Zur «Glungge» – zu Vreneli und Ueli?

Von Alchenflüh nach Burgdorf ist Hans Peter Schläfli im «Gotthelf-Land» unterwegs und schildert seine Eindrücke.

Drucken
Von Alchenflüh nach Burgdorf
3 Bilder
Schärer-Spycher in Wyningen Aus dem Jahr 1759: Der Schärer-Spycher in Wynigen (Rüedisbach) ist inzwischen exakt 250 Jahre alt.
Dem Himmel nah Dem Himmel nah: Der Wyniger Landwirt Hugo Rohrbach steht auf der Leiter und pflückt Kirschen. (Fotos: hps)

Von Alchenflüh nach Burgdorf

Solothurner Zeitung

Hans Peter Schläfli

Mit Rohrbachs ist gut Kirschen essen

Der steile «Stutz» im Wyniger Tal geht in die Beine. Da sind ein paar Kirschen gerade willkommen. Ertappt: «Die sind etwas süsser», ruft Hugo Rohrbach von der langen Leiter hinunter, «besser für Konfitüre oder zum Kirsch brennen.» Die lange Leiter reicht nicht einmal ganz bis zur Krone des monumentalen Baums. «Vom Roten Lauber gehen jetzt wieder jede Woche etwa 50 Kilo auf den Markt nach Solothurn», erklärt der Wyniger Bauer zur hellen Sorte, die auch an höheren Standorten gut gedeiht. «Ich habe lieber die Hochstämmer. Nicht wegen den Direktzahlungen, sondern weil ich darunter mähen oder die Kühe weiden lassen kann.» Direkt ab Hof schmeckts am besten. Kathrin Rohrbach kennt die meisten ihrer Kunden schon seit Jahren. Von Oberburg und Kirchberg kommen Erika Schulthess und Rosmarie Abu Omar. Die in Hasle-Rüegsau aufgewachsen Schwestern kaufen regelmässig auf dem Tal-Hof ein. «Schon unser Vater nahm uns immer hierher mit», erzählen sie. Dunkle Kirschen zum Kuchen backen, Eier und Most kaufen sie diesmal. «Es sollte möglichst wenig Blätter und Stiele drin haben», erzählt Hugo Rohrbach, während er die Maische stampft. Sonst werde der Kirsch bitter. «Und man darf auch nicht zu stark stampfen. Die Steine dürfen nicht brechen, weil sonst Blausäure austritt.»

Etwa 800 Kilo seiner Kirschen verarbeitet Hugo Rohrbach selber zu Maische und destilliert diese beim Wyniger Lohnbrenner zu Kirsch. Den Rest verkauft er. Der Preis für Brennkirschen sei endlich wieder etwas am steigen.

Qualität braucht Geduld. «Am besten schmeckt der Kirsch, wenn er einige Zeit unter dem Dach gelagert wurde und die Jahreszeiten mitmachen konnte», weiss

Hugo Rohrbach aus langjähriger Erfahrung. Der Selbstgebrannte sei in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen. «Auch zum Einreiben. Kirsch ist gut fürs Herz», sagt Rohrbach. Er muss es wissen. (hps)

Der Weg ist das Ziel. Aber von Alchenflüh nach Burgdorf mit dem Bike? Der Emme entlang? Die 2. Etappe der Rundfahrt um das Gebiet der Berner Rundschau und des Langenthaler Tagblatts wäre zu einfach, zu kurz, zu flach. Alchenflüh, Wynigen, Burgdorf. Das klingt schon besser.

Statt der Winterjacke zwei Bidons Wasser. Nach der kalten Bise der 1. Etappe hat nun der Sommer mit 30 Grad Hitze Einzug gehalten. Gleich nach der Autobahnüberführung geht es links hinunter in den Schachen und dann über den Emmensteg. Der Emme folgend bis zu den Schrebergärten scheint die beste Option, um dem Kirchberger Verkehr zu entgehen. Einmal, zweimal, dreimal die verkehrsreichen Durchgangsstrassen überqueren. Im Westen liegt Ersigen wie ein rettendes Ufer

Weshalb Ersigen ohne Kirche ist

Ein gelb-grünes Meer. Sonnenblumen, soweit das Auge reicht. Ein Blick zurück verrät, woher Kirchberg seinen Namen hat: Auf einem Hügel steht das Gotteshaus. Ersigen dagegen besass nie eine Kirche. Eine Sage erzählt zwar, dass einst die Ersiger auf dem Römerplatz im Murrain eine Kirche bauen wollten. Die bereitgestellten Steine und Balken wurden jedoch nachts von unsichtbarer Hand auf den Kirchhügel von Kirchberg geschleppt. Geblieben sei nur noch die Ruine. Diese war aber in Wahrheit einst ein römisches Landhaus.

Einen Gang runterschalten, die Wyniger Berge kündigen sich sanft an. Durch den Wald Richtung Rumendingen werden die Bauernhöfe «emmentalischer». Richtung Wynigen gibt es wohl die schlechteste Verbindungsstrasse westlich von Eriwan. Also vor dem Wald links auf den Feldweg. Für alle, die bei der leichten Abfahrt über den Sonnenrain von romantischen

Erinnerungen in Schwarz-Weiss - an das Vreneli und Ueli den Chnächt - überwältigt werden, lohnt sich ein Abstecher Richtung Norden.

Rechts geht es den Wald hinauf zur «Glungge». Das imposante Bauernhaus in Brechershäusern aus dem Jahr 1681 wurde durch die Gotthelf-Verfilmungen von Franz Schnyder legendär. Ach Vreneli. Ein Augenaufschlag - und jeder Mann schmolz wie Emmentaler Butter an der Sonne.

Luegstrasse als Bergpreis

«Förchte Gott von Herzen Grund. So geht es Wohl all Tag und Stund.» Eingebrannt ist dies auf der eisenbeschlagenen Holztür des Schärer-Spychers in Wynigens Dorfkern. Das Rot der Geranien stellt fast die verblassenden, gemalten Wappen in den Hintergrund. Damals wurde noch nachhaltig gebaut: Der Halblingsständerbau aus dem Jahr 1759 steht zwar etwas schepps in der Landschaft, wird aber noch immer landwirtschaftlich genutzt.

Die Luegstrasse wird zum ersten echten Bergpreis. Steil und steiler. Das Tal hinauf wechseln sich Wald, Weiden und Kirschbäume ab (siehe Kontext). Weg vom Teer: Nach Schwanden geht ein Feldweg rechts durchs Hofholz. Die Postkartenbilder jagen sich. Bei Brügglen stösst man wieder auf die Landstrasse, und es geht beim berühmten «Hirschen» Kaltacker vorbei. Heimiswil, deine Gärten sind so schön, als hätte sie Nebukadnezar für Amyitis gebaut.

Der Aufstieg rechts vor dem Niederdorf durch den Dinkelacker saugt die letzten Reserven aus den Waden. Im Binzberg-Wald geht es westwärts, immer der Nase nach, doch die abschliessende Schussfahrt Richtung Emme ist mit einem herrlichen Blick auf Burgdorf der Lohn. Dann der letzte, gäche Aufstieg. Noch einmal rinnt der Schweiss. Zum Glück gibt es im Schlosshof einen Brunnen mit herrlich kaltem Wasser. Trotzdem müssen die Museen der Burg aus dem 11. Jahrhundert bis zur 3. Etappe warten.

Aktuelle Nachrichten