Wetter
Zu grau, zu nass – aber der Sommer 2014 war gar nicht so kalt

Dem diesjährigen Sommer werden nur wenige Leute nachtrauern: Zu nass war er, und auch die Sonne zeigte sich fast überall zu selten. Die Temperaturen waren im Norden ein Grad tiefer als letzten Sommer. Langfristig gesehen, war es aber nicht kälter.

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Regnerisches Sommerwetter am 13. August 2014 in Bern (Archiv)

Regnerisches Sommerwetter am 13. August 2014 in Bern (Archiv)

Keystone

Verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt 1961 bis 1990 waren die Temperaturen aber gar nicht zu tief - sondern sogar rund ein Grad zu hoch, wie SF Meteo am Mittwoch mitteilte - kurz vor dem Ende des meteorologischen Sommers am Sonntag. Von 1981 bis 2010 war es allerdings in der Regel etwa ein halbes Grad wärmer als im diesjährigen Sommer.

Weniger Tote

In Schweizer Gewässern sind diesen Sommer bislang deutlich weniger Menschen ertrunken als im Vorjahr. 19 Menschen starben in Flüssen und Seen. 2013 waren es bis Ende August 37 Menschen gewesen. Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) führt dies auf das schlechte Wetter im Sommer zurück. Bei den Todesopfern handelt es sich um 14 Männer, zwei Frauen und drei Kinder. Das nasskalte Wetter wirkte sich auch auf die Zahl der Rettungseinsätze in den Bergen aus: Die Gebirgsbasen der Rega flogen diesen Sommer etwa 200 Helikopter-Einsätze weniger als 2013. Insgesamt wurden zwischen Juni und Mitte August 1009 Patienten gerettet. Dabei steht nur jeder zehnte Flug im engeren Zusammenhang mit einem Bergunfall. Obwohl noch keine definitiven Zahlen vorliegen, geht auch der Schweizer Alpen-Club (SAC) davon aus, dass diesen Sommer weniger Berggänger verunfallen werden. Allerdings dauert die Hauptsaison noch bis Ende September. Im vergangenen Jahr waren 2558 Bergsportler aus einer Notlage geborgen worden, 151 davon verunfallten in den Schweizer Alpen tödlich.

Hitzetage mit über 30 Grad gab es an den meisten Orten nicht weniger als sonst - dies aber vor allem wegen der heissen Pfingstwoche Anfang Juni. So hoch wie am Pfingstmontag mit 36,2 Grad in Sitten VS stieg das Thermometer seither nicht mehr.

Überschwemmungen im Emmental

Der Sommer 2014 bietet noch mehr Grund zum Klagen: Er war zu nass; im Mittelland fiel 10 bis 30 Prozent mehr Regen als sonst. Und auch die Flucht in den Süden war heuer oft zwecklos: Im Tessin gab es vielerorts 50 bis 80 Prozent mehr Niederschlag als üblich.

Wegen des vielen Regens kam es Ende Juli zu Überschwemmungen und Hangrutschen. Besonders das Emmental und das Entlebuch waren von den Unwettern stark betroffen; die Emme führte laut MeteoSchweiz so viel Wasser wie noch nie in den letzten 300 Jahren. Allein im Kanton Bern gab es Versicherungsschäden von rund 14 Millionen Franken.

Trotz allem liegt der letzte graue und kühle Sommer nicht lange zurück: 2007 gab es ähnliche Temperaturen, und die Sonne schien in Basel und Zürich noch weniger als dieses Jahr, wie SF Meteo schreibt.