Zigaretten
Zigi-Jetons sorgen für Verwirrung

An Automaten gibt es Zigaretten in Basel nur noch mit einer ID oder einem Jeton. Seit dem 1. Januar müssen alle Zigarettenautomaten in der Stadt umgerüstet sein. Für das Servicepersonal bedeutet dies mehr Arbeit.

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Zigi-Jeton

Zigi-Jeton

bz Basellandschaftliche Zeitung

Yen Duong

Es wird in Basel immer mühsamer für die Raucher. Das nicht nur, weil am 1. April hier - und einen Monat später im Baselbiet - das Rauchverbot in Kraft tritt, sondern auch, weil ihnen das Zigarettenkaufen an den Automaten erschwert wird. Wer sich in der Bar eine Zigarette anzünden will, aber keine mehr hat, der bekommt diese am Automaten nur, wenn er das Servicepersonal nach einem Jeton fragt. Hat er Pech und die Beiz ist rappelvoll, muss er geduldig auf die Ausgabe des Jetons warten.

Diese für Raucher lästige Situation hat einen guten Grund: Der Jugendschutz. Denn seit dem 1. Januar müssen alle Zigarettenautomaten in den beiden Basel so umgerüstet sein, dass nur noch über 18-Jährige Zigaretten kaufen können - die Übergangsfrist ist Ende 2009 abgelaufen. Gewisse Bars haben Jetons, in anderen Beizen funktionieren die Automaten nur mit einer Identitätskarte oder einem Fahrausweis, auf welchen das Alter des Käufers gespeichert ist. Auch die wenigen Geräte auf den Strassen spucken Zigaretten nur noch gegen eine Identitätskarte aus.

Die Umrüstung habe gut funktioniert, sagt Caroline Guggisberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Gesundheitsdepartement Basel-Stadt. «Bis heute haben wir nur eine Meldung erhalten, dass ein Automat nicht umgestellt wurde.» Es sei aber nicht so, dass man seit dem 1. Januar in der Stadt herumlaufe und kontrolliere, ob tatsächlich alle Geräte den neuen Vorschriften entsprechen. Im Laufe des Jahres würden jedoch Stichproben durchgeführt. Hält sich ein Wirt oder Clubbesitzer nicht an die neue Regel, hat dies laut Guggisberg rechtliche Konsequenzen.

Missbrauch wird erschwert

Bei der Lungenliga beider Basel rennt das neue System offene Türen ein. «Dass Zigaretten nun auch an Automaten ab 18 erhältlich sind, ist ein wichtiger Beitrag für den Jugendschutz. Somit wird eine Lücke geschlossen», ist Margit Heintz, Leiterin Fachstelle Tabakprävention, überzeugt. Minderjährige würden die Zigaretten eher am Automaten kaufen, da dies im Gegensatz zu einem Kiosk anonym sei, weiss Heintz. Für sie ist aber klar: Wenn ein Jugendlicher unbedingt Zigaretten will, wird er diese bekommen. «Mit diesem System wird der Missbrauch jedoch erschwert.»

Mit den neuen Geräten werden nun auch die Wirte zur Verantwortung gezogen. Sie müssen mit einer Busse rechnen, wenn sie wiederholt Jetons an Minderjährige verteilen. Dass die Wirte gebüsst werden können, macht Josef Schüpfer Mühe: «Es ist schlimm, dass die Verantwortung immer mehr auf andere übertragen wird. Die Eltern sollten doch gebüsst werden», sagt der Präsident des Wirteverbandes Basel-Stadt. Die Umrüstung auf die neuen Automaten hätte gut geklappt. «Wir haben die Geräte eingeführt und kontrollieren im Zweifelsfall das Alter des Käufers.»

Gäste wissen nicht Bescheid

Schüpfer spricht von grösserem Umtrieb und einem Chaos: Die Kunden fänden das neue System lästig. «Sie reagieren böse. Erklärt man ihnen die Situation, schütteln sie den Kopf und meinen, sie würden sich nicht bevormunden lassen», weiss Schüpfer. Er hätte sich gewünscht, die Behörden hätten die Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht. «Viele Gäste wissen nicht Bescheid und meinen, der Automat sei kaputt.»

Das bestätigt Silvia Murri von der Fischerstube an der Rheingasse. «Ich bin erstaunt, wie viele Menschen das nicht wissen. Auch sei es für das Personal mühsam, zusätzlich im Stress Jetons zu verteilen. Dieser Meinung ist auch Verena Bigliel von der Rio Bar am Barfüsserplatz. «Die Jetons sind mühsam. Ist der Laden voll, haben wir deshalb noch mehr Arbeit.» Schüpfer fragt sich ohnehin, ob es die Zigarettenautomaten mit der Einführung des Rauchverbots überhaupt noch braucht.