Aargau

Züge und Busse im Aargau häufiger, früher und länger unterwegs

Bahnhof Aarau: Der Regio-Express rollt mit veralteten Wagen, neue Doppelstöcker sind bestellt, werden aber erst im Dezember 2012 geliefert. (Emanuel Freudiger)

Neuer Fahrplan im Aargau

Bahnhof Aarau: Der Regio-Express rollt mit veralteten Wagen, neue Doppelstöcker sind bestellt, werden aber erst im Dezember 2012 geliefert. (Emanuel Freudiger)

Punktuelle Verbesserungen und mehr Takt heisst es beim öffentlichen Verkehr im Kanton Aargau ab Sonntag. Einige Züge und Busse fahren häufiger, am Morgen früher und spätabends noch länger über Mitternacht hinaus.

Hans Lüthi

Der öffentliche Verkehr ist vergleichbar mit einem Ozeandampfer, ein Kurswechsel braucht Zeit. Und die ist zwischen der Auflage des Fahrplans und dem effektiven Wechsel am 13. Dezember viel zu kurz, um alle Wünsche innert Wochen erfüllen zu können. Rund 400 Eingaben zum Aargauer Fahrplan kamen beim Bund und der Abteilung Verkehr beim Kanton zusammen. Die Forderungen von Replas, Gemeinden, Schulen und Privaten «sind ein Gradmesser für die Zufriedenheit unserer Kundschaft und beeinflussen die Strategie für die Zukunft», sagt Sachbearbeiter Jürg Bitterli von der Abteilung Verkehr.

Viel Potenzial an Wochenenden

Diese Ziele sind für den Fahrplan 2010, gültig ab nächstem Sonntag, vorgesehen: Verdichtet wird vor allem an den Wochenenden, «der Freizeit- und Ausflugverkehr nimmt immer mehr zu, hier ist ein grosses Potenzial vorhanden», so Bitterli. Dem Fahrplanmacher ist durchaus klar, dass es im Freizeitverkehr nicht einfach ist, gegen die Autos anzukommen. Konkret gibt es diese Verbesserungen: An Samstagen der Halbstundentakt nachmittags auf der Bahnlinie Zofingen-Lenzburg und den ganzen Samstag bei der Seetalbahn. Bei der Wynen- und Suhrentalbahn (WSB) und der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDWM) wird der 15-Minuten-Takt am Samstag weiter ausgedehnt. Zusätzliche Züge rollen an Samstagen künftig auch ab Baden, durch das Furttal Richtung Zürich.

Immer später in der Nacht

Das Ausgehverhalten der jungen Menschen hat immer stärkere Konsequenzen für Bahnen und Busse. Allein 177 Fahrplan-Eingaben enthielten den Wunsch für spätere Kurse, zwei Drittel im Bahnverkehr, ein Drittel bei Bussen. Von den Städten Zürich, Basel und Luzern aus wächst das Nachtnetz immer weiter in den Aargau hinein. Nachtschwärmer und Spätheimkehrer wollen am Freitag und Samstag auch weit nach Mitternacht im öffentlichen Verkehr bequem und sicher nach Hause fahren.

Dadurch entfallen die Sorgen wegen fehlenden Parkplätzen oder gefährlichen Fahrten bei Nebel und Glatteis. Auch ein Glas Wein oder Bier liegt drin. Der Regio-Express Olten-Aarau-Brugg-Baden (Wettingen) verkehrt am Morgen früher (ab 6 Uhr) und am Abend später. Für die gut frequentierte S-27 ins untere Aaretal gibt es zwischen Koblenz und Baden am frühen Morgen zusätzliche Züge, eine bessere Vertaktung und damit auch schlankere Anschlüsse in Richtung Zürich.

Besseres Rollmaterial braucht Zeit

Übrigens: Gegen überfüllte Züge und veraltetes Rollmaterial ist erst mittel- und langfristig ein Kraut gewachsen. Die nötigen Millionen- bis Milliarden-Investitionen kosten Geld und Zeit. Steinalt sind die Kompositionen des Regio-Express - sie werden es noch lange bleiben. «Neue Doppelstockzüge sind bestellt, aber sie kommen erst ab Fahrplan 2013 (Dezember 2012) zum Einsatz», erklärt Bitterli. In den Pendlerspitzen sei ein Stehplatz für die fünf Minuten von Wildegg nach Aarau oder von Aarau nach Olten zumutbar. Besser als beim Regio-Express sieht es beim Komfort bei der BDWM und der WSB aus, die ab Sonntag eine 1. Klasse anbietet.

Bus-Offensive in den Zentren

In den Dörfern und Städten bilden die Busse das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Das Mittel gegen Staus und Kollapstendenzen wird weiter ausgebaut, in Baden mit besseren Takten im Hauptverkehr und an den Wochenenden. Ab und zum Badener Bahnhof rollen die Postautos nun alle 15 Minuten Richtung Ehrendingen und auch zum Rohrdorferberg. Dem Viertelstunden-Takt der Postautos folgen 2011 die Regionalen Verkehrsbetriebe - «falls die Finanzen vorhanden sind», schränkt Bitterli ein. Bei der Überschneidung von Linien sind die Wartezeiten noch kürzer.

Mehr Takt, mehr Nachtbusse und dichtere Fahrpläne gibt es bei fast allen nachfragestarken Linien, auch in Brugg, in Lenzburg, im Freiamt, im Seetal, Fricktal und anderswo.

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