Zürich platzt

Mit dem neu gestalteten Sechseläutenplatz erhält Zürich den grössten Platz der Schweiz. Und es sind noch weitere spezielle neue Plätze geplant.

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Zürich Plätze
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Gustav-Gull-Platz Europaallee: Die Hauptachse durchs neue Stadtquartier beim Hauptbahnhof mündet in den Gustav-Gull-Platz. (Visualisierungen zvg)
Le-Corbusier Platz Europaallee: Die Hauptachse durchs neue Stadtquartier beim Hauptbahnhof mündet auch in den Le-Corbusier-Platz (unten). (Visualisierungen zvg)
Kunsthaus/Heimplatz Kunsthaus/Heimplatz: Die Stadt trennt die Projekte Kunsthaus-Erweiterungsbau und Platzgestaltung, die der Architekt David Chipperfield in seinem Entwurf (Bild) gewagt vereinte. (Visualisierung zvg)
Escher-Wyss-Platz

Zürich Plätze

Limmattaler Zeitung

Matthias Scharrer

Bevor es sie wirklich gibt, sehen Bauprojekte meistens am besten aus: Visualisierungen zeigen blaue Himmel, entspannte Passanten, Bäume in leuchtenden Farben, spielende Kinder. Der Alltag ist oft grauer. Dennoch ist es speziell, was in Zürich in den nächsten Jahren entstehen soll. So platzt die Stadt:

Sechseläutenplatz: Die Parkplätze vor dem Opernhaus verschwinden in den Untergrund. Dadurch wächst der Sechseläutenplatz von 7300 auf 16 000 Quadratmeter an - zum grössten Platz der Schweiz. Die Bauarbeiten fürs Opernhaus-Parking haben begonnen, doch die Neugestaltung des Platzes ist politisch noch nicht besiegelt: Bis Ende 2009 soll ein Stadtratsentscheid über das 14-Millionen-Projekt fallen, Mitte 2010 ein Gemeinderatsentscheid. Das Gestaltungskonzept steht: Quarzit-Platten statt Erde, Kiesinseln um Bäume, Sitzbänke, ein Café, ein Brunnen - und eine kreisrunde Stahlplatte in der Mitte des Platzes, als Feuerstelle für den Böög. Am Sechseläuten 2012 soll er erstmals darauf verbrennen.

Europaallee: Beim Hauptbahnhof bauen die SBB hinter der Sihlpost ein neues Quartier, das einst unter dem Namen «Stadtraum HB» lief. Zentrale Achse und nun Namensgeber ist die begrünte Europaallee. Ihr eines Ende weitet sich zum Gustav-Gull-Platz (5000 Quadratmeter, Eröffnung bis 2020), das andere in Richtung Hauptbahnhof/Sihl zum Le-Corbusier-Platz (9000 Quadratmeter, Eröffnung voraussichtlich 2017). Die Bauherrschaft rechnet mit «Zonen mit hoher Aufenthalts- und Erholungsqualität» sowie attraktiven Passantenlagen für Geschäfte und Gastronomiebetriebe. Den öffentlichen Raum übergibt sie nach Fertigstellung an die öffentliche Hand - für Pflege und Unterhalt, wie im städtischen Tiefbauamt zu vernehmen ist.

Kunsthaus/Heimplatz: Mit seinem Entwurf für den Kunsthaus-Erweiterungsbau hat der Londoner Architekt David Chipperfield der Stadt Zürich eine gewagte Platzgestaltung gleich mitgeliefert. So lässt seine Skizze die Strasse vor dem Kunsthaus verschwinden und erweitert den Platz bis zum Pavillon in der Platzmitte. Die Stadt hat nun laut Nicole Felber, Sprecherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, die Projekte Kunsthaus-Erweiterung und Platz-Neugestaltung getrennt. Chipperfields Vorschlag zur Platzgestaltung sei «nicht realistisch». Man wolle aber darauf achten, dass der Platz vor dem Kunsthaus für den Langsamverkehr attraktiv bleibe. Ziel sei jedoch nicht eine Einschränkung des übrigen Verkehrs. Bis Ende 2010/Anfang 2011 werde das Amt für Städtebau einen Gestaltungsplan vorlegen. Zur Kunsthaus-Erweiterung ist noch eine Volksabstimmung nötig. 2015 soll das Projekt realisiert sein.

Escher-Wyss-Platz: Am Verkehrsknotenpunkt von Zürich West sind die Bauarbeiten schon im Gang: Verbunden mit dem Bau einer neuen Tramlinie und der Renovation der Hardbrücke wird der Platz neu gestaltet - und die autofreie Fläche dabei verdoppelt. Blickfang soll das «Nagelhaus» werden, ein Neubau mit Kiosk und Restaurant unter der Hardbrücke, für den der Stadtrat dem Gemeinderat einen Kredit von 5,9 Millionen Franken beantragt. Vorbild ist übrigens ein Motiv, das als Pressefoto um die Welt ging: Das Nagelhaus im chinesischen Chongqing, das jahrelang als Überbleibsel in einer riesigen Baugrube stand. Möge ihm dieses Schicksal in Zürich erspart bleiben.