Zoff unter Roman Polanskis Anwälten

Zoff unter Roman Polanskis Anwälten

Polanskis Anwalt Herve Temime.

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Polanskis Anwalt Herve Temime.

Der französische Anwalt von Roman Polanski verteidigt sich gegen den Vorwurf, er sei nicht befugt, im Namen des inhaftierten Regisseurs sprechen.

Stefan Brändle, Paris

«Das Einzige, was ich will, ist, dass Roman Polanski frei- kommt.» Diese Erklärung gab Hervé Temime gestern auf Anfrage ab. Der französische Anwalt des Filmemachers Polanski tritt damit Vorwürfen entgegen, er vertrete den frankopolnischen Regisseur nicht korrekt.

Drei amerikanische Berufskollegen üben scharfe Kritik an Temime. Sie werfen dem 52-jährigen Staradvokaten aus Paris sogar implizit vor, er handle den Interessen Polanskis zuwider. In einem Communiqué liessen die US-Anwälte Douglas Dalton, Bart Dalton und Chad Hummel in Los Angeles gestern verlauten, jüngste Aussagen von Polanskis «französischen Anwälten» seien vom Regisseur «nicht autorisiert» worden; sie «stimmen nicht», heisst es sogar.

Mit Fussfesseln in Gstaad

Temime hatte letzte Woche in einem Interview gegenüber der Pariser Zeitung «Figaro» erklärt, Polanski würde sich seiner Auslieferung in die USA widersetzen, falls diese von einem Schweizer Gericht ausgesprochen würde. Hingegen sei sein Klient bereit, mit einer elektronischen Fussfessel und nach Bezahlung einer hohen Kaution in Freiheit den Gerichtsentscheid in seinem Gstaader Chalet abzuwarten.

Die amerikanischen Anwälte lassen in ihrem Communiqué durchblicken, Polanski habe von diesen Erklärungen gar nichts gewusst. Schroff erklären sie, Temime sei «in dieser Sache nicht befugt, in seinem Namen zu sprechen». Öffentliche Stellungnahmen dürften nur von ihnen selbst oder von Polanskis Schweizer Anwalt Lorenz Erni vorgenommen werden.

Temime, der in Paris schon andere Prominente wie die Schauspielerin Catherine Deneuve oder Umweltminister Jean-Louis Borloo verteidigt hatte, wollte auf den Inhalt dieser Vorwürfe nicht eingehen. Sein Hinweis, dass er einzig auf die Freilassung Polanskis hinarbeite, enthält aber eine indirekte Kritik an den anderen Anwälten, die bisher für ihren prominenten Klienten wenig erreicht haben.

Temime befolgt eine ganz andere Taktik. Der in Algerien geborene Jurist mediatisiert seinen Einsatz stark. Dies geschieht nicht unbedingt zum Selbstzweck, sondern gehört zum Versuch vieler französischer Anwälte, neben den juristischen auch die persönlichen oder gar «politischen» Aspekte eines Falls ins Spiel zu bringen. In einem Interview mit der Zeitung «Libération» meinte Temime am Wochenende, er habe den Fall Polanski übernommen, weil er es nicht ertragen könne, wenn ein einzelner Mensch «der Meute» zum Frass vorgeworfen werde.

Doch vertritt er den Filmemacher überhaupt mit einem offiziellen Mandat? Temime wollte sich auf Anfrage auch zu dieser Frage nicht ausdrücklich äussern. Tatsache ist, dass er im September erklärt hatte, er habe Polanski selber in der Haft in der Schweiz besucht. Der Verhaftete hätte ihn kaum empfangen, wenn er in Temine nicht einen seiner Rechtsvertreter in dieser Affäre sehen würde. Zweifelhaft ist jedoch, ob der französische Anwalt mit seinem Auftreten mehr Erfolg haben wird als die Schweizer oder die amerikanischen Anwälte.

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