Samuel Misteli

Stumm lagen sie da auf drei Dutzend Tischen, die zahllosen Schönheiten, die am Wochenende im Solothurner Landhaus feilgeboten wurden. Gestikulierende Händlerhände suchten gebeugte Kundenköpfe von den Vorzügen ihrer Ware zu überzeugen. Dabei hatte es die gar nicht nötig, mit Worten gepriesen zu werden. Steine in allen erdenklichen Farben und allen erdenklichen Formen präsentierten sich den prüfenden Blicken.

Steine mit klangvollen Namen und aus exotischen Orten: Achaten aus Botswana, Geoden aus Chihuahua, Feueropale aus Äthiopien. Regenbogenobsidiane, Rhodochrositen, Thyoliten, Turmaline. Steine, die aussahen wie Pralinés, Steine, die aussahen wie Zitronenhälften, wie Blüten, wie Weichkäse, wie Wahrsagekugeln. Steine, die aussahen wie Haifischzähne und es auch tatsächlich waren. Versteinerte Haifischzähne, versteht sich, Fossilien. Sie lagen neben versteinerten Farnen, versteinerten Ammoniten und selbst versteinerten Dinosaurierskeletten.

Eine traditionelle Börse

Zum 41. Mal bereits führten die Solothurner Mineralienfreunde am vergangenen Wochenende ihre Verkaufsbörse durch. Eine traditionelle Börse sei die solothurnische, sagt Charles Handschin, in Personalunion Börsenchef in Solothurn und Zentralpräsident der Schweizerischen Vereinigung der Strahler, Mineralien- und Fossiliensammler. Mit 36 Ausstellern aus der ganzen Schweiz kleiner als beispielsweise die Pendants in Basel und Zürich, empfängt die Solothurner Börse trotzdem alljährlich die stattliche Zahl von rund 1000 Besuchern. Diese kaufen in- und ausländische Mineralien in rohem und geschliffenem Zustand, auch zu Schmuck verarbeitet, Edelsteine und Fossilien. Ein Teil der Händler ist kommerziell orientiert und hat seine Ware an Grossbörsen und im Internet erworben, das Gros allerdings betreibt den Mineralienverkauf als Hobby. «Von Mineralienbörsen allein», sagt Charles Handschin, «kann man nicht leben». Das sagt auch Bernhard Reimann, der aus Odogno nach Solothurn gekommen ist, um seine Funde zu verkaufen. Der Tessiner Rentner seilt sich gemeinsam mit seinem Sohn in Felsklüfte ab und sucht in diesen nach Mineralien. Die dabei zu Tage geförderten Schätze zu verkaufen schmerze nicht, sagt Reimann. Auch so würden sich die Steine zu Hause stapeln. Zudem sind die Einkünfte aus dem Verkauf an den Börsen durchaus willkommen, schliesslich ist Reimanns Hobby nicht ganz billig: Patente, Material und Reisen müssen finanziert sein.

Herzensangelegenheit Stein

Wie für Bernhard Reimann ist die Jagd nach verborgenen steinernen Schätzen auch für viele andere Verkäufer an der Solothurner Mineralienbörse Herzensangelegenheit: An jedem zweiten Stand sind die Aussteller auf Fotos in Aktion zu bestaunen - in Felsspalten gezwängt oder mit einem besonders prächtigen Fundstück vor der stolzgeschwellten Brust.

Zusammengeleimte Kristalle

Es gibt indes auch die schwarzen Schafe: «Wilderer», welche von anderen Strahlern entdeckte Klüfte ausräumen, Fälscher, welche die Käufer mit allen möglichen Kniffen zu täuschen versuchen. Anhand des Inhalts einer Vitrine an der Solothurner Börse konnte der Laie sein Auge schulen, um künftig gefärbtes Glas, eingravierte Fossilien oder zusammengeleimte Kristalle als Fälschungen zu enttarnen.