissen und Können» realisierte.

Sie möchte Bomi und Hani nicht nur beim Musizieren, sondern auch privat porträtieren. Denn: «Ihre Musik beherrscht seit Jahren die ganze Familie Song», ergänzt die SF-Filmemacherin. Wann dieses zweite Porträt ausgestrahlt wird, sei noch offen. «Dies ist ja hier in der Kirche der erste Drehtag», betont Rufer, «die kommende Woche nehmen wir in einem Schloss in der Nähe von Stuttgart ein Konzert der beiden koreanischen Mädchen auf.»

Mit 16 Jahren Matura bestanden

«Hochbegabt» lautet das Prädikat für Bomi (17) und Hani (13) Song. Ein höchst dehnbarer Begriff – die zwei Schwestern aus Zürich sprengen nämlich sämtliche Grenzen. Beide konnten mit eineinhalb Jahren lesen – in Deutsch und Koreanisch, ihrer Muttersprache. Auch sonst entwickelten sich die beiden Mädchen in rasantem Tempo. Bomi schaffte schon als Neunjährige die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium. Inzwischen hat sie die Matura bestanden. Die Jüngere besucht zurzeit die erste Klasse des Kunst- und Sportgymnasiums in Zürich. Die Begabung der Teenager beschränkt sich allerdings nicht nur auf intellektuelle Leistungen. Bald entdeckte man auch ihre musikalischen Talente. Heute spielen sie mit grosser Leidenschaft Geige und gewannen bereits zahlreiche Wettbewerbe.

Der Gottesdienst mit Pfarrer Jens Naske beginnt mit dem Stück «Allemande» von Johann Sebastian Bach, das Bomi Song einfühlsam interpretiert. Nach einem Psalm und dem Gebet spielt die 17-Jährige eine Sarabande, ebenfalls von Bach. In seiner Predigt stimmt Pfarrer Jens Naske vorerst in die Advents- und die kommende Weihnachtszeit ein.

«Jedes Kind ist ein Wunder»

Dann geht der Prediger aufs Thema «Wunderkinder» ein. «Jedes Kind ist ein Wunder, einmalig, auf besondere Weise begabt – ein Geschenk Gottes an diese Welt», hebt Pfarrer Naske hervor. Allerdings: «Nicht jeder hat die gleichen Begabungen. Und mitunter beneiden wir einander auch unsere Begabungen. Ich wünsche mir mein Leben lang, ich hätte eine Begabung, wie sie Bomi und Hani haben: dass ich mit Musik die Menschen berühren und bewegen könnte.»

Ein ganz normales Leben führen

Nach dem eindrücklichen Gottesdienst begeben sich Bomi und Hani Song mit ihren Eltern, dem SF-Kamerateam und den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern in den Kirchgemeindesaal zum Kaffee. Da erinnert sich die ältere Song-Tochter an den Film: «Wir haben nie grosse Freude am Wort ‹Wunderkind› gehabt – und wir bezeichnen uns auch nicht so.» Das sei irgendein Begriff, der da einem «angeklebt» werde. Doch ab und zu habe die Bezeichnung aber auch Spass bereitet.

Neben der Musik gehe sie auch gerne schwimmen, fahre Velo oder laufe jetzt im Winter Schlittschuh. «Wir führen ein ganz normales Leben», betonen Bomi und Hani Song mit Nachdruck, «wir hängen nicht nur beständig an der Geige.» So verbrächten sie ihre Freizeit mit Kolleginnen und Kollegen, träfen sich im Facebook oder würden sich allemal im «Starbucks» aufhalten.