Zögert der Bund bereits mit einem schnellen Gubristausbau?

Die Projekte zur Bewältigung des Verkehrs würden viel zu spät umgesetzt, mahnen die Limmattaler Kantonsräte. Beim Gubristausbau sei eine Verzögerung absehbar und die Limmattalbahn müsse schneller realisiert werden.

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Limmattaler Zeitung

Jürg Krebs

Es war kein rosiges Bild, das die Limmattaler Vertreterinnen und Vertreter gestern im Zürcher Kantonsrat von der Verkehrssituation in ihren Gemeinden zeichneten. Skeptisch blieben sie auch, was rasche Abhilfe anbelangte. Gut möglich, dass sie den Bogen etwas überspannten. Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer sah sich jedenfalls zur Bemerkung genötigt: «Es steht nicht alles so schlecht, wie man hier glauben machen will.»

Das Limmattaler Misstrauen scheint berechtigt und zeigt sich an einem Detail: Die im Gewerbehaus Gubrist in Weiningen eingemieteten Betriebe haben soeben neue Verträge erhalten - mit Laufzeiten bis 2015. Es ist dasselbe Gewerbehaus, das zumindest teilweise abgebrochen werden muss, will der Bund die dritte Tunnelröhre beim Gubrist bauen. Da das Gebäude nun dem Bund gehört, scheint es dieser mit dem Ausbau der Kapazitäten nicht eilig zu haben. So darf zumindest gefolgert werden. Für die dritte Röhre wird mit einer Bauzeit von vier Jahren gerechnet. Ursprünglich sollte der neue Tunnel etwa zwischen 2014 uns 2016 eröffnet werden.

«Der Gubrist kommt viel zu spät»

Hans-Peter Haug, Weiningens Gemeindepräsident und Kantonsrat (SVP), sprach denn auch von absehbaren Verzögerungen beim Gubristausbau. Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) vermutet diese in den Kosten, wird doch mit 940 Millionen Franken gerechnet. Barbara Angelsberger (FDP, Urdorf) sprach davon, dass dem Limmattal angesichts solcher Geschichten der Geduldsfaden reisse. «Der Gubrist kommt viel zu spät. Das Limmattal ist eine grosse Wirtschaftsregion und will auch in Sachen Lebensqualität vorwärts machen», kritisierte sie. Zudem bleibe das Gefühl, als Limmattaler ungerecht behandelt zu werden, wenn man sehe, dass beim Gubrist-Nordportal eine Überdeckung der Autobahn gewährt wurde, nicht aber auf der Südseite im Limmattal. Dafür setzt sich nun die Gemeinde Weiningen ein.

Tatsächlich spielt der Gubristausbau eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Verkehrsüberlastung im Limmattal. Das hält der Zürcher Regierungsrat in seinem vom Parlament im Herbst 2008 bestellten und gestern abschliessend behandelten Ergänzungsbericht zu einem Postulat aus dem Jahr 2002 fest.

Damals - nach der Eröffnung der dritten Baregg-Tunnelröhre - hatten Kantonsrat Willy Haderer (SVP, Unterengstringen) und die inzwischen zurückgetretenen Kantonsräte Reto Cavegn (FDP, Oberengstringen) und Hans-Peter Züblin (SVP, Weiningen) eine Erklärung verlangt, wie das Limmattal vor den Auswirkungen des absehbaren Mehrverkehrs geschützt werden kann.

Limmattalbahn und S19

Zu den Massnahmen zählt laut Regierungsrat nicht nur der Gubristausbau, sondern auch ein Ausbau
des öffentlichen Verkehrs, namentlich durch die Limmattalbahn (erste Etappe bis 2019) und die neue S19 (ab 2015). Die Probleme mit den Zugangsreglern (Tropfenzähler) auf die Autobahn seien behoben, heisst es im Bericht. Lärmschutzmassnahmen seien erfolgt (entlang und auf der A1) oder in Ausarbeitung (entlang der Kantonsstrassen).

Einzige Alternative ist der öV

Lars Gubler (Grüne, Uitikon) nannte den Bericht «Pflästerlipolitik». Interessant sei lediglich die Erkenntnis, dass der öffentliche Verkehr (öV) einen grösseren Anteil am Gesamtverkehr erhalten müsse, soll die Überlastung beseitigt werden. Rolf Steiner (SP, Dietikon) sah in der Limmattalbahn und der S19 Alternativen zum Autoverkehr, allerdings stünden sie «erst übermorgen zur Verfügung». Regierung wie Bund würden den motorisierten Verkehr nach wie vor zu hoch gewichten und Lenkungsmöglichkeiten wie Roadpricing seien kaum ein Thema. «Ein Umdenken ist gefordert», so Steiner.

Kurt Leuch (EVP, Oberengstringen) mahnte, dass eingetroffen sei, was erwartet wurde: Mit der Eröffnung der Westumfahrung herrsche im Limmattal täglich Stau. Noch liegen keine gesicherten Daten vor, welche diese Aussage untermauern. Doch auch Hans-Peter Haug glaubt «in der Tendenz» eine Verkehrszunahme in den Limmattaler Gemeinden festgestellt zu haben.

Willy Haderer gab in seiner Funktion als Präsident der Zürcher Planungsgruppe Limmattal eine persönliche Erklärung ab: Der Kanton müsse mehr Druck auf das im Gubrist-Projekt federführende Bundesamt für Strassen, Astra, machen. Zudem gelte es bei der Limmattalbahn vorwärts zu machen. Denn: «Ohne sie geht gar nichts», so Haderer. Ergänzend müsse das Busnetz im Limmattal ausgebaut werden und eine Dichte wie in der Stadt Zürich erhalten.

Josef Wiederkehr sagte, dass die Lage längst nicht alles so positiv sei, wie im Bericht vom Regierungsrat erklärt. Die Überdeckung in Weiningen hätte vehementer vertreten werden können, das Tropfenzählersystem erzeuge nach wie vor Stau und Ausweichverkehr in den Gemeinden. Für die Stadt Dietikon sei die Limmattalbahn, die Umgestaltung der Autobahnzufahrt beim Industriegebiet Silbern und eine S-Bahn-Station Silbern wichtig, um den Verkehr vom Stadtzentrum fernzuhalten.

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