Aus dem Wohnzimmerfenster öffnet sich ein fantastischer Blick übers Reusstal: Hier in Oberlunkhofen an einem der östlichsten Zipfel des Aargaus, hat Corine Mauch ihre Jugend verbracht: «Man hatte zwar oft gehört, dass sie für das Amt des Stapi Favoritin sei, doch dass sie so deutlich und in allen Wahlkreisen gewinnen würde, hatte ich nicht erwartet», bekennt Mama Mauch. Sie macht aus ihrer Freude keinen Hehl. Warum sollte sie auch?

Weil der Wahlkampf Corine über Wochen hinweg absorbiert hatte, kommen Mutter Ursula und Stefan, der jüngste von Corines beiden jüngeren Brüdern später als üblich in den Genuss von Corines Dampfnudeln. «Weil Stefan ebenfalls im März Geburtstag hat, lädt sie uns zwei jedes Jahr zu dieser feinen Mehlspeise ein, die sie mit einer karamellisierten Creme serviert. Corine kocht sehr gut.»

An der Kanti «schaurig Langizyt»

Alle drei Kinder von Ursula und Samuel Mauch sind schweizerisch-amerikanische Doppelbürger, weil die Eltern von 1959 - 1964 in den Staaten weilten: «Aber nur Corine macht von ihrem Recht Gebrauch, sich an den amerikanischen Wahlen zu beteiligen.»

Nur Corine ist auch in die politischen Fussstapfen der Mutter getreten, die von 1974 bis 1980 für die SP im Grossen Rat war, 1979 als erste Frau aus dem Aargau in den Nationalrat gewählt wurde und von 1987 bis 1995 die SP-Fraktion der Bundesversammlung präsidierte. Logisch also: Die Politik war der ersten Zürcher Stadtpräsidentin in die Wiege gelegt! «Falsch», lacht Ursula Mauch,» das war gar nicht möglich, wurde das Frauenstimmrecht doch erst 1971 eingeführt und da war Corine immerhin schon Zehn.»

Sie sei, erinnert sich ihre Mutter «es gäbigs Chind» gewesen, fröhlich, gerne zu Schule gegangen. «Später allerdings, als sie an der Kanti in Aarau war, da ist es ihr fast verleidet – nicht die Schule an sich, sondern weil sie nicht zu Hause wohnen konnte und «schaurig unter ‹Langizyt› gelitten hat.» Weil Pendeln zwischen Orten wie Oberlunkhofen und Aarau vor über 30 Jahren noch unmöglich war, lebte Corine während der Woche in einem Töchterheim.

«Irgendwann hat sie erklärt, sie werde lieber Bäuerin, bis zur Matur so zu leben.» Sie wurde nicht Bäuerin, hat aber Agronomie studiert «und sie hat einen sehr grünen Daumen. Es heisst, sie habe im Zürcher Kreis 6, wo sie in einem über 100-jährigen Mehrfamilienhaus wohnt, den allerschönsten Balkon weit und breit.»

Rockband und Skitouren

Sie habe stets ein sehr gutes Mutter-Tochter-Verhältnis gehabt, «sie hat mir viel, aber nie alles erzählt. In dem Sinn war ich also nie auch ihre beste Freundin. Aber wir haben natürlich besonders häufig politische Gespräche und Diskussionen. Vor allem,als Corine im Gemeinderat Fraktionspräsidentin wurde, hat sie sich bei mir nach meinen diesbezüglichen Erfahrungen aus Bern erkundigt.»

Ihr Elternhaus in Oberlunkhofen besuche Corine zwar selten aber regelmässig, ausser im letzten halben Jahr, «doch wir telefonieren viel und ausgiebig.» Sie weiss zwar, dass ihre Tochter Gitarre in einer Rockband spielt, «gehört habe ich sie allerdings noch nie. Während der Schulzeit hat sie Querflöte gespielt.» Corine sei fit, jogge regelmässig und «demnächst geht sie mit ihrem Vater und ihren beiden Brüdern auf eine Skitour.»

Für das gewichtige Amt wünscht Ursula Mauch ihrer Tochter Gelassenheit, dass sie nicht alles zu nahe an sich heran lässt. «Es gibt in einem solchen Amt vieles, das man nicht persönlich nehmen darf, sonst geht man kaputt. Ich bin überzeugt, dass Corine den nötigen Abstand halten kann.» (mz/rmm/aen)