Zu fit, um ein Ruheständler zu sein

Packt die Chance: Paul Röthlisberger. (zvg)

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Packt die Chance: Paul Röthlisberger. (zvg)

Seit 32 Jahren ist Paul Röthlisberger Gemeindeschreiber in Bätterkinden. Ende Jahr lässt er sich zwar frühpensionieren – doch dann will der SVP-ler politisch durchstarten.

Marisa Cordeiro

Für viele bedeutet die Pension mehr Zeit für private Interessen und Familie. Sie kommt einem neuen Lebensabschnitt gleich, in dem die Gemütlichkeit gerne willkommen geheissen wird. Nicht so bei Paul Röthlisberger: Der Gemeindeschreiber von Bätterkindent tritt zwar Ende 2009 - nach 32 Jahren - frühzeitig in Pension, doch dann will er politisch erst richtig durchstarten: «Ich fühle mich einfach noch zu jung und zu fit, um nichts mehr zu leisten», sagt der heute 60-Jährige. Schon immer sei für ihn klar gewesen: «Wenn ich einmal als Gemeindeschreiber aufhöre, will ich weiterhin in der Öffentlichkeit tätig sein.»

An einer ausserordentlichen Parteiversammlung hat ihn die SVP Bätterkinden-Kräiligen - dieser gehört Röthlisberger seit 32 Jahren an - schliesslich als Kandidaten für die Grossratswahlen 2010 nominiert. Das sei zwar nie erklärtes Ziel gewesen, gesteht Röthlisberger, doch manchmal spielten Zufälle eben eine grosse Rolle.

Kennt Behörden und Volk

Er sei von der Partei angefragt worden, ob er nicht als Grossrat kandidieren wolle, erzählt Röthlisberger. Und weil es zeitlich gerade passe, denn die Grossratswahlen finden ungefähr vier Monate nach seiner Pensionierung statt, fand er: «Das wäre eine Chance, sich auch künftig für die Allgemeinheit nützlich zu machen.»

Als Gemeindeschreiber - zuerst in Kirchberg, dann in Bätterkinden - stand Paul Röthlisberger mit der Politik und den kantonalen Behörden in regem Kontakt. Seine Meinung kund zu tun, oblag ihm jedoch nicht - auch wenn es Röthlisberger oft «kribelet het», wie er sagt. Aufgrund seiner Erfahrungen kenne er die Mühlen der Justiz und findet: «Bei der Gesetzgebung kommen die Gemeinden immer etwas zu kurz.» Gleichzeitig wisse er als Gemeindeschreiber auch, «wo dem Volk der Schuh drückt.» Er sei von Haus aus ein SVP-ler, sagt Röthlisberger weiter. Doch fühle er sich nicht uneingeschränkt an deren Leitplanken gebunden. «Meine Scheuklappen habe ich abgelegt.»

Zwischen «überheblich wirken» und «guter Hoffnung sein» sei bekanntlich eine Gratwanderung, sagt der Grossrats-Aspirant weiter und präzisiert: «Wenn ich etwas anpacke, dann ernsthaft.» So werde er all seine Kräfte dazu einsetzen, um gewählt zu werden. Ob ihm dies aber gelingt, darüber bestimmten andere.

Im Gebiet Untere Emme und in Kirchberg sei er jedenfalls von berufswegen bestens bekannt. In Alchenstorf sei er aufgewachsen und habe in Koppigen die Lehre gemacht. Bei SVP-Nationalrat Andreas Aebi habe er gar als «Hüttenbub» ein Praktikum absolviert. Auch im Radsport, insbesondere als Präsident des Swiss Cycling-Verbands Kanton Bern sei er ein bekanntes Gesicht. Darüber hinaus wohne seine gesamte Verwandtschaft im Emmental. Aufgrund all diser Ressourcen hält Röthlisberger seine Wahlchancen für intakt.

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