Zum 45. Mal baut er den Sechseläuten-Böögg

Heinz Wahrenberger aus Stäfa hat den Rekord. Zum 45. Mal baut er den Böögg für das Zürcher Sechseläuten. Der «Weisse Riese» nimmt langsam Gestalt an.

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Heinz Wahrenberger

Heinz Wahrenberger

Larissa Müller / Giulia Cresta

Alle Jahre wieder verabschieden die Zürcher mit einem Knall den Winter. Die Hauptrolle dieses Spektakels am 19. April spielt traditionsgemäss der Böögg. Dieser stammt seit Jahrzehnten vom rechten Seeufer. In aufwändiger Handarbeit wird er von Heinz Wahrenberger in Stäfa konstruiert. Und der jüngste Schneemann ist sein Rekord-Böögg. In 108 Jahren der Schneemann-Verbrennung auf dem Sechseläutenplatz stammen 45 Exemplare vom früheren Buchbinder. Er übertrumpft damit seinen Vorgänger, der die ehrenvolle Aufgabe 44 Jahre ausübte.

Seit einem Jahr führt Wahrenberger seinen Lehrling Lukas Meier in die Kunst des Böögg-Bauens ein. Er sei auch nicht mehr der Jüngste, und irgendwann werde es Zeit sein, dass ein Nachfolger diesen Job übernehmen müsse. «Es ist eine Ehre für mich», sagt Lukas Meier (38), gelernter Dekorationsgestalter und Mitglied der Zunft Schwamendingen. Der 38-Jährige wurde vom Zentralkomitee der Zürcher Zünfte für die langjährige Aufgabe angefragt. «Es ist zwar eine Last, eine so langwierige Aufgabe zu übernehmen, aber eine schöne.» 50 Stunden Arbeit stecken dahinter, um den 3,40 Meter hohen und 100 Kilogramm schweren Riesenschneemann fertig zu stellen.

20 Minuten Scheiterhaufen

Die Grösse bleibt gleich wie die letzten Jahre, nur die Krawatte ist jedes Mal dem Gastkanton angepasst. Am 19. April trägt der Böögg Rot-Weiss, die Farben von Nidwalden. Der Auftritt des
Bööggs im Rampenlicht ist aber von kurzer Dauer. Nach ein paar Minuten endet das Böögg-Leben auf dem Scheiterhaufen. Je früher der Kopf explodiert, desto schöner der Sommer.

Nur Heinz Wahrenberger hofft auf einen kalten Winter. «Wenn der Böögg 20 Minuten auf dem Scheiterhaufen überlebt, würde mich das freuen», wünscht er seinem Werk ein längeres Leben. Letztes Jahr hielt es der grosse Schneemann 12 Minuten und 55 Sekunden aus, bevor es ihn «vertätscht» hat. 100 Knallkörper sind im Körper eingebaut. Das ist Standard, doch dieses Jahr findet das Fest wegen der Bauarbeiten auf dem Bellevue auf einem kleineren Teil der Sechseläutenwiese statt. Muss man deswegen auf das grosse Feuerspektakel verzichten? «Nein, es hat einfach kleinere Petarden am Fuss des Bööggs», sagt Wahrenberger. «Das aber auf Wunsch der Reiter, weil sie dem Scheiterhaufen näher sind.»

Die zwei Handwerker sind perfekt im Zeitplan. Vor drei Wochen begannen sie ihre Arbeit. Manche Knallkörper sind bereits eingebaut, und die Beine werden mit Watte eingewickelt, so bekommt der Riese sein weisses Gewand. «Es ist Teamwork», sagt Meier. Er wird am Anlass selbst mit seiner Zunft mitlaufen.

Der nächste Böögg aus Zürich

Heinz Wahrenberger bleibt am Sechseläuten auch nicht zu Hause. Zur Feier seines Rekords ist er als Ehrengast von der Zunft Oberstrass eingeladen worden. «Ich freue mich über die Einladung, obwohl ich nicht gerne rede», sagt der Stäfner in Anspielung auf die Sitte, wonach ein geschliffenes Mundwerk erst so richtig einen echten Zünfter ausmacht.

Wenn Wahrenberger aufhört, dann verschwindet auch der Böögg aus Stäfa, denn sein Lehrling, der Schwamendinger Zoifter, richtet sich seinen Arbeitsplatz in der Stadt Zürich ein. Nach dem jetzt erreichten Rekord soll für Wahrenberger noch nicht Schluss sein. Sein nächstes Ziel ist die 50-Jahr-Marke als Böögg-Bauer. Auch Lukas Meier ist diesem Vorhaben nicht abgeneigt. «Ich lerne jedes Mal etwas Neues dazu.» Einen Rekord kann er allerdings nicht lernen. Wollte Meier dereinst seinen Lehrmeister schlagen, müsste er bis in sein 90. Lebensjahr den Böögg bauen.

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