Zofingen
Zofinger Ehepaar fordert vom Bund 1 Million Genugtuung

Nach dem Tod ihres 41-jährigen Sohnes, der 2005 in einer unwegsamen Region Chiles verschollen war, fordern die Eltern vom Bund eine Million Franken Genugtuung und 210 000 Franken Schadenersatz. Das Ehepaar wirft der Schweizer Botschaft in Chile und dem Aussendepartement vor, am Tod ihres Sohnes mitverantwortlich zu sein.

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Hintergrund: Eine rechtzeitige Suchaktion der Einsatzkräfte per Helikopter sei gescheitert, weil sich der Schweizer Konsul geweigert haben soll, eine Kostenbeteiligung von 1600 Franken für den Treibstoff zu übernehmen. Die Eltern – vertreten durch den grünen Zürcher Nationalrat Daniel Vischer – haben den Fall vor das Bundesverwaltungsgericht gezogen. Dies berichtet der «Beobachter» in seiner aktuellen Ausgabe. Die ganze Geschichte der Familie wird erzählt.

Was war geschehen?

Am 1. März 2005 reiste der Schweizer Patrick Zwimpfer in Chile ein. Er plante ein Tourismusprojekt und machte sich mit seinem Führer Don Juan auf, das auserwählte Land zu besichtigen. Doch die beiden verstehen sich nicht und kehren um. Auf dem Rückweg nach Lago Verde schleicht sich Patrick aus dem Nachtlager und hinterlässt seinem Führer eine Nachricht: Er solle sein Gepäck nachliefern. Zwischen den Zeilen versteckt er auf Deutsch die Nachricht: «Um nicht umgebracht zu werden» und «Tal des Rio Turbio, 3 Stunden hinter Lago Verde».

Am 9. Mai meldet ihn sein ehemaliger Führer Don Juan als verschollen. Danach wird eine Suchaktion eingeleitet. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wird informiert - Patricks Eltern nicht.

Die Suche verläuft wegen des unwegsamen Geländes harzig. Unterstützung aus der Luft wird angefordert. Doch diese scheitert am Geld. Für das Chartern eines Helikopters wären 1600 Franken fällig geworden, doch der zuständige Konsul auf der Schweizer Botschaft in Chile lehnte die Forderung «mangels Geld und einer entsprechenden Kompetenz» ab. Am 20. Mai werden endlich die Eltern über das Verschwinden ihres Sohnes informiert. Sie boten sofort ihre finanzielle Hilfe an, wussten aber nichts von der hängigen Forderung bezüglich des Helikoptereinsatzes.

Die Suche bleibt erfolglos. Beinahe ein Jahr später - am 8. Februar 2006 wird noch einmal nach Patrick Zwimpfer gesucht und seine sterblichen Überreste gefunden. Genau dort, wie er in seiner Nachricht geschrieben hatte. Neben ihm lag ein Abschiedsbrief: «Ich bin nicht verunfallt, sondern umgebracht worden.» (skh)

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