Katharina Schwab

Bereits auf der Nydeggbrücke werden die Fest-Besucher lautstark von den Bärenwärtern empfangen und begrüsst. Die Studenten der Schauspielakademie Bern legen sich ins Zeug und getrauen sich sogar, mit den Polizisten ein Spässchen zu machen. Auf der Brücke ist der neue Bärenpark gut zu sehen; am Aarehang breitet er sich aus, das Wasserbecken unten leuchtet hellblau, aber keiner der beiden Bären schwimmt darin.

So oder so sind die Bären nur kurz am Morgen zu sehen, dann verschwinden sie für den ganzen Tag in ihren Höhlen. Kein Wunder, wenn halb Bern auf den Beinen ist, um sie und ihr neues Zuhause zu betrachten. Da tun Björk und Finn gut daran, einen ruhigen Ort aufzusuchen.

Einmal ein Bär sein

Auch ohne Bären gibt es am Fest viel Sehenswertes. Wer hat sich nicht schon gefragt, wie sich die Bären im alten Bärengraben fühlten? Eine Begehung des kleinen Grabens gibt einen guten Eindruck davon, wie die «Bären-Perspektive» früher war; unten die triste Ausstattung und oben Zuschauer, die einem begaffen - nur die Karotten fehlen am Sonntag. Vom Bärengraben geht es weiter zum Bärenpark: Mit seiner Weitläufigkeit, seinem grünen Rasen und dem Wasserbecken ist der neue Park ein grosser Kontrast zum alten Graben. Wer ihn sich von Nahem ansehen will, braucht jedoch einige Minuten Geduld beim Anstehen. «Der neue Bärenpark ist sicher eine Verbesserung zum alten Graben, obwohl ich ihn noch nicht richtig besichtigt habe», sagt Humbert Spring.

Bären im Graben lassen

Aline Beyeler findet den Bärenpark schön, «aber er kostet viel zu viel! Es wäre besser gewesen, die Bären im Graben zu lassen», sagt die Bernerin. Nicht ganz ihrer Meinung ist Andrea Quadri. Ihm gefällt das neue Zuhause der Bären, «vor allem, dass sie im Aarewasser baden können», sagt er. Mit dem Fakt, dass der Park anfänglich 9.7 Millionen kosten sollte und nun mit 23,6 Millionen Franken gerechnet wird, bekundet er Mühe: «Das Preis-Leistungsverhältnis ist lächerlich, nun kostet er mehr als das Doppelte.» Und zu den vielen Festbesuchern sagt Andrea Quadri: «Die wollen alle sehen, warum wir so viel Schulden machen», und schmunzelt.

Kinder und Kinderwagen sind fast in der Mehrzahl, könnte man meinen. Schliesslich ist das Bärenpark-Fest auch für die Kleinen gedacht; der Märlitante Barbara Burren hören sie am Läuferplatz gespannt zu und das Fotoshooting mit dem menschengrossen Bären ist ein Magnet. Obwohl es für manche Kinder doch einige Überwindung kostet, sich dem Bären auf mehr als drei Meter zu nähern.

Auf dem Bärenmarkt beim Klösterlistutz wird alles feilgeboten, was mit Bären zu tun hat. Vom kleinen vergoldeten Bären bis zum Teddy aus alten Militärdecken. Ob eingraviert in Glas oder bestickt auf Kissen, die Bären sind überall; nur nicht Björk und Finn. Das findet vor allem der fünfjährige Jonathan schade: «Ich habe mich so fest auf die Bären gefreut.» Aber als er von einem der zahlreichen Stände einen Ballon geschenkt bekommt, verbessert sich seine Laune schnell.

Karotten für die Kummerbuben

Kurz vor halb zwei Uhr versammelt sich eine Menschenmasse vor dem grösseren der beiden Bärengraben. Denn einer der Höhepunkte ist der Auftritt der Kummerbuben im Graben. Nach dem ersten Stück meint der Sänger Simon Jäggi, man dürfe sie für einmal ruhig mit ein paar «Rüebli» beschmeissen, wie früher die Bären. Ein Zuhörer nimmt ihn beim Wort, und prompt kommen zwei Karotten geflogen. Die Kummerbuben nehmens mit Humor und spielen ihren eigenen Sound im Graben.

Am späteren Nachmittag reden die Veranstalters des Festes von rund 40 000 Besucherinnen und Besuchern. Der für den Betrieb des Bärenparks zuständige Gemeinderat Reto Nause (CVP) bilanziert: «Wir freuen uns, dass die Bernerinnen und Berner das neue Wahrzeichen der Stadt so begeistert aufgenommen haben.»